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Nimmermüde Gesellschaft : Schlaflos durch die Nacht

Mindestens siebeneinhalb Stunden Schlaf sind nötig. Bild: mauritius images

Wenn die Müdigkeit kein Ende findet: Fast jeder Dritte klagt über Schlafstörungen. Matratzenhändler, Pillendreher und App-Hersteller versprechen Abhilfe. Was bringt das alles?

          Wann genau Frank Winter aufgehört hat, seinen eigenen Rhythmus zu spüren, weiß er heute nicht mehr. Vielleicht war es in diesem Projekt, das für seine Firma so wichtig war und für das er nächtelang durcharbeitete, um es zu einem guten Abschluss zu bringen. Aber das war ja nur eine kurze Phase. Vielleicht war es auch erst, als er mit seiner Freundin in die neue Wohnung zog. Seine eigene Wohnung, die er sich mit Mitte 40 doch noch leistete, obwohl der Kredit dafür größer ausfiel als geplant. Am Anfang hatte er deswegen ein paar schlaflose Nächte. Aber ist das nicht normal? Ganz sicher ist er aus dem Takt geraten, als er merkte, dass es zwischen ihm und seiner Freundin nicht mehr richtig läuft, auch, weil er so viel arbeitet. Seitdem liegt er oft nachts wach. Und grübelt.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dann führt er Zwiegespräche mit sich selbst und fragt sich, wie er all das besser machen könnte. Oder warum es nicht reicht, obwohl er sich doch anstrengt. Und er versucht sich zu beruhigen: Schlaf doch endlich ein! Doch je öfter er sich das sagt, desto länger liegt er da und wälzt sich herum. Hört die Uhr im Kopf laut ticken, bis es drei Uhr morgens ist. Oder vier. Der Schlaf kommt selbst dann noch nicht. Wenn er endlich einschläft, klingelt bald schon wieder der Wecker. Winter vermisst nicht nur den Rhythmus aus Schlafen und Wachsein, den anscheinend alle anderen außer ihm haben. Er spürt auch, dass sein Körper allmählich aus dem Tritt gerät. Er hat Schmerzen. Und Angst, dass die durchwachten Nächte nicht mehr aufhören.

          Seine Angst ist nicht unberechtigt. Denn wer derart in die Grübelspirale geraten ist, der schläft nicht nur ein paar Nächte lang schlecht. Der hat vielmehr eine Schlafstörung ausgebildet, die oft das ganze Leben beeinflusst. Bei Frank Winter ist das so. Er heißt im richtigen Leben anders, möchte aber nicht, dass alle Welt weiß, wie mürbe ihn die Schlaflosigkeit macht. Das ist verständlich. Dabei ist er, anders als er selbst vermutet, längst nicht der einzige Schlechtschläfer unter lauter Gesunden. Im Gegenteil. Jeder dritte bis vierte Bundesbürger leidet zumindest gelegentlich unter Schlafproblemen, verraten die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Bei 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung sind die Störungen so stark, dass sie unbedingt behandelt gehören, warnen die Schlafforscher, weil sie sich sonst nach spätestens vier Wochen verselbständigen und chronisch werden können.

          Angst vor Schlaflosigkeit

          Die Umfragen zum Thema sind eindeutig: Jeder Vierte klagt laut Robert-Koch-Institut, das Schlafen falle ihm schwer. Immerhin jeder Zweite schläft mindestens einmal im Monat schlecht, jeder Neunte sogar dreimal pro Woche. Und mehr als 40 Prozent der Bevölkerung sagen: Ich habe Angst vor Schlaflosigkeit.

          Man muss sich nur einmal im eigenen Bekanntenkreis umhören: Junge Eltern schlafen kaum noch durch, weil ihre Kinder schreien oder schlecht träumen. Ältere wachen morgens um vier oder fünf auf und liegen dann wach. Es gibt die Gestressten, denen der Gedanke an ihre vielen Aufgaben den Schlaf raubt. Die Ärzte in Schichtarbeit, die aus dem Takt geraten. Frisch Getrennte, die nachts in ihre Kissen weinen. Viele nehmen die Sorgen vom Arbeitsplatz mit ins Bett, den Ärger mit dem Chef oder finanzielle Ängste. Anderen lassen Krankheiten auch nachts keine Ruhe. Die Deutschen, könnte man meinen, sind ein Volk der Schlecht- und Wenigschläfer.

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