https://www.faz.net/-gqe-a0yc0

Hass im Netz : Facebook sperrt in Amerika Konten einer rechtsextremen Gruppe

  • Aktualisiert am

Mitglieder der Boogaloo-Bewegung versammeln sich Anfang Mai, um gegen die Schließungen im Zuge der Pandemie zu protestieren. Ein rechtsextremes Netzwerk, das sich lose an die Bewegung anlehnt, wurde nun auf Facebook gesperrt. Bild: AP

Weil Nutzer auf Facebook oft ohne Konsequenzen Hassbotschaften und rassistische Äußerungen verbreiten können, war der Konzern unter Druck geraten. Nun geht die Plattform gegen eine „gefährliche Organisation“ vor.

          1 Min.

          Facebook hat auf seinen Plattformen rund 320 Konten, 28 Seiten und mehr als 100 Gruppen eines in Amerika nach Gewalt strebenden rechtsextremen Netzwerks gesperrt. Das regierungsfeindliche Netzwerk werde ab sofort als „gefährliche Organisation“ eingestuft und von allen Plattformen verbannt, teilte Facebook am Dienstag mit. Auch Posts, die Unterstützung für die Organisation äußerten, würden künftig gelöscht, hieß es. Facebook war zuletzt – auch durch einen Werbeboykott – unter Druck gekommen, härter gegen hasserfüllte und rassistische Inhalte vorzugehen.

          Bei dem Netzwerk handelt es sich demnach um Gruppen, die sich lose an der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung anlehnen und mitunter auch deren Namen nutzen. „Es bemüht sich aktiv darum, für Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen zu werben“, erklärte Facebook. Daher seien 220 Facebook-Accounts und 95 Konten bei Instagram gelöscht worden. Zudem seien 400 weitere Gruppen und 100 Seiten gelöscht worden, die auch gegen Facebooks Richtlinien verstießen und ähnliche Inhalte wie das Netzwerk verbreitet hätten. Boogaloo-Inhalte, in denen zu Gewalt aufgerufen werde, würden immer gelöscht, erklärte Facebook.

          Facebook war wegen seines von vielen als zögerlich empfundenen Umgangs mit problematischen Inhalten zuletzt immer mehr in die Defensive geraten. Zahlreiche Firmen – darunter bekannte Namen wie Coca-Cola, Unilever, Starbucks und Volkswagen - kündigten an, ihre Werbung in sozialen Netzwerken infolge der Debatte um Hassbotschaften bis auf weiteres auszusetzen.

          Zwischen Meinungsfreiheit und Hassnachrichten

          Facebook verweist auf das Recht der Meinungsfreiheit, hat zuletzt aber angekündigt, mehr gegen Hassbotschaften zu tun. Das Unternehmen erklärte am Dienstag: „So lange es in der physischen Welt nach Gewalt strebende Bewegungen gibt, werden sie auch versuchen, digitale Plattformen auszunutzen.“

          Facebook war unter anderem dafür kritisiert worden, dass das Unternehmen – anders als Twitter – nicht gegen umstrittene Posts von Präsident Donald Trump vorging. Zudem haben der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz und die darauffolgenden Proteste der Debatte zu Rassismus in den deutlich Schwung verliehen. Erst gestern hatte die Plattform Reddit im Kampf gegen hasserfüllte Botschaften im Netz 2000 Gruppen gesperrt – von denen viele Unterstützer des Präsidenten waren. Als Grund für die Sperrung nannte Reddit den anhaltenden Verstoß gegen die Richtlinien. Die Streamingplattform Twitch sperrte zwischenzeitlich sogar den Account von Donald Trump selbst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

          F.A.Z.-Newsletter : Neue Chance für „Exit-Laschet“

          Kann Armin Laschet im Fernduell mit Söder punkten? Oder werden die Schulöffnungen in NRW für ihn zum Bumerang? Mit wem Joe Biden das Weiße Haus erobern möchte und was sonst wichtig wird – der Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.