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Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte : Fed stellt zwei weitere Zinsschritte für 2022 in Aussicht

Der Präsident der Federal Reserve Jerome Powell während einer Rede in Washington am 27. Juli 2022. Bild: AP

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöht. Gleichzeitig hat sie ihre Wachstumsprognose für 2022 deutlich gesenkt.

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          Die Federal Reserve ist entschlossen, die Inflation zu bändigen: Sie hebt den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte an und stellt weitere Zinsschritte in Aussicht. Es ist die dritte Leitzinsanhebung in dieser Größenordnung in Folge. Die am Mittwochabend verkündete Entscheidung fiel einmütig.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Zinsen für Übernachtausleihungen von Banken bewegen sich jetzt in der Bandbreite von 3 und 3,25 Prozent. Die Notenbank erwartet, „dass weitere Anhebungen angemessen sein werden“, heißt in der Mitteilung, die nach der zweitägigen Fed-Sitzung veröffentlicht wurde. Sie sei „wild entschlossen, die Inflation wieder auf die Zielmarke von zwei Prozent zurückkehren zu lassen“, heißt es weiter. Die amerikanische Kerninflation hatte im August bei 6,3 Prozent gelegen.

          Die kräftige Zinserhöhung hat die Anleger an der Wall Street am Mittwoch verschreckt. Nach einem Auf und Ab der Kurse nach der Zinsanhebung büßte der Dow Jones am Ende 1,70 Prozent auf 30.183,78 Punkte ein. Im späten Handel nahm der Verkaufsdruck immer mehr zu, der Leitindex fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten.

          Fed-Chef Jerome Powell sagte, die Fed werde die Geldpolitik weiter straffen, bis überzeugende Hinweise für ein Nachlassen der Inflation auftauchten. Eine erfolgreiche Politik für die Reduzierung der Inflation verlange eine längere Periode, in der das Wirtschaftswachstum unter dem Wachstumstrend und dem Potential der Volkswirtschaft liegt. Zudem müsse sich der Arbeitsmarkt abkühlen. Er wiederholte die Kernaussage seiner Grundsatzrede von Jackson Hole, dass es ohne Schmerzen nicht gehe. Lektionen aus der Vergangenheit zeigten, dass eine vorzeitige Rückkehr zu einer lockeren Geldpolitik schädlich sei und das Leiden verlängere.   

          Die Entschlossenheit der Fed spiegelt sich auch in den Projektionen der Notenbank wider, die die Vorhersagen der Notenbanker zu Wachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation und Wachstum bündeln. Im Mittel rechnen die Notenbanker damit, dass die Leitzinsen noch in diesem Jahr auf 4,4 Prozent klettern. Das würde zwei weitere Leitzinserhöhungen noch in diesem Jahr bedeuten. Zwei Fed-Sitzungen stehen in diesem Jahr noch an. Fürs nächste Jahr erwarten die Notenbanker nur noch einen kleinen Zinsschritt, bevor dann von 2024 an die Geldpolitik wieder leicht gelockert wird. Das Inflationsziel von annähernd zwei Prozent wird demzufolge nicht vor 2025 erreicht.

          Der Preis für die Straffung ist ein schrumpfendes Wirtschaftswachstum: Für dieses Jahr sagen die Notenbanker nahezu Stagnation bei einem Wachstum von gerade 0,2 Prozent voraus. In den Jahren darauf bleibt das Wachstum den Projektion zufolge unter zwei Prozent, während die Arbeitslosenquote auf bis zu 4,4 Prozent steigt.

          Powell sieht den amerikanischen Arbeitsmarkt in einer historisch einmaligen Lage: Die in der Folge der strafferen Geldpolitik veränderten Finanzkonditionen dämpfen zwar Wachstum und Export, doch auf den Arbeitsmarkt haben sie noch nicht durchgeschlagen. Dieser ist nach Powells Worten immer noch aus dem Gleichgewicht angesichts der Tatsache, dass es deutlich mehr offene Stellen als Arbeitssuchende gibt.

             

          Am Donnerstag entscheidet die Bank of England über ihren Leitzins, um die bei rund zehn Prozent liegende Inflation zu bekämpfen. Die britischen Notenbanker hatte wegen des Todes von Königin Elisabeth II. die Sitzung verschoben. Noch vor einigen Wochen erwartete die Mehrheit der Ökonomen einen Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte. Nach Ansicht vieler Beobachter könnte nun aber eine aggressive Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf dann 2,5 Prozent anstehen. Das wäre der größte Zinssprung in London an einem Tag seit 27 Jahren.

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