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Facebook zahlt eine Milliarde Dollar : Instagram wird zum Silicon-Valley-Märchen

Fotogezwitscher Bild: dapd

Im kalifornischen Silicon Valley kann der Traum vom schnellen Reichtum noch immer in Erfüllung gehen. Facebook zahlt eine Milliarde Dollar für den nicht einmal zwei Jahre alten Fotodienst Instagram.

          Facebook hat angekündigt, eine Milliarde Dollar in bar und eigenen Aktien für Instagram bezahlen zu wollen. Kurz vor dem im Mai erwarteten Börsengang greift Facebook damit tief in die Tasche für ein Unternehmen, das nicht einmal zwei Jahre alt ist, nur 13 Mitarbeiter hat und keine nennenswerten Umsätze erzielt. Der Preis ist umso bemerkenswerter, als Instagram damit seine Bewertung innerhalb weniger Tage verdoppelt hat. Denn erst in der vergangenen Woche hat Instagram amerikanischen Medienberichten zufolge eine weitere Finanzierungsrunde hinter sich gebracht und 50 Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern eingesammelt. Dabei ist das gesamte Unternehmen mit 500 Millionen Dollar bewertet worden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dass Facebook nun ein paar Tage später bereit ist, eine Milliarde Dollar zu bezahlen, unterstreicht, wie dringend es dem Unternehmen war, die Kontrolle über den populären Fotodienst zu bekommen. Instagram ist mehr und mehr zu einer Konkurrenz für Facebook geworden - und außerdem auch zu einem attraktiven Übernahmekandidaten für andere Wettbewerber wie den Kurznachrichtendienst Twitter oder den Internetkonzern Google.

          Seit seinem Start im Oktober 2010 hat Instagram mehr als 30 Millionen Nutzer gewonnen. Instagram ist eine Softwareanwendung oder Applikation (App) für internetfähige Handys (Smartphones), die sich um Fotos dreht und eine eigene Art soziales Netzwerk ist. Nutzer können mit Instagram auf dem Handy Fotos machen und bearbeiten, die App bietet eine Reihe von Filtern an, die den Bildern zum Beispiel einen nostalgischen Anstrich geben. Instagram-Mitglieder können einander folgen ähnlich wie bei Twitter. Sie können die Bilder auch über verschiedene soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook verbreiten. Instagram war lange nur als App für das iPhone von Apple verfügbar, erst seit kurzem gibt es auch eine Version für das marktführende Smartphone-Betriebssystem Android von Google. Die App an sich ist kostenlos, und die beiden Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger hatten bislang auch keine Eile, ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Stattdessen haben sie die Ausweitung der Nutzergemeinde zur Priorität erklärt.

          Instagram bringt Facebook somit zwar keine Umsätze, aber Verstärkung in Bereichen, in denen das soziale Netzwerk Defizite hat. So gelten die Facebook-eigenen Fotofunktionen als unattraktiv und ausbaufähig. Instagram ist außerdem in erster Linie eine Anwendung auf mobilen Geräten, und genau hier ist Facebook bislang schwach aufgestellt. Das Unternehmen weist in seinem Börsenprospekt selbst darauf hin, dass auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets bislang kaum Umsätze erzielt werden.

          Facebook-Mitgründer und -Vorstandschef Mark Zuckerberg wies bei der Ankündigung der Übernahme darauf hin, dass Instagram als unabhängige Einheit im Unternehmen weiterbestehen soll. Auch die Verknüpfung von Instagram mit konkurrierenden sozialen Netzwerken wie Twitter soll nach Darstellung Zuckerbergs bestehen bleiben. Der Zukauf von Instagram unterscheidet sich somit von früheren Akquisitionen auch jenseits des hohen Preises. So hat Facebook viele Unternehmen vor allem mit dem Ziel gekauft, deren Softwarenentwickler anzuheuern. Die Produkte der zugekauften Unternehmen wurden dagegen oft eingestellt.

          Es ist nicht ohne Beispiel, dass ein Unternehmen aus der Internetszene schon nach kurzer Zeit für einen Milliardenbetrag verkauft wird. Die Instagram-Transaktion weckt Erinnerungen an die Übernahme der Videoseite Youtube durch den Internetkonzern Google im Jahr 2006. Google zahlte 1,7 Milliarden Dollar für das Unternehmen, das zu diesem Zeitpunkt noch keine zwei Jahre alt war. (Verweis

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