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Migration : Fast 40 Prozent der Afrikaner denken ans Auswandern

Einwanderer aus Tunesien, aufgenommen in Paris. Bild: dapd

Millionen Afrikaner überlegen, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren. Jeder vierte Emigrationswillige möchte nach Europa. Das bringt Probleme – in den Aufnahmeländern und in den Herkunftsstaaten

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          Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen denkt in den meisten afrikanischen Ländern ein erheblicher Teil der Bevölkerung ans Auswandern. Laut einer Befragung von Afrobarometer erwägen durchschnittlich fast vier von zehn Einwohnern (37 Prozent) eine Emigration. 18 Prozent gaben an, sie hätten „sehr viel“ darüber nachgedacht. Das panafrikanische Forschungsnetzwerk Afrobarometer hat dazu in den vergangenen zwei Jahren fast 46.000 Afrikaner in 34 Ländern befragt.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Auswanderungsneigung ist höher unter Männern (40 Prozent) als unter Frauen (33 Prozent). Besonders junge Leute sind offen dafür, ihren Heimatländern den Rücken zu kehren. Unter den 18- bis 25-Jährigen überlegt dies fast jeder Zweite. Die potentiellen Emigranten sind nicht die Ärmsten, sondern eher die besser Ausgebildeten und eher Stadtbewohner als die Landbevölkerung. Als Hauptgrund nennen sie die Suche nach Arbeit (44 Prozent) sowie die Hoffnung, der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu entkommen (29 Prozent).

          Unter den potentiellen Auswanderern hat jeder Zehnte schon konkrete Pläne und Vorbereitungen gemacht, so die Befragungsergebnisse von Afrobarometer. Das seien zwar nur etwa 3 Prozent der Bevölkerung, schreiben die Forscher. „Das entspricht aber in absoluten Werten einer sehr substantiellen Zahl von potentiellen Migranten“, fügen sie hinzu. Sie verweisen auf das starke Bevölkerungswachstum. Von heute rund 1,3 Milliarden Menschen soll die Bevölkerungszahl Afrikas laut UN-Prognose sich bis 2050 verdoppeln. Ein Drei-Prozent-Anteil entspricht derzeit etwa 40 Millionen Menschen.

          Sorgen vor Überforderung

          Befragt nach ihren Zielländern, antworteten mehr als ein Drittel der potentiellen Migranten, sie wollten in ihrer Region bleiben. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) gaben Europa als Wunschziel an, etwas weniger (22 Prozent) nannten Nordamerika. Die höchsten Anteile von Auswanderungswilligen fanden die Forscher in Zentralafrika sowie in Westafrika, allen voran in Sierra Leone, Gambia und Togo. Dort würde mehr als die Hälfte der Bevölkerung gerne emigrieren. Auch Sudan und Liberia stehen weit oben in der Liste, gefolgt vom krisengeschüttelten Zimbabwe, das eine Auswanderungswelle in Nachbarländer wie Südafrika erlebt hat.

          In Nordafrika sticht Tunesien hervor, wo laut der Befragung ein Viertel der Bevölkerung „sehr viel“ übers Auswandern nachdenkt. Die Jugendarbeitslosigkeit in Nordafrika liegt laut offiziellen Angaben bei mehr als einem Drittel. Viele blicken sehnsuchtsvoll übers Mittelmeer. In Marokko denken 13 Prozent „sehr viel“ und 23 Prozent „etwas“ an Migration.

          Laut einer von Afrobarometer zitierten Studie des Pew-Forschungszentrums sind seit dem Jahr 2010 schon mindestens eine Million Menschen aus Subsahara-Afrika nach Europa gezogen. Die Fachleute von Afrobarometer, einem Netzwerk mehrerer afrikanischer Institute, sehen sowohl Chancen als auch Risiken durch die afrikanische Migration. In ihrem Fazit betonen sie die Probleme: Ihre Ergebnisse zeigten, dass es wichtig sei, „die Migrantenströme einzudämmen“. In den Zielländern der Migranten gebe es Sorgen wegen einer Überforderung der Aufnahmekapazitäten. Die afrikanischen Länder drohten dagegen einen Gutteil ihrer besser ausgebildeten Jugend zu verlieren und einen „Brain Drain“ zu erleiden.

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