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Geplante Importquoten : „Das ist für den Handel Gift“

  • -Aktualisiert am

Importquoten führen dazu, dass europäische Hersteller weniger nach Amerika ausführen können. Bild: AP

Zuerst ging es im Handelsstreit zwischen der EU und Amerika um Strafzölle. Jetzt zielt Trump vor allem auf niedrigere Importmengen. Das macht die Sache nur noch schlimmer, warnt einer von Deutschlands führenden Ökonomen.

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          Einen Monat mehr Zeit zum Verhandeln: Als Amerikas Präsident Donald Trump am frühen Dienstagmorgen europäischer Zeit die Strafzölle auf Stahl und Aluminiumprodukte bis Ende Mai aussetzte, war dies aus politischer Sicht zumindest ein kleiner Erfolg. Der befürchtete Handelskrieg ist zwar noch nicht abgewendet, aber zumindest aufgeschoben. Doch vor allem aus der Wirtschaft mehren sich jetzt die kritischen Stimmen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Die ganze Diskussion wird langsam absurd“, sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des Bereichs Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut, im Gespräch mit FAZ.NET. Von einem Erfolg für die EU könne keine Rede sein, schließlich schüre Trump die Unsicherheit immer weiter. „Das ist Gift für den Handel, weil sich die Exporteure zurückhalten.“ Die Unternehmen wüssten nun immer noch nicht, ob und wann die Zölle kämen und ob sich ihre Geschäfte mit den Vereinigten Staaten dann noch rechnen würden.

          Dass Trump nun offenbar weniger auf die Zölle, sondern verstärkt auf Importquoten abzielt – davon ist in der entsprechenden Anordnung an mehreren Stellen die Rede –, hält der Ökonom für eine bedenkliche Entwicklung. Zwar seien solche Mengenbeschränkungen für europäische Unternehmen zunächst gar nicht mal so schlecht. Sie könnten dann zwar weniger Stahl- und Aluminiumprodukte nach Amerika ausführen, dies aber womöglich zu höheren Preisen.

          Langfristig jedoch seien Importquoten weitaus schädlicher als Zölle, weil sie so starr und unflexibel seien. „Quoten verzerren den Markt viel stärker als Zölle“, sagt der Ökonom. Zudem käme bei Quoten noch ein weiteres Problem hinzu: Die Länder innerhalb der EU müssten sich darauf verständigen, wer wie viel der insgesamt erlaubten Menge liefert. Das birgt reichlich Streitpotential – was Trump durchaus entgegenkommt.

          Amerika will mehr Rindfleisch exportieren

          Wie Europa sich in der jetzigen Lage verhalten soll? Felbermayrs Rat ist eindeutig: „Europa sollte ein Angebot für ein Handelsabkommen vorlegen.“ Und das sollte seiner Meinung nach nicht nur die Zölle auf Industriegüter umfassen – ein Vorschlag, den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in den letzten Wochen immer wieder lancierte. „Ohne den Agrarmarkt bekommt man in den Vereinigten Staaten keine Unterstützung“, sagt Felbermayr.

          So hätten die Amerikaner ein großes Interesse daran, beispielsweise mehr Rindfleisch und Bioethanol nach Europa zu exportieren. Wer daran wiederum wenig Interesse hat, ist Frankreich mit seiner starken Landwirtschafts-Lobby. Um mit den Amerikanern umfassend verhandeln zu können, müsste insbesondere Deutschland Frankreich anderer Stelle entgegenkommen, sagt Felbermayr – „vielleicht mit einem europäischen Finanzminister.“

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