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„Edelman Trust Barometer“ : Fake News lösen Vertrauenskrise aus

Wem kann man trauen? Nutzer von sozialen Netzwerken sind verunsichert. Bild: plainpicture/Westend61/Joseffson

Immer mehr Menschen misstrauen den Meldungen in sozialen Netzwerken. Schuld daran sind vor allem die Plattformen selbst. Klassische Medien gewinnen dagegen an Vertrauen, gerade in Deutschland.

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          In dieser Woche kommen mehr als 3000 hochkarätige Vertreter aus Politik und Wirtschaft im Schweizer Bergort Davos zusammen. Für das Weltwirtschaftsforum haben sie sich vorgenommen, der zersplitterten Welt wieder etwas mehr Einheit zu vermitteln. Wie schwer diese Aufgabe allerdings werden dürfte, lässt sich aus den Ergebnissen einer neuen Umfrage in 28 Ländern ablesen, die der F.A.Z. vorliegt: Mit dem Vertrauen der Menschen in öffentliche Institutionen, Regierungen und Medienplattformen geht es bergab. In 20 von 28 untersuchten Ländern überwiegt die Verunsicherung. Größter Absteiger innerhalb des vergangenen Jahres sind die Vereinigten Staaten.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Für das „Edelman Trust Barometer“, das seit 18 Jahren im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums erscheint, wurden diesmal mehr als 33.000 Teilnehmer befragt. Der Schwerpunkt lag auf dem Thema „Fake News“. Damit sind im öffentlichen Raum sowohl manipulierte Nachrichten als auch gezielte Falschmeldungen gemeint. Eng verbunden ist die Debatte mit den sozialen Netzwerken, aber auch mit klassischen Medien und Inhaltelieferanten. Die Ergebnisse sind alarmierend: 63 Prozent aller Befragten rund um die Welt gaben an, Qualitätsjournalismus nicht von Fake News unterscheiden zu können, da sich ihre Darstellung in Netzwerken wie Facebook und Twitter ähnelt. In Deutschland ist der Wert mit 54 Prozent deutlich niedriger. Sieben von zehn Befragten auf der Welt fürchten zudem, dass mit Falschnachrichten bewusst Wahlen manipuliert werden. Das führt dazu, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Barometers der Institution Medien am wenigsten Vertrauen entgegengebracht wird. In den Vereinigten Staaten verloren die Medien besonders deutlich an Vertrauen – insgesamt ist das Vertrauen dort nun auf ähnlichem Niveau wie in Deutschland.

          Ansehen von traditionellen Medien steigt

          Der Schwund ist in erster Linie auf die Internetkonzerne und Plattformbetreiber zurückzuführen. In 21 Ländern sinkt die Zustimmung, insgesamt schöpft nur noch jeder Zweite Vertrauen in Google, Facebook und Twitter. Die sozialen Netzwerke werden zunehmend auf dieses Problem aufmerksam. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte kürzlich ein härteres Vorgehen gegen Falschmeldungen und Manipulationen angekündigt. Unter anderem sollen die Nutzer in die Qualitätsprüfung von Nachrichten eingebunden werden. Ein Facebook-Manager zweifelt in einem Blogbeitrag an, ob das Netzwerk gut für die Demokratie ist: „Ich wünschte, ich könnte garantieren, dass das Positive schwerer als das Negative wiegt, aber das kann ich nicht“ heißt es dort.

          Die Ausbreitung von Fake News bringt auch Gewinner hervor: Es sind klassische Medien wie Fernsehsender und Zeitungen sowie seriöse Online-Medien. Ihr Ansehen steigt gegenüber der vergangenen Umfrage um fünf Punkte auf 59 Prozent. In Deutschland unterscheiden die Menschen noch deutlich stärker als in anderen Ländern zwischen inhaltsgetriebenen Medien und Plattformanbietern: Während 61 Prozent dem Journalismus vertrauen, sind es nur 40 Prozent für die Plattformen. „Der Schutz einer hohen Informationsqualität ist zur wichtigsten Aufgabe der Medien geworden“, sagt Susanne Marell, die Deutschland-Chefin von Edelman Ergo. Allerdings glaubt auch fast jeder zweite Deutsche, dass klassische Medien eine politische Agenda haben und eben nicht neutral informieren. Besonders bedrohlich wirkt diese Zahl: 67 Prozent der Deutschen geben an, dass sie weniger als einmal je Woche Nachrichten lesen, sehen oder hören. Nur 15 Prozent tun das regelmäßig. Damit landet Deutschland unter dem Durchschnitt aller Länder.

          Vertrauen in Automobilbranche gebrochen

          Dazu mag nur schwer passen, dass das Ansehen der Journalisten – wohl auch im Zuge der Fake-News-Debatte – sprunghaft gestiegen ist. In Deutschland legte der Vertrauenswert um 19 Punkte auf 45 Prozent zu und damit noch stärker als im Rest der Welt (plus zwölf auf 39 Prozent). „Personen wie du und ich“, seit Jahren die vertrauenswürdigste Gruppe, büßte deutlich um sechs Punkte auf 54 Prozent ein. Ebenfalls gestiegen ist das Ansehen von technischen und akademischen Experten.

          In Deutschland gibt es einen weiteren großen Verlierer: die Automobilbranche. Schon unmittelbar nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals büßte die Branche viel Vertrauen ein. Im vergangenen Jahr schien es, als könnte sie Reputation zurückgewinnen. Doch nun folgte der abermalige Absturz: Das Vertrauen der Deutschen in Volkswagen und Co. sackte um 13 Punkte auf 35 Prozent ab. Zum Vergleich: Vor dem Dieselskandal 2015 waren es mehr als 60 Prozent. Damit hat die einstige Vorzeigeindustrie des Landes die Finanzbranche als Schlusslicht abgelöst.

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