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Familienpolitik in Frankreich : „Kinder sind erfolgreicher, wenn die Mutter arbeitet“

  • Aktualisiert am

Kinderbetreuung: die Franzosen machen´s besser Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der französische Familienminister Philippe Bas sprach mit der F.A.Z. über die Besonderheiten der französischen Familienpolitik, ihre Chancen für die Frauen und über die Frage, warum Französinnen mehr Kinder bekommen als Deutsche.

          6 Min.

          In Deutschland werden wenig Kinder geboren. Die Fertilitätsrate - also die durchschnittliche Zahl Kinder je Frau - beträgt 1,35. In Frankreich liegt die Rate deutlich höher. Was machen unsere Nachbarn anders? Die französische Regierung setzt auf ein umfassendes Angebot aus Betreuungseinrichtungen, finanziellen Hilfen und Anreizen für einen raschen Wiedereinstieg der Mütter in den Beruf.

          Familienminister Philippe Bas sind die Erfolge aber noch nicht genug. Er ist überzeugt, daß sich Familie und Beruf gut verbinden lassen - und daß viele Kinder ein Garant für wirtschaftliche Prosperität sind.

          Monsieur Bas, im Erdgeschoß Ihres Ministeriums ist uns gerade eine Horde tobender Kinder entgegengekommen.

          Unser Kindergarten schließt gerade.

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          Es ist 18 Uhr.

          Ja, und?

          In Deutschland glauben einige, Kinder sollten um diese Zeit längst zu Hause bei der möglichst nicht berufstätigen Mutter sein. Ihnen drohe eine gestörte Persönlichkeitsentwicklung, wenn sie von fremden Personen betreut werden.

          Wir hatten auch einmal diese Debatte. Damals haben wir viele Studien vorgenommen, um herauszufinden, wie verschiedene Kinder in der Schule vorankommen. Es stellte sich heraus, daß die Kinder in der Schule mehr Erfolg hatten, wenn die Mutter berufstätig war. Der Einwand, nach dem diese Ergebnisse davon beeinflußt sein könnten, daß berufstätige Frauen häufig ein höheres Bildungsniveau haben, gilt nur zum Teil. Es arbeiten in Frankreich viele Frauen ohne Studium. Zwei Drittel der Empfänger des nationalen Mindestlohnes sind Frauen. Auf jeden Fall zeigen die Studien, daß die Berufstätigkeit der Mütter kein Handicap für den Erfolg der Kinder in der Schule ist. Wichtig ist für die Kinder doch, daß sie eine gute Mutter haben. Aber das heißt nicht, daß sie neben der Wiege wacht, wenn das Kind schläft, oder daß sie zu Hause den Abwasch macht, wenn das Kind in der Schule ist.

          Gibt es denn in Frankreich keine Debatte über „Rabenmütter“, haben die Frauen keine Schuldgefühle?

          In Frankreich sind Schuldgefühle der Mütter eher eine Sache der Vergangenheit, denn wir haben ausreichend stabile Organisationsformen gefunden. Finanzielle Unterstützung ist wichtig, führt alleine aber nicht weiter. Die ganze soziale Organisation um die Familie herum muß stimmen. Die Betreuung muß so gestaltet und qualitativ hochwertig sein, daß die berufstätige Mutter keine Schuldgefühle hat und nicht von anderen schräg angeschaut wird. Wir glauben zum Beispiel, daß unsere Ganztagsschulen die Aufnahme einer Arbeit wesentlich erleichtern. Unser Problem sind heute die schlecht ausgebildeten Frauen, die für ihre Kinder keinen Platz in der Krippe finden. Diese Frauen bleiben während der ersten drei Jahre des Kindeslebens eher zu Hause als die anderen. Und je länger sie zu Hause bleiben, desto schwerer ist der Wiedereinstieg in den Beruf. Wir haben zudem wie Deutschland die Probleme mit der zunehmenden Instabilität der Beziehungen. Um so wichtiger ist es für eine Frau, nicht von ihrem Mann abhängig zu sein.

          Aber es gibt auch in Frankreich Familien, in denen ein Elternteil zu Hause bleibt.

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