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Vorschlag für Rauchfrei : Was hinter dem Rauchverbot der FDP steckt

Andere europäische Länder sind Deutschland weit voraus, wenn es um ein konsequentes Rauchverbot geht. Doch auch bei uns besteht laut Politik Handlungsbedarf. Künftig soll an Schulen und auf Spielplätzen nicht mehr geraucht werden. Das fordert aktuell die FDP.

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          Nach dem Rauchverbot in Restaurants droht den Freunden der Zigarette weiteres Ungemach. Müssen sie bald auch an Bushaltestellen, auf Spielplätzen oder gar in Parks Verzicht üben? Der globale Trend ist eindeutig. Doch auch in Deutschland wächst der politische Druck, Passivraucher stärker zu schützen. Die Grünen stehen spätestens seit ihrem Beschluss, Veggie-Day-Initiativen zu unterstützen, im Ruf, eine lustfeindliche Verbotspartei zu sein. Wenn sie eine Ausweitung des Tabakverbots auf den öffentlichen Raum anstießen, würden die wenigsten aufhorchen. Doch nun liebäugelt ausgerechnet ein Liberaler mit einem solchen Eingriff.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Es geht darum, dass der Staat eingreifen muss, wenn Menschen der Gefahr des Passivrauchens nicht ausweichen können“, sagte der drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Wieland Schinnenburg. Wie er hervorhebt, geht es ihm nicht um ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit, sondern nur um einen konsequenten Nichtraucherschutz. Der sei besonders dort wichtig, wo Kinder betroffen seien: vor Schulen, Kitas und auf Spielplätzen. Umgekehrt brauche man kein Rauchverbot in Bereichen, die umgehbar seien, wie vor Gaststätten. „Auf Bahnhöfen und Bahnsteigen brauchen wir dann ein Rauchverbot, wenn es keine abgetrennten Raucherbereiche gibt.“

          Andere Länder und Städte haben die Orte, an denen Raucher noch qualmen dürfen, schon spürbar beschnitten. Zuletzt die Schweden. Seit Kurzem darf man dort auf Bahnsteigen, im Eingangsbereich von Gaststätten und auf Spielplätzen nicht mehr rauchen. Das gilt auch für E-Zigaretten. Das alles sind Schritte auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: das Land bis 2025 raucherfrei zu machen. Finnland hat sich dafür mehr Zeit gegeben, dort will man erst 2030 rauchfrei sein. Eine Strategie auf diesem Wege: Helsinki erlaubt Vermietern und Wohnungsbaugesellschaften, das Rauchen auf Balkonen und Terrassen zu verbieten.

          Doch nicht nur in Nordeuropa gelten strenge Regeln. In Straßburg gibt es seit Mitte vergangenen Jahres ein Rauchverbot in allen öffentlichen Parks. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 68 Euro. Inzwischen hat auch die französische Hauptstadt nachgezogen. In 52 Parks von Paris soll nicht mehr geraucht werden. Die Stadtverwaltung hat damit 10 Prozent der Grünflächen zur raucherfreien Zone erklärt. Dort droht nun bei Verstößen ein Bußgeld von 38 Euro – wie seit 2015 auf den 500 Kinderspielplätzen. Seit demselben Jahr darf auch nicht mehr hinter dem Steuer geraucht werden, wenn Kinder im Auto sitzen. Wer das missachtet muss 135 Euro bezahlen. Und sogar im Urlaub muss man aufpassen: Nizza und Cannes haben ganze Strandabschnitte für Raucher gesperrt.

          Amerika ist Vorreiter dieser Bewegung. Dort haben viele Bundesstaaten schon lange strikte Rauchverbote. In den Parks und an den Stränden New Yorks herrscht seit mittlerweile acht Jahren ein Zigaretten-Bann. Und nicht nur in, sondern auch vor den Eingängen öffentlicher Gebäuden darf nicht geraucht werden.

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