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Die F.A.Z. in der Wirtschaft : Mitglied der „Brigade Erhard“

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Streit um die Aufwertung der D-Mark: Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundesbankpräsident Karl Blessing im Jahre 1960 Bild: DUMMY

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fühlt sich seit ihrer Gründung der Sozialen Marktwirtschaft und dem Ordoliberalismus verpflichtet. Dies verwickelte die Wirtschaftsredaktion immer wieder in schwere Auseinandersetzungen.

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          Die Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg war für den Aufbau einer Marktwirtschaft nicht eben günstig. Der im Dritten Reich erlassene Lohn- und Preisstopp, der Wirtschaftsdirigismus der Kriegszeit und ebenso die Bewirtschaftung des Mangels in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten die Deutschen an staatliche Lenkung gewöhnt. Das im Ordoliberalismus der Freiburger Schule und vom Münsteraner Nationalökonom Alfred Müller-Armack entwickelte Konzept einer Sozialen Marktwirtschaft hatte es aber auch aus anderen Gründen zunächst schwer in Deutschland. Die westlichen Besatzungsmächte setzten entsprechend dem Großtrend eher auf Wirtschaftslenkung und Bewirtschaftung und ließen Ludwig Erhard nur eingeschränkt gewähren. Die SPD war bis zum Godesberger Parteitag 1959 und teilweise auch noch danach auf Sozialisierungs-, zumindest aber auf Globalsteuerungskurs.

          So schwierig die Durchsetzung und positive Besetzung des Begriffs „Soziale Marktwirtschaft“ zunächst auch schien, am Ende wurde das Konzept zum Erfolg. Als dauerhaft problematisch erwies sich dagegen der Begriff „Neoliberalismus“. Eigentlich benennt dieser eine Abkehr vom klassischen Laissez-faire-Liberalismus. So war der Begriff „Neoliberalismus“, wie ihn der spätere Heidelberger Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Alexander Rüstow 1938 zwar nicht erfunden, aber bei einem Treffen von Intellektuellen und Akademikern in Paris eingeführt hatte, gerade nicht als Bezeichnung für einen „Marktradikalismus“ gedacht, was die damals debattierten Alternativen deutlich zeigen. Vielmehr sollte ein erneuerter Liberalismus den klassischen Laissez-faire-Liberalismus überwinden. Dieser von einem regelsetzenden starken Staat ausgehende neue Liberalismus wurde unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre von einigen Liberalen als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus konzipiert.

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