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Familienpolitik : „Gebt lieber uns das Krippen-Geld!“

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Geld für Krippen - schön. Doch warum gibt man's nicht den Eltern? Bild: AP

Muss der Staat sich wirklich als planwirtschaftlicher Krippenbauer betätigen? Längst nicht alle Familien freuen sich über die Politik Ursula von der Leyens: Die F.A.S. stellt einige Frauen vor, die sich nicht bevormunden lassen wollen. Geld für Eltern statt für Krippen? Diskutieren Sie mit!

          Familienministerin Ursula von der Leyen will nur das eine: Viele Krippen bauen. Aber was wollen die Mütter und Väter? Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat zum Krippengipfel geladen. Und siehe da: Die einen haben eine Nanny, andere wollen selbst für die Kinder da sein. Und alle appellieren an die Unions-Ministerin: „Geben Sie uns das Geld! Lassen Sie uns selbst entscheiden!“

          Ruth Schweigmann, Spelle: „Ich bin nur für die Kinder da“

          „Als ich beim 15. Schulabschluss-Jubiläum war, hat mich jemand gefragt: ,Und? Was arbeitest du?' Das war schon gemein. Als ob die Arbeit einer Frau, die sich zu Hause um ihre vier Kinder kümmert, nichts wert sei. Dabei war für mich und meinen Mann schon immer klar, dass wir ein volles Haus mit vielen Kindern möchten. Wir wollen für unsere vier Kinder da sein und ihre Erziehung nicht in fremde Hände legen. Die Kinder sollen nicht das Gefühl haben, eine Last zu sein. Es sollte der Normalfall sein, die Kinder in der eigenen Familie zu haben, um sie dort selbst zu erziehen und ihnen die Werte zu vermitteln, die uns wichtig sind.

          Dietmar und Ruth Schweigmann

          Mein Mann ist Angestellter im öffentlichen Dienst, da gibt es kein allzu großes Gehalt. Aber das Geld reicht. Wir leben nicht besonders pompös, wohnen in unserem Haus auf dem Land. Zurzeit kann ich mir nicht vorstellen, bald wieder in meinem Beruf als Kinderkrankenschwester zu arbeiten. Meine vier Kinder fordern mich derzeit genug. Das mit der Arbeit lasse ich aber noch auf mich zukommen. Mich regt auf, dass uns Bürgern ständig eingeredet wird, dass die Selbstverwirklichung einer Frau nur in der Erwerbstätigkeit stattfindet. Wenn aber abends alle gestresst nach Hause kommen, findet doch kein Familienleben mehr statt. Es ist etwas Wertvolles, was Mütter daheim für ihre Kinder leisten.“

          Dorothea Böhm, Bielefeld: „Mein Lebensmodell ist anders“

          „Als ich schwanger wurde, war das für meinen Mann und mich eine Ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung: Obwohl ich promovierte Ärztin bin, habe ich mich dafür entschieden, zu Hause zu bleiben. Ich bin dankbar, dass mein Mann so viel verdient. Wir können es uns leisten, dass ich zu Hause bleibe, ohne uns arm zu fühlen. Seit sechs Jahren arbeite ich freiberuflich als Erziehungstrainerin und bin nach wie vor gerne für meine Söhne da, wenn sie mich brauchen. Ich bin alles andere als die häufig ins Spiel gebrachte akademisch ausgebildete, frustrierte Hausfrau. Als meine Kinder im Alter von fünf Jahren waren, hätte ich gerne angefangen, stundenweise zu arbeiten. Der Widerstand in der Berufswelt war damals aber zu groß. Auch heute ist so etwas nur sehr schwer möglich. Ich fände gut, wenn es häufiger akzeptiert würde, Babys und Kleinkinder mit zur Arbeit zu nehmen. In vielen Berufen wäre es bei etwas gutem Willen dazu möglich. Ich denke, Krippen für Kleinkinder sollten eine Notlösung bleiben. Gerade in den ersten Jahren der Kinder ist konstante emotionale Bindung viel wichtiger als Bildung. Es ist eben ein großer Unterschied, ob die Kinder irgendwo untergebracht werden oder man sich individuell daheim als Mutter um sie kümmert.

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