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Ferdinand Piëch wird 80 : Es ging ihm nie um Harmonie

Früherer Großaktionär und Patriarch: Ferdinand Piëch Bild: Imago

Ferdinand Piëch hat die Automobilbranche in Deutschland geprägt. Doch er war auch in so manche Affäre verwickelt. Ein Portrait des früheren VW-Patriarchen.

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          Es ist 15 Jahre her, dass der ehemalige Volkswagen-Vorstandsvorsitzende und -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch auf sein Leben blickte. „Auto.Biographie“ nannte Piëch die fast 300 Seiten lange Rückschau aufs eigene Werk. Sie enthält eine Selbsteinschätzung, deren Wahrheitsgehalt der Automanager in den vergangenen zwei Jahren eindrucksvoll belegt hat. Es ist ein typischer Piëch-Satz – vier Wörter, eine klare Botschaft: „Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt.“ Mit Blick auf die Ereignisse rund um VW nicht nur innerhalb der vergangenen zwei Jahre lässt diese Aussage nur Zustimmung zu. Den Konflikt hat Piëch nie gescheut, er war besessen von dem Ziel, VW zum Weltkonzern, zum größten Autohersteller der Welt zu machen. Dafür hat er in seiner Karriere viele Menschen instrumentalisiert, Manager, Politiker, Gewerkschafter. Erfolge und Skandale wechselten sich dabei ab.

          Der erste Skandal ist mit dem Namen des Spaniers José Ignacio López verbunden, den Piëch in den neunziger Jahren von Opel abwarb und auf einen neu geschaffenen Vorstandsposten „Produktionsoptimierung und Beschaffung“ setzte. Mit López und dessen „sieben Kriegern“, die er von Opel beziehungsweise General Motors mitnahm, holte sich Piëch erfolgreiche Kostendrücker, aber auch viel Ärger ins Haus. Denn López soll geheimes Material von GM zu VW mitgebracht haben. Piëch konnte nicht in die Vereinigten Staaten reisen, weil er einen Prozess wegen Industriespionage fürchten musste. Die juristische Auseinandersetzung im Fall López verlor Piëch später zwar, aber er hatte seinen Punkt gemacht.

          Seinen Punkt machte er später auch mit anderen Managern wie Peter Hartz oder Bernd Pischetsrieder, die mehr oder weniger würdelos abserviert wurden, wenn es dem höheren Ziel diente, mit immer weiteren hinzugekauften Marken und qualitativ hochwertigen Autos den Absatz zu steigern. Apropos Qualität: Dass es in der Autoherstellung unter anderem auf geringe Spaltmaße ankommen könnte, das hat Deutschland von Ferdinand Piëch erfahren.

          Ruhe kehrte nicht ein

          Um Harmonie aber ging es dabei nie und ganz besonders nicht am Ende von Piëchs Zeit bei VW. Dieses Ende begann Anfang April vor zwei Jahren. Und es wirft den längsten Schatten auf Piëchs erfolgreiches Leben für und mit dem Volkswagen-Konzern. Erst ging der damalige VW-Aufsichtsratsvorsitzende Piëch auf Distanz zu Martin Winterkorn, dem damaligen Konzernchef. Das Ziel: den einstigen Vertrauten und designierten Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze aus dem Konzern zu drängen. Dann distanzierten sich aber die anderen Aufsichtsratsmitglieder von Piëch, darunter Mitglieder der eigenen Familie, zum Beispiel sein Cousin Wolfgang Porsche. Nach kurzem Machtkampf zog Piëch den Kürzeren, gestand seine Niederlage ein und verließ Ende April 2015 den Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung. Auch seine Frau Ursula Piëch legte ihr Mandat im Kontrollgremium nieder.

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          Doch Ruhe kehrte danach nicht ein. Im Verlaufe des Skandals um manipulierte Diesel-Motoren von Volkswagen wurden Aussagen Piëchs vor der Staatsanwaltschaft in Braunschweig bekannt. Darin belastete er den ehemaligen VW-Chef Winterkorn sowie mehrere Aufsichtsräte, darunter seinen Cousin Wolfgang Porsche und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Sie alle sollen laut Piëch schon im Frühjahr 2015 von den illegalen Abschalteinrichtungen in den Diesel-Motoren gewusst haben – rund ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Ausbruch des Skandals. Beweise gibt es dafür bis heute nicht. Anfang Februar sah sich der aktuell amtierende Aufsichtsrat der Volkswagen AG sogar genötigt, den Anschuldigungen vehement zu widersprechen. Die internen Ermittlungen der Anwaltskanzlei Jones Day bei Volkswagen hätten ergeben, dass Piëchs Aussagen „unglaubwürdig“ seien, hieß es damals. Es war das nächste Kapitel des zähen Abschieds des einstmals mächtigsten Automanagers Deutschlands.

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