https://www.faz.net/-gqe-80ht0

Facebook : Mark Zuckerbergs Charmeoffensive

  • -Aktualisiert am

Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf dem Mobile World Congress in Barcelona Bild: AFP

Auf dem Podium der Mobilfunkmesse MWC erklärt Facebook-Chef Zuckerberg den Telekomfirmen, wie sie durch eine Zusammenarbeit mit seinem sozialen Netzwerk Geld verdienen können. Teils stößt er auf offene Ohren.

          2 Min.

          Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist im vergangenen Jahr viel gereist. Der Chef des größten sozialen Netzwerks der Welt war in Indonesien, in Indien, und anderswo, um sich anzuschauen, wie Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern das Internet nutzen. Gelernt hat Zuckerberg dabei auch, was es heißt, in diesen Ländern Menschen mit der von ihm initiierten Industrieinitiative Internet.org erstmals ans Netz anzuschließen. Deren Angebot: Eine Grundversorgung mit bestimmten Internetdiensten ist kostenlos, darunter etwa die Online-Enzyklopädie Wikipedia, Suchmaschinen und natürlich auch Facebook selbst. Wer mehr möchte, muss zahlen, indem er zum Beispiel bei Mobilfunkanbietern Datenpakete kauft.

          Einfach sei das Jahr allerdings nicht gewesen, es habe Geld gekostet, die Initiative erst ans Laufen zu bringen und dann zu unterhalten, sagte Zuckerberg nun am Montagabend auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona. Aber es lohne sich. Nicht nur, weil er Dinge erlebt habe, wie in einem Dorf in Indien. Dort gebe es seit kurzem Internetanschlüsse, die bisher aber vor allem Schüler nutzen. Nun kämen die Erwachsenen zu den Jugendlichen und Kindern, um zu lernen, wie man im Internet nach Informationen sucht.

          Schließlich fügt er hinzu, dass das Projekt auch für die Partner sinnvoll sei. Die Partner sind die Mobilfunkanbieter, die über Internet.org neue Kunden gewinnen. Menschen, die das Internet über die Initiative - zunächst kostenlos - kennenlernen und später für die Dienste der Anbieter auch bezahlen.

          Mobilfunkanbieter erkennen Synergien

          Entsprechend angetan waren ein paar der Mobilfunkanbieter, die sich am Montag mit Zuckerberg in Barcelona auf ein Podium setzten. Früher scheuten sie Dienste wie das soziale Netzwerk oder auch den Suchmaschinenkonzern Google zumindest in der Öffentlichkeit. Der Vorwurf der Industrie: Facebook macht Geld auf Kosten der Unternehmen, die für viele Milliarden in den Ausbau der Netz investieren. Während Facebook mit Werbung viel Geld verdiene, zahle es nichts dafür, die Werbung über die Netze der Betreiber auszuspielen.

          Heute werden manche Mobilfunkmanager Partner von Internet.org und damit auch von Facebook. Die am Montag Anwesenden arbeiten in Schwellenländern wie Kolumbien, Sambia oder Tansania zusammen mit dem Netzwerk. Und das scheint einigermaßen zu funktionieren. Das Verhältnis zwischen Facebook und den Mobilfunkanbietern sei früher ein bisschen wie in der Geschichte von der „Schönen und dem Biest“ gewesen, sagte Christian De Faria, der Chef des Telekommunikationsunternehmen Airtel Africa etwas blumig. Nun zeige das größte soziale Netzwerk der Welt ähnlich wie das Biest in der Geschichte seine menschliche Seite. 

          Zusammenarbeit knirscht noch etwas

          Da es sich aber weder bei den Mobilfunkanbietern noch bei Facebook um Wohltätigkeitsorganisationen handelt, äußert sich der Erolg ihrer Initiative vor allem in einer Zahl: in einem höheren Umsatz. Wie das gemeinsame Geschäft aussehen kann, machte Mario Zanotti von der Telekommunikationsgesellschaft Millicom deutlich. Das Unternehmen bietet Internet.org zum Beispiel in Kolumbien an. Dort sei die Zahl der das Internet nutzenden Kunden um 30 Prozent gestiegen, sagte Millicom-Manager Zanotti. In Tansania habe sich der Absatz von Smartphones verzehnfacht.

          Alles also in bester Ordnung zwischen Facebook und den Mobilfunkanbietern? Das nicht unbedingt. Auf die Fragen, ob die zu Facebook gehörende Kurznachrichtenanwendung Whatsapp nicht das Geschäft der Mobilfunkanbieter zerstöre und ob deshalb vielleicht Regulierung notwendig sei, antwortete Netzwerk-Chef Zuckerberg erwartungsgemäß ausweichend. Er habe zu diesem Thema eigentlich nicht viel zu sagen, schließlich sei er ja weder eine Regulierungsbehörde noch ein Telekommunikationsanbieter. Soweit er das Thema aber verstehe, habe das Geschäft der Mobilfunkanbieter früher darin bestanden, für Sprachtelefonate und Textnachrichten Geld zu verlangen. Heute sollen sie laut Zuckerberg ihr Geld eben mit Datenpaketangeboten verdienen. Und Dienste wie sein soziales Netzwerk könnten den Mobilfunkanbietern dabei helfen, die Pakete zu verkaufen und so mehr Geld zu verdienen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

          Seitenhieb gegen Merz : Laschet: Die CDU braucht keinen „CEO“

          Auf dem CDU-Parteitag teilt Armin Laschet eine Spitze gegen Friedrich Merz aus. Der gibt sich davon unbeeindruckt und schließt jegliche Zusammenarbeit mit der AfD aus. Norbert Röttgen scheitert im ersten Wahlgang.
          Hohes Bedrohungspotential: Mitglieder der Nationalgarde am 13. Januar im Kapitol

          Vor der Amtseinführung Bidens : Der Aufstand dauert an

          Das FBI ist vor der Zeremonie zur Amtseinführung Joe Bidens besorgt über das Gewaltpotential. Nach der Blamage am 6. Januar im Kapitol wollen die amerikanischen Sicherheitsbehörden am Mittwoch auf Nummer Sicher gehen.

          Verbrauch schwerer Lastwagen : Jedes Jahr ein Zehntel weniger

          Welches Lastwagengespann verbraucht unter gleichen Bedingungen am wenigsten, wer fährt am ökonomischsten? Daf, MAN, Mercedes-Benz und Scania traten auf der European Truck Challenge (ETC) gegeneinander an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.