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FAZ.NET-Spezial : Middelhoff führt Karstadt-Quelle

  • Aktualisiert am

Aufräumarbeiten bei Karstadt-Quelle Bild: dpa/dpaweb

Jetzt ist es offiziell: Thomas Middelhoff wird neuer Karstadt-Chef. Das Unternehmen teilte im Anschluß an eine Aufsichtsratssitzung mit, neuer Aufsichtsratsvorsitzender werde der frühere Linde-Finanzvorstand Hero Brahms.

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          Der krisengeschüttelte Karstadt-Quelle-Konzern hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden.

          Wie am Mittwoch aus Kreisen des Aufsichtsrates zu erfahren war, wird Thomas Middelhoff, der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende, an die Spitze des Vorstandes treten. Am Donnerstag bestätigte der Konzern diese F.A.Z.-Informationen. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wird der frühere Linde-Finanzvorstand Hero Brahms.

          Pinger nur als Interimslösung

          Der Vorstandsvorsitz des Essener Handelskonzerns ist seit Anfang April vakant. Christoph Achenbach hatte nach nur neun Monaten als Karstadt-Quelle-Chef das Handtuch geworfen und nach fortgesetzter Kritik an seinem Führungsstil und seiner Rolle als ehemaliger Quelle-Chef sein Amt niedergelegt. Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis März kommenden Jahres gelaufen. Seither koordiniert Finanzchef Harald Pinger den Vorstand, wobei diese Koordinator-Funktion nur als eine kurze Interimslösung gedacht ist. Der ausgewiesene Finanzexperte ist erst im September vergangenen Jahres von Middelhoff in den Karstadt-Quelle-Vorstand geholt worden.

          Thomas Middelhoff hat den „Befreiungsschlag” ausgeführt

          Der Suche nach dem neuen Vorstandsvorsitzenden sollte international "nach einem klaren Anforderungsprofil" erfolgen, hieß es nach dem vorzeitigen Ausscheiden Achenbachs im April. Wenig später war dann von einem Kreis von vier möglichen Kandidaten die Rede. Vor wenigen Tagen hieß es noch in Essen, der neue Unternehmenschef solle bis spätestens Ende Juni präsentiert werden.

          Schickedanz hält fast 50 Prozent der Aktien

          Offenbar hat sich die Suche nach einem Handelsprofi mit den einschlägigen Erfahrungen eines Sanierers deutlich schwieriger gestaltet als zunächst angenommen. Der einstige Bertelsmann-Chef Middelhoff, der hauptamtlich als Partner der in London ansässigen Private-Equity-Gesellschaft Investcorp für europäische Unternehmensbeteiligungen zuständig ist, lenkt den Aufsichtsrat seit Juni 2004.

          Er gilt als enger Vertrauter von Madeleine Schickedanz, der Hauptaktionärin von Karstadt-Quelle, die ihr Engagement in den vergangenen Wochen durch Aktienzukäufe im größeren Stil auf mittlerweile fast 50 Prozent ausgebaut hat.

          Kein Handelsprofi

          Madeleine Schickedanz, deren Interessen im Aufsichtsrat von ihrem Ehemann Leo Herl vertreten werden, hatte den 52jährigen Middelhoff seinerzeit in großer Sorge um ihr Investment geholt. Sein Auftrag lautete, die Sanierung des Konzerns zu begleiten. Er hat sich seither so aktiv wie kaum ein zweiter Aufsichtratschef in Deutschland um die Unternehmensbelange gekümmert. Er selbst hat sich wiederholt als Sparringspartner des Vorstands bezeichnet.

          Middelhoff erfüllt zwar das internationale Anforderungsprofil, er ist aber kein Handelsprofi. Der promovierte Betriebswirt hat vor fast zwanzig Jahren seine Karriere bei Bertelsmann gestartet. 1998 rückte er an die Unternehmensspitze, schied dort 2002 aber wegen unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Strategie aus.

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