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FBI : Zittern vor der Weltpolizei

FBI-Ermittler sicherten in Florida Beweismaterial im Zuge der Fifa-Untersuchungen Bild: AFP

Der Arm der amerikanischen Justiz ist lang. Bestechliche Führungskräfte können überall auf der Erde in die Fänge der Ermittler geraten - nicht nur bei der Fifa. Was steckt dahinter?

          6 Min.

          Den 14. April 2013 wird Frédéric Pierucci nie mehr vergessen. Als er an jenem Sonntag aus Singapur kommend, auf dem New Yorker Kennedy-Flughafen landete, hatte der französische Manager noch nicht die leiseste Vorahnung, was ihm bevorstehen würde. Pierucci, 46 Jahre alt, ein Manager auf dem Höhepunkt einer glanzvollen Karriere. Er hatte sich beim französischen Industriekonzern Alstom in gut zwei Jahrzehnten zum Leiter der Dampfkessel-Division mit 4000 Beschäftigten auf der ganzen Welt und einem Milliardenumsatz hochgearbeitet. Doch all das sollte bald nur noch insoweit zählen, als es gegen ihn verwendet werden konnte – als Mitwisser, wenn nicht als Mithandelnder in einem Korruptionsskandal in Indonesien.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die New Yorker Polizei griff am Flughafen zu, die nächsten vierzehn Monate verbrachte Pierucci in einem Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates Rhode Island voller Schwerverbrecher, Serienmörder und ehemaliger Mafiosi. Vier Monate lang teilte er einen Schlafsaal, fünf Duschen und zwei Toiletten ohne Türen mit 54 Insassen. Neun Monate hatte er keinen Ausgang im Hof, eine Weile nicht mal ein Fenster in der Zelle. Während seiner Haftzeit kamen drei Insassen unter ungeklärten Umständen zu Tode. Die hohen Mauern der Donald W. Wyatt Detention Facility verließ der Vater von vier Kindern erst, nachdem seine Familie und Freunde eine Kaution von 1,5 Millionen Dollar zusammengekratzt hatten. Seitdem wartet er in Frankreich auf sein Urteil.

          Persönliche Bereicherung wurde Pierucci nie vorgeworfen. Er hat sich aber so wie drei Alstom-Kollegen schuldig bekannt, mehr als zehn Jahre zuvor in Indonesien an der Bestechung von Parlamentsabgeordneten und eines Energieversorgungsunternehmens für einen Auftrag im Wert von 118 Millionen Dollar beteiligt gewesen zu sein. Die Amerikaner verstehen da keinen Spaß: Pierucci drohen zehn Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 500.000 Dollar. „Die Strafabteilung des Justizministeriums geht allen Hinweisen auf Bestechung auf den Grund – ob in den Vorstandsetagen oder in kleinen Büros“, teilte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Leslie Caldwell mit.

          Nicht nur den Willen, sondern auch die Mittel zu handeln

          Der Fall Pierucci ist nur einer von vielen. Er zeigt: Der Arm der amerikanischen Justiz ist stark – und er ist lang. Ein französischer Konzern besticht in Indonesien staatliche Entscheidungsträger, doch für Gerechtigkeit sorgt die amerikanische Justiz. Das ist die Folge des Foreign Corrupt Practices Act (FCPA), eine bald vierzig Jahre alte Gesetzgebung der Vereinigten Staaten, die amerikanische Behörden seit einiger Zeit immer heftiger außerhalb ihrer Landesgrenzen durchsetzen. Die Verbindungen zu Amerika können dabei äußerst lose sein, manchmal reicht eine amerikanische E-Mail-Adresse oder eine Dollar-Zahlung, um Ermittlungen loszutreten.

          Der Bestechungsskandal bei der Fifa, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Schweizer Finanzhäuser oder die Embargoverstöße durch französische Banken fallen in dieselbe Kategorie, auch wenn dafür etwas andere Gesetze als der FCPA die Grundlage sind. Amerika ist heute Weltpolizist. Ist das gut so, weil sonst niemand diese Rolle ausfüllen kann und will? Oder schießen die Amerikaner gelegentlich über das Ziel hinaus?

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