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Mangel in Kitas : Deutschland fehlen 106.500 Erzieher

  • -Aktualisiert am

Jacken und Taschen hängen an der Garderobe in einem Kindergarten in Wandlitz Bild: dpa

Die Betreuung in den Kitas hat sich verbessert: Eine Studie zeigt mehr Personal und weniger Kinder je Fachkraft im Durchschnitt. Aber das reicht oft noch nicht.

          2 Min.

          Pädagogen sind gefragte Menschen. Besonders zum Anfang des Lebens bezahlt der deutsche Staat immer mehr Menschen, sich um die Betreuung der Kleinsten in Krippen und Kindergärten zu kümmern. Innerhalb von zehn Jahren ist das pädagogische Personal in Kitas um 54 Prozent angestiegen – von 379.146 Stellen im Jahr 2008 auf 582.125 Stellen im Jahr 2018. Auch verbesserte sich in den vergangenen Jahr die Personallage in den Kitas: Im Durchschnitt war eine vollzeitbeschäftigte pädagogische Fachkraft in der Kinderkrippe für 4,2 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Fünf Jahre zuvor lag der Wert noch bei 4,6. Für Kindergartengruppen verbesserte sich die Betreuungsquote von 9,6 Kindern auf 8,9 Kinder.  

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das kostet die Kommunen viel Geld – vor allem in den Bundesländern, in denen Kita-Gebühren ganz oder teilweise untersagt sind. Das bewirkt aber auch einen deutlichen Ausbau der Betreuungsplätze, wodurch sich für viele Menschen das Familienleben besser mit dem Beruf vereinbaren lässt. Was das in Zahlen bedeutet, stellt die Bertelsmann-Stiftung an diesem Donnerstag mit ihrem Ländermonitor zu frühkindlichen Bildungssystemen vor. Stichtag für die Datensammlung aus behördlichen Statistiken ist der 1. März 2018. Seit dem Jahr 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Seither hat sich die durchschnittliche Personallage in Kitas verbessert.

          Für die Bertelsmann-Stiftung reicht der Personalausbau noch nicht. Denn sie rät zu einer rechnerischen Betreuung durch eine Fachkraft von maximal drei Kinder in der Krippe (bis 3 Jahre) und für 7,5 Kinder im Kindergarten (von 3 Jahren bis zum Schuleintritt). Insgesamt braucht es fast 106.500 zusätzliche Fachkräfte, um die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung zu realisieren. „Der Fachkräftebedarf wird weiter steigen: Für mehr Plätze, eine gute Kitaqualität und den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder brauchen wir mehr Erzieherinnen und Erzieher“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. „Diese können wir nur gewinnen und halten, wenn die Arbeitsbedingungen gut und attraktiv sind. Kindgerechte Personalschlüssel sind dafür eine wichtige Stellschraube.“

          Er fordert eine bundesweit kostenfreie Ausbildung, eine angemessene Ausbildungsvergütung sowie Renten- und Sozialversicherungspflicht für alle Ausbildungsgänge. Zudem dürften die unterschiedlichen Wege in den Beruf wie für Quereinsteiger keine Absenkung des bisherigen formalen Qualifikationsniveaus nach sich ziehen.

          Allerdings sind Erzieher oft schon jetzt knapp. Das liegt auch am Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz und dem deutlichen Ausbau der Kitaplätze durch die Kommunen. Gleichzeitig werden bald viele Erzieher in den Ruhestand gehen. Thüringen rechnet damit, dass in den nächsten zehn Jahren etwa ein Viertel der 14.410 Erzieher in den Kitas in den Ruhestand gehen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will bis 2025 auch einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen erreichen. Dann werden wahrscheinlich noch mehr Fachkräfte gebraucht.

          Zwischen den Bundesländern finden sich deutliche Unterschiede in der Kinderbetreuung. Laut Bertelsmann-Stiftung hat sich die Personalausstattung in Bremen und Thüringen verschlechtert oder stagniert. Hingegen hat sich in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hamburg der Personalschlüssel von einem ungünstigen Ausgangsniveau deutlich verbessert. Den größten Sprung für der Betreuung für ältere Kinder ist in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Baden-Württemberg hat sowohl für Krippenkinder als auch im Kindergarten den schon günstigen Personalschlüssel weiter ausgebaut.

          Insgesamt hängen die Bildungschancen trotz des Qualitätsausbaus der vergangenen Jahre noch immer stark vom Wohnort ab, urteilt die Bertelsmann-Stiftung. Rechnerisch ist demnach eine Fachkraft im Kindergarten in Mecklenburg-Vorpommerns für fast doppelt so viele Kinder zuständig wie in Baden-Württemberg. Ähnlich verhält es sich zwischen Sachsen und Baden-Württemberg. Je nach Land oder auch Kommune müssen die Pädagogen unter deutlich unterschiedlichen Arbeitsbedingungen die Bildung und Entwicklung von Kindern fördern.

          Dräger fordert daher eine Vereinheitlichung. „Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance“, sagt er. Ihm fehlen bundesweit einheitliche Standards für die Personalausstattung, damit überall kindgerechte Betreuungsverhältnisse und gleiche Arbeitsbedingungen realisiert werden können.

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