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FDP und BDI fordern mehr Geld : Der Weltraumbahnhof ist kein Witz

Der europäische Weltraumbahnhof im französischen Kourou Bild: dpa

Er wolle zwar keine Raketen aus der Friedrichsstraße steigen lassen, ein deutscher Weltraumbahnhof sei dennoch sinnvoll, findet Industrie-Präsident Kempf. Die FDP pflichtet ihm bei – und will die Weltraumwirtschaft „entfesseln“.

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          Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Forderung nach einem deutschen Weltraumbahnhof bekräftigt. Das sei „kein Witz“ gewesen, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er warb für den Nutzen von Satelliten- und Weltraumtechnik etwa für die Mobilfunkversorgung, das Bekämpfen von Waldbränden und das autonome Fahren.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Es gehe ihm nicht darum, Ariane-Raketen von der Friedrichstraße starten zu lassen, sagte Kempf, sondern kleine Startrampen, sogenannte Micro-Launcher. Ein kleiner Weltraumhafen sei daher sinnvoll. Die Forderung des BDI nach einem deutschen Weltraumhafen hatte teilweise für Spott gesorgt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte mit Zurückhaltung reagiert und zunächst das angekündigte Weltraumgesetz versprochen.

          Der FDP geht das alles viel zu langsam. „Der Weltraum wartet nicht auf Deutschland“, warnt der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Reinhard Houben, im Gespräch mit der F.A.Z. Seine Partei will mit einem eigenen Antrag die Bundesregierung zur Eile mahnen. In dem Papier fordert die Fraktion eine „Deutsche Weltraumagentur“ einzurichten, um Kompetenzen zu Raumfahrtaktivitäten zu bündeln und einen neuen „Raumfahrt-Index“ zu verwalten – eine Art Register für alle in Deutschland startenden Objekte.

          FDP fordert Fonds

          Verbote zugunsten Sicherheit und Umwelt lehnen die Liberalen freilich ab. Stattdessen wollen sie den Reiz umweltfreundlicher Technologien durch eine reduzierte Versicherungspflicht erhöhen. Houben setzt auch auf den Staat als Kunden: „Zunächst müssen staatliche Raumfahrtmissionen nur noch mit europäischen Trägerraketen starten, sonst verliert Europa den Anschluss“, meint der Politiker.

          Denn hinter der europäischen Raumfahrttechnologie steckten jede Menge deutscher Arbeitsplätze, Forschung und Steuergelder. Einen ähnlichen Ansatz wollen auch andere Staaten der Europäische Weltraumorganisation Esa verfolgen. Bei einem Vorbereitungstreffen unterzeichneten die Minister kürzlich eine Erklärung über den institutionellen Einsatz der Ariane-6 und der Vega-C. Europa soll einen eigenen Zugang zum Weltraum sichern, die Bündelung institutioneller Nachfrage nach den Startdiensten soll dabei helfen.

          Die FDP will ferner mehr Mittel für den neuen Weltraumsektor („New Space“) zur Verfügung stellen. „Wir brauchen dringend einen aus staatlichen und privaten Mitteln finanzierten New Space Fonds, der die junge Raumfahrtwirtschaft in Deutschland entfesselt und beschleunigt“, erklärt Houben. Das Geld soll zur Hälfte aus Mitteln des nationalen Weltraumprogramms und zur Hälfte von institutionellen Investoren sowie Privatanlegern kommen. „Die Bundesregierung muss jetzt das lang versprochene Weltraumgesetz vorlegen und unsere zehn Jahre alte Raumfahrtstrategie überarbeiten.“ Es sei außerdem peinlich, dass fast sämtliche Raumfahrtnationen schon von weiblichen Astronauten repräsentiert wurden, Deutschland aber noch von keiner.

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