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Ende einer Ära : Ferdinand Piëch will das Kapitel Volkswagen hinter sich lassen

2014 war die Welt für ihn noch in Ordnung: Mit gewohnt undurchdringlichem Gesichtsausdruck kommt der damalige Aufsichtsratsvorsitzende, Ferdinand Piëch, zur Hauptversammlung der Volkswagen AG. Bild: dpa

Ein erbitterter Machtkampf geht dem Ende entgegen: VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piëch verhandelt mit seinen Familienangehörigen über den Verkauf seiner Anteile.

          Nächste Überraschung im Porsche-Piëch-Clan: Der Patriarch Ferdinand Piëch, der die Geschicke des Volkswagen-Konzerns über viele Jahre steuerte, verhandelt mit den Eigentümerfamilien über den Verkauf seiner Anteile an der Porsche SE, der Hauptaktionärin von Volkswagen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Aufregung verursachte ein entsprechender Bericht des „Spiegel“ am Freitagnachmittag in der Zentrale der Porsche SE, die noch gar keine konkreten Angaben darüber machen kann, was im Aktionärskreis wirklich vor sich geht. Das zeigt auch die Pflichtmitteilung, die von der Porsche SE nach Bekanntwerden des Berichts eilig veröffentlicht wurde: „Die Porsche Automobil Holding SE wurde davon unterrichtet, dass die Familien Porsche und Piëch Verhandlungen führen, ob die im Einfluss von Prof. Dr. Ferdinand K. Piëch stehenden Stiftungen den wesentlichen Anteil ihrer mittelbar gehaltenen Stammaktien der Porsche Automobil Holding SE an weitere Mitglieder der Familien Porsche und Piëch übertragen“, heißt es in der Meldung verquast. Und: „Ob es zu den vorgenannten Veränderungen der Aktionärsstruktur der Porsche Automobil Holding SE kommt, ist aktuell nicht abzusehen.“

          Für den Familienclan, der über die Porsche SE rund 52 Prozent der Stammaktien und damit der Stimmrechte an der Volkswagen AG hält, könnte dieser Ausstieg von Piëch ein Befreiungsschlag sein. Unter den Familienstämmen, die sich vor allem auch wegen der Alleingänge von Ferdinand Piëch immer wieder zerstritten haben, werde danach Frieden einkehren, lautet die Hoffnung. Entsprechend groß ist nach Informationen aus Finanzkreisen der Wille, das Geschäft noch vor der Aufsichtsratssitzung Mitte April zu vollziehen.

          Ein materieller Schlussstrich

          Am Geld sollte es nicht scheitern. Die Finanzierung sei gesichert, ist in Finanzkreisen zu hören. Das Paket, das Piëch demnach verkaufen möchte, beinhaltet offenbar nicht nur die 14,7 Prozent der Stammaktien an der Porsche SE, für die die Familien ein Vorkaufsrecht haben und das allein schon eine Milliarde Euro wert sein soll, sondern dem Vernehmen nach auch Vermögenswerte von Piëch rund um Porsche in Salzburg. Allerdings wird darüber noch verhandelt. Einer der Knackpunkte ist, dass die Übermacht des Porsche-Stammes innerhalb der SE, die jetzt schon vorhanden ist, noch vergrößert würde.

          Mit dem Verkauf würde Piëch materiell einen Schlussstrich ziehen unter einen Streit um das Familienerbe, das auf seinen Großvater, Ferdinand Porsche, zurückgeht, den Entwickler des VW-Käfers. Die Entfremdung zwischen Ferdinand Piëch und der Familie begann im April 2015: Piëch trat nach einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit dem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn von fast allen Ämtern zurück; er blieb lediglich Aufsichtsrat der Porsche SE, wo die VW-Beteiligung der Familie liegt und die deswegen als eigentliches Machtzentrum für den größten Automobilhersteller der Welt gilt. Im Konflikt mit Winterkorn hatte sich auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche – und mit ihm der Familienclan – gegen ihn gestellt. Piëch, der Winterkorn damals entmachten wollte, stand am Ende im Aufsichtsrat isoliert da und musste das Feld räumen.

          „Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen“

          Damit lassen sich zunächst nebulöse Informationen neu einordnen, dass die Eigentümerfamilie den Patriarchen bei der nächsten Hauptversammlung der Porsche SE Ende Mai auch nicht mehr für einen Aufsichtsratsposten benennen wollen. Damit verlöre Piëch, der am 17. April 80 Jahre alt wird, den letzten Posten, über den er Informationen bekommt und Einfluss auf den Konzern nehmen kann. Offiziell entschieden ist über die Kandidatenliste für die Aufsichtsratsmandate noch nicht.

          Der Konflikt zwischen Piëch und den anderen Mitgliedern der Familie hatte sich verschärft, nachdem er im Februar Mitglieder des Aufsichtsrats der Lüge bezichtigt hatte. Nach Medienberichten soll der frühere VW-Aufsichtsratschef in Vernehmungen durch die Braunschweiger Staatsanwaltschaft und durch interne Ermittler von VW den Mitgliedern des Aufsichtsrats-Präsidiums wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Betriebsratschef Bernd Osterloh und auch Wolfgang Porsche vorgeworfen haben, früher als bisher bekannt über den Verdacht der Abgas-Manipulationen in Amerika informiert zu haben. Die Beschuldigten haben das mit Nachdruck zurückgewiesen.

          Außergewöhnlich gesprächsbereit zu dem Konflikt mit Piëch zeigte sich jüngst Wolfgang Porsche, der Sprecher des Porsche-Clans und Aufsichtsratschef der Porsche SE. „Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen“, sagte Porsche gegenüber Journalisten auf dem Autosalon in Genf. Piëch habe „sein eigenes Lebenswerk ruiniert“. Sein Cousin habe sich zunehmend isoliert, sagte Porsche.

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