https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fachkraefte-mangel-dihk-beklagt-1-6-millionen-freie-stellen-15491794.html

DIHK ermittelt : In Deutschland fehlen 1,6 Millionen Fachkräfte

  • Aktualisiert am

Ein Auszubildender übt an einer Werkbank. Bild: dpa

Immer mehr Betriebe finden einfach kein Personal mehr, hat eine Umfrage des DIHK ergeben. Die Experten warnen davor, was daraus folgt - nicht nur für die Firmen selbst.

          2 Min.

          Der Fachkräftemangel nimmt nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) immer bedrohlichere Züge an und kostet die deutsche Wirtschaft zunehmend Wachstum. Aus einer Umfrage unter beinahe 24.000 Betrieben errechneten die DIHK-Fachleute in ihrem jüngsten Arbeitsmarktreport, dass in Deutschland mittlerweile ungefähr 1,6 Millionen Stellen längerfristig nicht besetzt werden können.

          „Tendenziell nimmt diese Lücke in den nächsten Jahren weiter zu“, sagte DIHK-Vize Achim Dercks an diesem Dienstag. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge arbeiteten die Deutschen im vergangenen Jahr mit knapp 60 Milliarden Stunden so viel wie seit dem Jahr 1991 nicht mehr.

          Mehr qualifizierte Zuwanderung

          Die Folgen des Fachkräftemangels gehen dem DIHK zufolge inzwischen weit über die einzelnen Betriebe hinaus. „Sinkende Wachstumspotenziale, Innovationshemmnisse, Angebotseinschränkungen sowie Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen sind wichtige Folgen nachhaltig fehlender Fachkräfte“, so Dercks. Aber auch viele politische Vorhaben könnten beeinträchtigt werden.

          Der DIHK forderte von der neuen Bundesregierung und den Unternehmen, mehr für die Fachkräftesicherung zu tun. Dabei müsse es etwa um die Ausweitung der Beschäftigungspotenziale und auch mehr qualifizierte Zuwanderung gehen. Die Probleme Großbritanniens als Folge des Brexit dürften Deutschland allenfalls geringe Impulse geben, um die Fachkräftelücke zu schließen.

          Nach der DIHK-Umfrage beklagt fast jede zweite Firma, dass sie offene Stellen längerfristig nicht besetzt kann, weil die passenden Arbeitskräfte fehlen. Damit hätten die Schwierigkeiten gegenüber dem Vorjahr um elf Punkte auf 48 Prozent zugenommen. 60 Prozent der Betriebe sehen im Mangel an Fachkräften ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung, ein Rekord. Im Jahr 2010 waren es erst 16 Prozent. Im Falle von beinahe drei Vierteln der Unternehmen führt die Problematik zu einer höheren Belastung der vorhandenen Mitarbeiter.

          Dabei arbeiten die Deutschen nach Angaben des IAB schon jetzt so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das geleistete Arbeitsvolumen habe gegenüber dem Jahr 2016 um gut ein Prozent zugenommen. Dahinter stehe ein Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen um rund 650.000. Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit aller Erwerbstätigen sei allerdings um 0,3 Prozent auf 1354 Stunden gesunken. Der Grund dafür sei, dass es 2017 drei Arbeitstage weniger gegeben habe als im Jahr zuvor.

          Weiter auf dem Vormarsch ist dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit zufolge die Teilzeit. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten legte 2017 um 0,1 Punkte auf den Höchststand von 39,1 Prozent zu. Anfang der neunziger Jahre betrug die Quote 18 Prozent.

          Start-Ups in Deutschland : Zu viele Hürden für ausländische Fachkräfte

          Weitere Themen

          Was hilft gegen Kinderarbeit?

          FAZ Plus Artikel: Schulz gegen Haeusgen : Was hilft gegen Kinderarbeit?

          Deutsche Unternehmen sollen künftig ihre Lieferanten stärker überprüfen. Entwicklungshilfeministerin Svenja Schulz und Maschinenbau-Verbandschef Karl Haeusgen streiten über Sinn und Unsinn des neuen Lieferkettengesetzes.

          Topmeldungen

          Ein pensionierter Sportlehrer leitet den Kurs „Fit im Alter“ im Gesundheitskiosk Hamburg-Billstedt.

          Streit um Gesundheitksioske : Einmal gesund werden, bitte

          Karl Lauterbach will, dass bundesweit Hunderte Gesundheitskioske entstehen. Ihr Nutzen ist umstritten, viele Kassen wollen das Geld lieber anders ausgeben. Ein Modellprojekt bangt schon um seine Zukunft.
          Stahlproduktion in Duisburg

          Wirtschaftslage in Deutschland : Wie schlimm wird die Rezession?

          Die deutsche Wirtschaft kommt trotz Energiekrise ohne katastrophale Schäden durch die kommenden Monate, versprechen Forscher. Doch in den Unternehmen geht die Angst um.
          Verena Hubertz, 34, ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag.

          Verena Hubertz : Plötzlich mächtig

          Gerade hat Verena Hubertz ein Start-up gegründet. Nun ist sie die wichtigste Wirtschaftspolitikerin der Kanzlerpartei. Eine Karriere mit Giga-Geschwindigkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.