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Zum Tode von Hans D. Barbier : Der ordnungspolitische Prüfstein

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Geprägt von Smith, Popper und Hayek

Barbier war ein Liberaler aus Überzeugung. Für ihn war Freiheit ein einzigartiges und kein austauschbares Gut neben anderen. Als wirtschaftspolitischer Kopf dieser Zeitung hat er wie seine Vorgänger, Mitstreiter und Nachfolger unbeirrt für Freiheit und Marktwirtschaft gefochten und damit das wirtschaftspolitische Profil der F.A.Z. geschärft. Dabei nahm er in Kauf, dass derjenige, der gegen die Überforderung von Staat und Gemeinwesen streitet und in der marktwirtschaftlichen Ordnung vor allem eine Dimension der Gleichheit betont, nämlich die Gleichheit vor dem Recht, nicht viel Beifall erhält.

In der Finanzkrise sah er nicht nur das Politikversagen der Regierung in Washington, die krachend mit ihrem Plan gescheitert war, aus Amerikanern ein Volk von Hausbesitzern zu machen. Sondern er kritisierte auch das Marktversagen, als er etwa auf einer Bankenkonferenz die Gastgeber fragte, ob die Banken wüssten, was sie der Marktwirtschaft mit ihrem Fehlverhalten angetan hätten.

Zum Journalismus fand der Mönchengladbacher nach dem Studium der Nationalökonomie und der Promotion an der Universität Saarbrücken, als ihn ein Stellenangebot der F.A.Z. lockte. 1969 trat er in die Wirtschaftsredaktion ein und wurde bald als Korrespondent nach Bonn entsandt. Wie wichtig für Barbier Überzeugungen waren, zeigt ein Zwischenspiel, das ihn von 1974 bis 1986 zur „Süddeutschen Zeitung“ führte. Der Grund für die zwischenzeitliche Trennung lag in Barbiers Eintreten für flexible Wechselkurse, von denen er früher als die F.A.Z. überzeugt war. Danach kehrte er gerne zur Frankfurter Allgemeinen zurück und verantwortete dort die Wirtschaftspolitik bis zum Eintritt in den Ruhestand im April 2002.

Ein Satz, wie gemünzt für das Euro-Superwahljahr 2017

Geprägt haben Barbier die Ideen von Adam Smith, Karl Popper und Friedrich August von Hayek, die er mit pädagogischem Geschick an den Nachwuchs weitergab. Seine Arbeit ist mit allen für Wirtschaftspublizisten wichtigen Preisen ausgezeichnet worden. Nach dem Ende seiner aktiven Zeitungszeit setzte er sich als Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung in Bonn für Freiheit, Eigenverantwortung und Wettbewerb ein. Dieser Zeitung blieb er verbunden. Als Autor einer Kolumne im Wirtschaftsteil rief er noch aus dem „Unruhestand“ jahrelang die oft orientierungslosen Berliner Wirtschaftspolitiker „Zur Ordnung“.

Dort wie auch in der Ludwig-Erhard-Stiftung konnte sich Barbier herrlich über die Irrungen und Wirrungen der verfehlten Euro-„Rettungspolitik“ aufregen. Er zählte übrigens zu den frühen Kritikern des Euros und trug mit seinem Furor dazu bei, dass es vor der von Kanzler Kohl auf Biegen und Brechen betriebenen Einführung überhaupt eine Debatte über die Risiken gab. Weitsichtig wie er war, schrieb er vor Jahren einen Satz, der wie gemünzt ist für das Euro-Superwahljahr 2017 (Niederlande, Frankreich, Deutschland und vielleicht Italien). „Irgendwann werden die Historiker zu schreiben haben: Sie wollten die Einheit Europas retten und haben dafür den Zerfall Europas in Kauf genommen.“

In den letzten Jahren war er gesundheitlich angeschlagen. Aber noch im Dezember feierte er mit Freunden und Weggefährten die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Ludwig-Erhard-Stiftung an ihn. Hans D. Barbier starb in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach kurzer schwerer Krankheit in Bonn. In wenigen Wochen wäre er 80 Jahre alt geworden.

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