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F.A.Z. Exklusiv : Deutsche Ökonomen kritisieren Merkels Asylpolitik

Flüchtlinge warten an der Grenze nach Deutschland (Bild vom Oktober 2015) Bild: dpa

Die Mehrheit bezweifelt wirtschaftliche Vorteile durch den Flüchtlingszustrom. Überraschend ist, wie viele wegen der Asylkosten für neue Schulden oder höhere Steuern plädieren.

          Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsprofessoren sieht den gegenwärtigen Andrang von Asylbewerbern nach Deutschland skeptisch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts - genannt Ökonomenpanel - in Zusammenarbeit mit der F.A.Z.. An der Umfrage beteiligten sich rund 220 Wirtschaftsprofessoren.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Eine relative Mehrheit erwartet von den Asylbewerbern eher Nachteile für das Land. Dies sagen 40 Prozent. Eher Vorteile sehen nur 23 Prozent. Der Rest war unentschieden. Die deutschen Wirtschaftsprofessoren teilen damit mehrheitlich nicht den Optimismus etwa des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, der den Flüchtlingszustrom als größte wirtschaftliche Chance für Deutschland seit der Wiedervereinigung bezeichnet hatte.

          Die Mehrheit der VWL-Professoren (56 Prozent) hält es zur Integration der Asylbewerber mit niedriger Qualifikation für notwendig, den Mindestlohn für diese abzusenken. 37 Prozent lehnen dies allerdings ab. Einige geben zu bedenken, dass dies zu Spannungen zwischen Deutschen und den Neuankömmlingen führen könnte. „Ich bin kein Verfechter des Mindestlohns“, schreibt ein Ökonom in der Umfrage. „Eine Senkung des Mindestlohns würde aber die Debatte über eine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer heraufbeschwören“, warnt er.

          Die große Mehrheit der Ökonomen fordert eine bessere Sicherung der Außengrenzen des Schengen-Raums. Gleichzeitig warnen sie davor, auch nur temporär nationale Grenzen im Schengen-Raum zu schließen. Das würde hohe Kosten verursachen.

          Neuverschuldung soll Flüchtlinge finanzieren

          Überraschende Ergebnisse bringt das Ökonomenpanel zur Frage, wie die Kosten für die Unterbringung, Versorgung und Betreuung der Asylbewerber finanziert werden sollten. 45 Prozent der Professoren bringen hier Neuverschuldung ins Spiel, gefolgt von Steuererhöhungen (36 Prozent). Erst deutlich dahinter folgten die Optionen Reduzierung internationaler Zahlungen, Anhebung des Renteneintrittsalters (22 Prozent) und Kürzung der Sozialausgaben (21 Prozent). Andere Sparmaßnahmen oder Umschichtungen im Haushalt befürworteten 16 Prozent.

          Im Vergleich mit der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik anderer Länder sehen die Professoren die deutsche Politik insgesamt kritisch. Mehrheitlich erwarten sie wirtschaftliche Nachteile. Die Politik der Briten wird als weniger nachteilig angesehen. Am besten schneidet in der Umfrage die Zuwanderungspolitik Kanadas und Australiens ab, die beide sehr stark nach der Qualifikation der Einwanderer selektieren.

          Das Ökonomenpanel wird künftig jeden Monat das Meinungsbild der deutschen Volkswirtschaftsprofessoren erforschen. „Es geht darum, ein differenziertes Meinungsbild der deutschen Ökonomen zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen aufzeigen zu können“, sagte Initiator Niklas Potrafke, der Leiter des Ifo-Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie. „Inhaltlich hat mich das Ergebnis zur Finanzierung der Flüchtlingskosten überrascht. Ich teile nicht die Position, dass die Mehrausgaben durch neue Schulden oder Steuererhöhungen finanziert werden sollten“, sagte Potrafke. Stattdessen plädiert er für ein höheres Renteneintrittsalter oder Ausgabenkürzungen.

          Ebenfalls gefragt wurden die Ökonomen zum dritten Hilfspaket für Griechenland. 70 Prozent der Professoren sagten, dieses helfe nicht, das Land langfristig zu stabilisieren. Damit werde nur Zeit gekauft, urteilten die Befragten. Es löse keine Strukturprobleme. 50 Prozent stimmten zu, dass Griechenland den Euroraum mit einer Rückkehroption verlassen sollte. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sieht die Mehrheit (57 Prozent) als zu expansiv an. 41 Prozent forderten, der Leitzins sollte erhöht werden.

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