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Fachkräftemangel : Unternehmen ringen um Azubis

Eine Erhebung des Industrie- und Handelskammertags ergab, dass über 40 Prozent der Ausbildungsbetriebe nicht alle Stellen besetzen konnten. Bild: dpa

Vier von zehn Betrieben können nicht alle Ausbildungsplätze besetzen – nicht nur, weil sie Bewerber für ungeeignet halten. Etliche erhalten gar keine Bewerbungen mehr, sagt der Verband DIHK.

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          Der Mangel an Fachkräften verschärft sich. Das legt es eigentlich nahe, dass die Unternehmen mehr junge Menschen ausbilden – aber auch für die Ausbildungsplätze finden sich immer weniger Bewerber. Wie eine Erhebung des Industrie- uns Handelskammertags (DIHK) zeigt, konnten im vergangenen Jahr allein 42 Prozent der insgesamt 180. 000 Ausbildungsbetriebe in dessen Bereich nicht alle Lehrstellen besetzen.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Und von diesen Unternehmen hat mehr als jedes dritte keine einzige Bewerbung erhalten“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks am Donnerstag. Er spricht von einem „alarmierenden Allzeithoch“. Zum Vergleich: 2018 hatten 32 Prozent der Betriebe berichtet, dass sie nicht alle Plätze besetzen hätten können.

          Nur leichte Besserung erwartet

          Als eine der Ursachen nennt Dercks die demographische Entwicklung: Mittlerweile gehen Jahr für Jahr mehr ältere Arbeitnehmer in Rente als Jugendliche die Schulen verlassen. Zugleich wirkten im Ausbildungssystem die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie nach – die nicht nur den direkten Kontakt zwischen Betrieben und Schulabgängern erschwerten: Die Berufsberater der Arbeitsagenturen seien nicht mehr in die Schulen gekommen und Ausbildungsmessen sowie Betriebspraktika abgesagt worden. „Das hat bei vielen Jugendlichen die Orientierungslosigkeit verstärkt“, bedauert Dercks.

          Für das gerade beginnende Ausbildungsjahr 2022/23 hat der DIHK noch keinen genauen Überblick. Verglichen mit 2021 rechne er mit einer etwas steigenden Zahl neuer Ausbildungsverträge, deutete Dercks an. Ein Ausgleich der pandemiebedingten Verwerfungen sei aber noch nicht in Sicht. Im vergangenen Jahr entfielen 259.000 von insgesamt 473.000 neuen Ausbildungsverträgen auf IHK-Betriebe. 2019 hatten diese noch 305.000 Azubis neu gewonnen, bei 525.000 Neuverträgen über alle Bereiche der dualen Ausbildung hinweg.

          Sogar die Industrie ist betroffen

          Für das Handwerk hatte dessen Zentralverband ZDH jüngst schon einen Zwischenstand fürs beginnende Ausbildungsjahr 2022/23 gemeldet: Bis Ende Juni waren dort 61.256 neue Ausbildungsverträge bei den Kammern registriert, etwas weniger als Mitte vergangenen Jahres. Die freien Berufe (darunter Anwälte, Architekten, Ärzte) verzeichneten dagegen ein Plus von 6,8 Prozent auf 25.500 neue Azubis zur Jahresmitte, was auch den Stand von 2019 übertraf.

          Wie die DIHK-Erhebung unter rund 15 000 Unternehmen zeigt, reicht das Problem des Bewerbermangels inzwischen weit über Branchen wie das Gastgewerbe hinaus, die schon vor Corona um Berufsnachwuchs rangen und dann auch noch durch die Lockdowns hart getroffen wurden: Selbst in der Industrie, die stets als sichere Bank galt und mit überdurchschnittlichen Ausbildungsvergütungen lockt, war im vergangenen Jahr die Hälfte der Ausbildungsbetriebe davon betroffen – 17 Prozentpunkte mehr als noch 2018. Im Gastgewerbe berichten sogar zwei Drittel, dass sie nicht alle Plätze besetzen konnten.

          Es gibt einen weiteren Faktor, der die Knappheit zumindest in Teilen erklären könnte: Die staatlich organisierten Berufe rund um Pflege und Erziehung werden nicht mit den üblichen Statistiken zur dualen Ausbildung erfasst. Einiges deutet darauf hin, dass die politischen Bemühungen gegen Personalmangel in diesen Bereichen mehr Jugendliche dorthin locken.

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