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Fernbus versus Bahn : Seine Schiene ist die Autobahn

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Zum ersten Mal haben Weihnachtsreisende in Deutschland die Qual der Wahl: Zug oder Fernreisebus, das ist hier die Frage. Bild: dpa

Der Fernbus macht der Bahn in Deutschland Konkurrenz. Das verändert auch den Verkehr an den Weihnachtsfeiertagen. Tausende Reisende stehen vor einer Entscheidung.

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          Fahrten mit den ICEs der Deutschen Bahn kurz vor Weihnachten lassen sich am besten so beschreiben: Meist hat man klebrige Türgriffe in der Hand, bekommt im Minutentakt einen Rollkoffer zwischen die Hacken, und um Stehplätze ist die Bahn auch nicht gerade verlegen. Das ist wenig verwunderlich, denn die Tage vor und nach Weihnachten zählen zu den am besten gebuchten im ganzen Jahr. 360000 Fahrgäste befördert die Bahn an einem durchschnittlichen Tag – um Weihnachten sind es auf einigen Strecken bis zu 30 Prozent mehr.

          Das Quasi-Monopol der Deutschen Bahn ist gefallen

          Seit Anfang des Jahres können genervte Passagiere auf den Fernbus umsteigen. Seitdem nämlich ist das Quasi-Monopol der Bahn auf innerdeutschen Fernstrecken Vergangenheit. Busunternehmen dürfen bei Fahrten über 50 Kilometer Liniendienste anbieten. Anbieter wie Mein Fernbus, Flixbus, City2City, Dein Bus, Aldi-Fernbus und die Eurolines der Deutschen Touring haben den Fernverkehr gehörig aufgemischt. „Vom Passagieraufkommen haben wir an manchen Tagen eine mittelgroße Stadt evakuiert“, sagt Gregor Hintz von Mein Fernbus. Den größten Andrang erwartet sein Unternehmen ebenfalls rund um Weihnachten. „Deshalb stocken wir unsere Kapazitäten in dieser Zeit um 25000 zusätzliche Plätze bis 3. Januar 2014 auf.“

          Im Januar 2013 startete das Berliner Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, jetzt sind es schon 140. Mein Fernbus ist Marktführer, 2,5 Millionen Gäste hat das Unternehmen bislang befördert. Dabei verfügt es nicht einmal über eigene Fahrzeuge, sondern arbeitet mit derzeit 47 regionalen Busunternehmen zusammen. „Wir bieten vor allem Verbindungen an, für die bislang kein befriedigendes Angebot vorliegt“, sagt Hintz. „Insbesondere konzentrieren wir uns auf die Strecken, auf denen die Bahn nur Umsteigeverbindungen anbietet.“ Das seien zum Beispiel Ost-West-Verbindungen wie von Freiburg nach München, von Ludwigshafen nach Nürnberg und von der Nordsee nach Köln. Und es sind längst nicht nur Bahnkunden, die die Dienste nutzen. „Viele Kunden kommen auch von den Mitfahrgelegenheiten, steigen vom Auto auf den Bus um oder sind Kunden, die sonst gar nicht gereist wären“, sagt Hintz.

          Der Bus ist billiger, die Bahn schneller

          Das Geschäft mit dem Fernbus boomt. Anfang der Woche stellten das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) eine Studie vor, der zufolge sich das Angebot seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht hat. Waren es im Januar noch 1540 wöchentliche Fahrten, konnten Fahrgäste im Dezember aus 5100 Verbindungen je Woche wählen. Bis zu fünf Busanbieter konkurrieren auf gut gebuchten Strecken wie der zwischen Berlin und Hamburg und der von Frankfurt nach Köln. Rund 40 Betreiber von Fernbussen agieren auf dem deutschen Markt. Erst im November ging ein weiterer Big Player an den Start: Der ADAC Postbus, der Busableger von Deutschlands größtem Automobilclub und der Deutschen Post, fährt auf fünf Strecken 24 Städte an. Im Februar 2014 sollen weitere Verbindungen hinzukommen.

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