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Familienunternehmen : Die Firma Bayreuth

„Hier gilt´s der Macht”. Wolfgang Wagner mit Liebling Katharina Bild: picture-alliance/ dpa

Das Ende eine Besonderheit: Als Familienunternehmen hat Richard Wagner die Festspiele hinterlassen. Damit ist jetzt Schluss: Die Erben werden aus der Firma verstoßen. An ihre Stelle tritt der deutsche Staat - und das ist gut so.

          6 Min.

          Wenn am kommenden Donnerstagabend kurz vor 23 Uhr die letzten Takte des Parsifal verklungen sind, wartet das Festspielpublikum in Bayreuth auf einen alten Mann mit weißem Haar. Die große Frage heißt: Tritt Wolfgang Wagner zum Abschied ein allerletztes Mal vor den Vorhang des Festspielhauses?

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist der Abschied von einer Ära, die vor 57 Jahren begann. Und es ist das definitive Ende eines mittelständischen Familienunternehmens, dessen Gründung auf das Jahr 1867 datiert. Am 30. August 2008 feiert Wolfgang Wagner seinen 89. Geburtstag. Tags darauf tritt er als „Festspielunternehmer“ – so heißt der Mann ganz offiziell – zurück. Einen Tag später beginnt eine neue Epoche: Einen Festspielunternehmer aus der Familie Wagner wird es fortan nicht mehr geben. An seine Stelle tritt der deutsche Staat.

          Eine historische Einmaligkeit

          Zwar wird Wolfgang Wagners Tochter Katharina aller Voraussicht nach in Bayreuth künstlerisch das Sagen haben. Aber die wirtschaftliche Macht hat sie nicht. Die 30-jährige Urenkelin des Gründers wird angestellte Managerin, ausgestattet mit einem Zeitvertrag, vergleichbar einer Intendantin an einem ganz normalen Opernhaus. Bayreuth verliert einen Teil seiner Besonderheit. Und das ist gut. Denn zum Unternehmertum hat die Familie noch nie sonderlich getaugt.

          Bild: F.A.Z.

          Tatsächlich ist es eine historische Einmaligkeit, die Darbietung der Werke eines einzelnen Komponisten zur Grundlage eines unternehmerischen Geschäftsmodells zu machen, von dem eine Großfamilie über mehrere Generationen – mehr schlecht als recht – ihr Leben fristet. Die Firma Bayreuth hat satzungsmäßig nur einen einzigen Zweck, „die festliche Aufführung der Werke Richard Wagners“. So etwas ist weltgeschichtlich ohne Vergleich. Es gibt keinen Ort, an dem ausschließlich Verdi- oder Mozart-Opern gespielt würden. Geschweige denn, dass die Umtriebe der Nachfahren Verdis und Mozarts das Leben späterer Jahrhunderte derart in Atem gehalten hätten wie die Kapriolen des Wagner-Clans.

          Die Marke Bayreuth war geschaffen

          Dass die Erfindung des Geschäftsmodells von Richard selbst stammt, ist zweifelhaft. Zu Geld und allem Wirtschaftlichen hatte der Meister ein gestörtes Verhältnis (was sich auf eine ganze Reihe seiner Nachkommen vererbte). Der Gründer brauchte einfach ein Opernhaus im Grünen, wo die Zuschauer von den Versuchungen der Großstadt ferngehalten und ganz auf die Musik konzentriert würden. Dorthin sollten „postrevolutionäre und nichtzahlende Pilger“ gelockt werden, die in Scharen ins Theater strömen, um sich den tieferen Realitäten von Leben und Tod zu stellen, wie der britische Publizist Jonathan Carr in seiner Geschichte des Wagner-Clans schreibt.

          Das konnte nicht gutgehen. Die Pilger kamen nicht in Scharen. Und die, die kamen, mussten zahlen. Gleichwohl startete der Festspielbetrieb mit einem Verlust von 150.000 Mark.

          Erst Wagners Witwe Cosima, die bis 1930 lebte und die Festspiele 20 Jahre lang unternehmerisch und künstlerisch leitete, feilte die monopolistische Idee zur Produktreife: Wer außerhalb Bayreuths Wagner inszenierte, musste Lizenzgebühren zahlen; Parsifal sollte unter Berufung auf „seinen geheiligten Charakter“ und angeblich „des Meisters Wunsch“ exklusiv Bayreuth vorbehalten bleiben, was sich nie wirklich durchsetzen ließ. Aber die Marke Bayreuth war geschaffen.

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