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F.A.Z.-Ökonomenranking : Wer ist der einflussreichste Ökonom?

Ernst Fehr Bild: Picture-Alliance

Die F.A.Z. überarbeitet ihre Rangliste der Ökonomen – nicht zuletzt dank Twitter und Online-Medien. Trotzdem bleibt der erste Platz bei einem Schweizer.

          3 Min.

          Ökonomischer Einfluss fällt nicht immer auf. So geht es auch dem Züricher Verhaltensforscher Ernst Fehr, der in diesem Jahr zum dritten Mal in der F.A.Z.-Rangliste an der Spitze der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands steht – obwohl die Rangliste dieses Jahr nach einer neuen Methode berechnet worden ist. „Praktische Leute, die sich für intellektuell weitgehend unbeeinflusst halten, sind meistens die Sklaven irgendeines toten Ökonomen“, sagte John Maynard Keynes. Ernst Fehr aber hat sich diesen Einfluss noch zu Lebzeiten erworben, ja sogar noch während seiner aktiven beruflichen Zeit: Mit seiner Forschung zum ökonomischen Verhalten von Menschen hat er die Verhaltensökonomik im deutschsprachigen Raum so weit vorangebracht, dass ihre Erkenntnisse immer wieder in praktischer Politik münden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Organspenden gibt es häufiger, wenn die Menschen sich nicht aktiv dazu entscheiden müssen, sondern per Standard als Organspender gelten, so sagen es die Verhaltensökonomen – und halb Deutschland diskutiert in diesen Monaten einen entsprechenden Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Wie Märkte so gebaut werden können, dass sie funktionieren: Auf solche Fragen hat Fehrs Forschung enormen Einfluss. Er hat ermittelt, dass Menschen egoistische Gegenüber durchaus auf eigene Kosten bestrafen, und er hat untersucht, was das Gehirn während ökonomischer Entscheidungen tut. Deshalb steht Fehr mit insgesamt 503 Punkten an der Spitze der diesjährigen Einflussrangliste, noch vor Ökonomen, die man aus den politischen Debatten eher kennt

          Das sind zum Beispiel der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, dessen Vorgänger Hans-Werner Sinn und Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Zwar ist Sinn inzwischen nicht mehr aktiv, doch in Medien und Politik hören noch so viele Menschen auf seinen Rat, dass er sich dieses Jahr sogar wieder einen Rang nach oben arbeiten kann. In der Wirkung auf Politiker und Regierungsmitarbeiter stand Sinn in diesem Jahr sogar wieder an der Spitze, noch einen Hauch vor seinem Nachfolger Clemens Fuest – Fuest allerdings bleibt mit großem Abstand der Liebling der Medien.

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          Weil sowohl die Wirkung in Wissenschaft als auch die in der Öffentlichkeit wichtig ist, kombiniert das F.A.Z.-Ranking den Einfluss in beiden Welten. Für die Ranglistenposition zählt, ob ein Ökonom in der Wissenschaft Impulse gibt, die andere Forscher aufnehmen, ob er in den Medien Gehör findet, von Politikern als Ratgeber geschätzt wird – und erstmals auch, ob er in sozialen Medien Resonanz findet.

          Twitter und Online-Medien werden im Ranking höher gewichtet

          Inzwischen hat sich auf Twitter eine rege Debatte von Ökonomen, von Politikern und ihren Beratern sowie Journalisten über wirtschaftliche Fragen ergeben. Auch wer in dieser Debatte gehört wird, hat Einfluss. Darum geht erstmals auch diese Präsenz in unsere Rangliste ein, gemessen von der ökonomischen Website Makronom in Anlehnung an ihre Twitter-Rangliste. Ganz oben steht hier ebenfalls eine Ökonomin der Uni Zürich, nämlich die Entwicklungsökonomin Dina Pomeranz, dicht gefolgt von der DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert und Institutspräsident Marcel Fratzscher.

          Auch der Medieneinfluss wird in diesem Jahr auf neue Weise erhoben: Wurden bisher nur Zitate in Politik- und Wirtschaftsressorts gemessen, gelten jetzt die ganzen Publikationen. Auch Zitate im Internet werden ausgewertet. Die Zählung übernimmt das Medienanalyse-Unternehmen Unicepta. Wie in den vergangenen Jahren erhebt die F.A.Z. die Daten außerdem in Zusammenarbeit mit dem Verein für wissenschaftliche Politikberatung Econwatch, der Universität Düsseldorf, dem ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und dem Wissenschaftsverlag Elsevier. Der Wissenschaftseinfluss macht die Hälfte der Ranglistenpunkte aus, die andere Hälfte teilen sich Medien, Politik und Social Media. In Österreich und der Schweiz veröffentlichen „Die Presse“ und „Neue Zürcher Zeitung“ Ranglisten, die nach den gleichen Regeln entstehen – auch in diesen beiden Ländern steht Ernst Fehr an der Spitze, in Deutschland zum dritten Mal.

          Ferdinand Dudenhöffer erstmals unter den zehn einflussreichsten Ökonomen

          Obwohl die Rangliste auf veränderte Weise aufgestellt wird, sind die Ergebnisse bemerkenswert stabil. Neu unter den zehn einflussreichsten Ökonomen ist an Rang sechs der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, der zwar in der Wissenschaft nicht viel Gehör findet, dafür aber in den Medien. Auf Rang sieben ebenfalls neu ist Klimaökonom Ottmar Edenhofer, der seinen Ranglistenplatz durch Einfluss in Medien und Wissenschaft erreicht. Die Präsenz beider Ökonomen muss nicht mit der neuen Berechnungsweise zu tun haben. Wahrscheinlicher ist, dass ihre große Resonanz die Auto- und Klimadebatten des vergangenen Jahres widerspiegelt.

          Einen großen Sprung nach vorne macht zudem Sebastian Dullien, der neue Präsident des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Im April erst hat er seine neue Position angetreten, trotzdem gehört er schon zu den zehn Ökonomen, die von Politikern und ihren Beratern am häufigsten als Einflussgeber genannt wurden. In fast allen Disziplinen übt Dullien mehr Einfluss aus als der von den Gewerkschaften vorgeschlagene neue Wirtschaftsweise Achim Truger, der folglich drei Plätze hinter Dullien bleibt.

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