https://www.faz.net/-gqe-7ia1b

Federal Reserve : Janet Yellen soll amerikanische Notenbank leiten

Eine Frau für die amerikanische Notenbank: Janet Yellen soll die Federal Reserve leiten Bild: dpa

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sich entschieden: Mit Janet Yellen soll zum ersten Mal eine Frau die wichtigste Notenbank der Welt führen. Sie gilt als Veteranin der Finanzkrise.

          2 Min.

          Janet Yellen, die Ökonomin und Vizevorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, soll die Notenbank vom kommenden Jahr an leiten. Präsident Barack Obama wollte Yellen am Mittwoch für die Position vorschlagen. Yellen wäre die erste Frau an der Spitze der 100 Jahre alten Fed und würde auf Ben Bernanke folgen, dessen Vertrag im Januar endet. Obamas Vorschlag kommt mitten in einem Haushaltsnotstand der Regierung, die mangels Budgetermächtigung seit vergangener Woche Ministerien und Behörden teilweise geschlossen hat. Zudem droht den Vereinigten Staaten die Zahlungsunfähigkeit, wenn nicht in Kürze die gesetzliche Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar angehoben wird.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit der Berufung von Yellen endet ein monatelanges Schauspiel, in dem die wirtschaftsinteressierte Öffentlichkeit in sehr ungewohnter Weise über mögliche Kandidaten des Präsidenten spekuliert hat. Angeheizt wurde die Debatte immer wieder durch offensichtlich gestreute Informationshäppchen aus dem Umfeld Obamas oder der Kandidaten. Im Juni hatte Obama Bernanke faktisch vor die Tür gesetzt, als er erklärte, der Fed-Vorsitzende sei schon länger geblieben, als von ihm erwartet worden sei. Bernanke selbst hatte bis zum Mittwoch noch nicht offiziell erklärt, dass er für eine dritte Amtszeit als Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehe. Dem Princeton-Ökonomen, der die Fed seit 2006 leitet und in der Finanzkrise 2008 zum umstrittenen Krisenretter des Finanzsystems wurde, wird nach den anstrengenden Krisenjahren schon seit langem Amtsmüdigkeit nachgesagt.

          Kontinuität in der Geldpolitik

          Die 67 Jahre alte Yellen verspricht große Kontinuität in der Geldpolitik der Federal Reserve. Als Vizevorsitzende der Fed hatte sie seit 2010 neben Bernanke die extrem expansive Geldpolitik der Fed vorangetrieben. Mit beiden Namen verbindet sich die quantitative Lockerung, des Ankaufs von Staats- und Hypothekenanleihen in vierstelliger Milliardenhöhe, sowie die sogenannte „forward guidance“. Die Fed hat darin für die Geldpolitik verbale Leitplanken gesetzt und den Finanzmärkten faktisch zugesichert, den Leitzins frühestens dann anzuheben, wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt. Zuletzt lag sie bei 7,3 Prozent.

          Im September war der Offenmarktausschuss zur großen Überraschung der Finanzhändler davor zurückgeschreckt, die Anleihekäufe über 85 Milliarden Dollar im Monat zu verringern. Mit der Berufung Yellens darf als sicher gelten, dass die Fed einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nur sehr gemählich einleiten wird.

          An den Finanzmärkten werde die Berufung Yellens gut aufgenommen, kommentierte David Kotok, der Vorsitzende der Anlagegesellschaft Cumberland Advisers. Yellen sei hoch qualifiziert, erfahren und eine Veteranin der Finanzkrise.

          Lawrence Summers gab im September das Rennen auf

          Obama hatte den Sommer über seinen früheren Wirtschaftsberater Lawrence Summers in die sehr enge Kandidatenauswahl genommen. Gegen den extrem selbstbewussten und smarten Harvard-Ökonomen gab es auf dem linken Flügel der Senat-Demokraten aber nur schwer überwindbaren Widerstand. Summers wurde eine zu große Nähe zur Wall Street und zur Finanzwirtschaft vorgeworfen und eine angebliche Vorliebe zur Deregulierung der Finanzmärkte. Mitte September hatte Summers sich angesichts des Widerstands aus der Konkurrenz verabschiedet.

          Die als gute Ökonomin anerkannte Yellen hat im Gegensatz zu Summers in den Reihen der Demokraten sehr viele Befürworter. Sie muss vom Senat in der Aufgabe bestätigt werden, bevor Obama sie endgültig ernennen kann. Der demokratische Senator Charles Schumer (New York) erklärte, Yellen sei eine ausgezeichnete Wahl. „Ich glaube, dass sie mit einer großen Mehrheit bestätigt wird.“

          Yellen wurde 1946 in Brooklyn geboren. Sie ist seit 2010 Vize-Vorsitzende der Federal Reserve. Zuvor war sie Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, Beraterin des Weißen Hauses und Fed-Gouverneurin unter Präsident William Clinton und Professorin an der Universität von Berkeley. Sie ist mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof verheiratet, mit dem sie auch gemeinsam zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten verfasst hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Auch Montag Streiks in Frankreich : Rien ne va plus

          Frankreich steht still: Am Samstag fährt nur ein Bruchteil der Züge, Lkw-Fahrer legen gleich mehrere Autobahnen lahm. Und die Gewerkschaften kündigen weitere massive Proteste an – auch zum Beginn der neuen Woche.

          Klimademo in Madrid : 500.000 Demonstranten – oder 15.000?

          Eine halbe Million Menschen demonstrierten laut Greta Thunberg in Madrid für eine andere Klimapolitik. Die Polizei zählte allerdings deutlich weniger. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse verzerrt das Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.