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F.A.Z. Exklusiv : Steigenberger-Konzern peilt 700 Hotels an

Grandhotel in der Stadt: Der Frankfurter Hof gehört zum Steigenberger-Konzern Deutsche Hospitality Bild: Lucas Bäuml

Auf zur Nummer drei in Europa – mit einem Eigner aus China strebt die Deutsche Hospitality zu hohen Zielen. Mit der F.A.Z. spricht der neue Chef über Kaufpläne, die Pandemie und Kritik an Hilfen.

          5 Min.

          Was ist das gediegene Ambiente eines Grand-Hotels gegen die Finessen eines Fernsehstudios. Marcus Bernhardt, neuer Chef des Steigenberger-Mutterkonzerns Deutsche Hospitality, hat gleich zum Amtsantritt im November erfahren, wie die Pandemie das Geschäft des Hotelkonzerns durchwirbelt. Stand vorher der rustikale Luxus des Frankfurter Hofs im Stadtzentrum Frankfurts im Fokus, kommt Bernhardt schnell auf das weniger auffällige Haus am Flughafen zu sprechen – und auf das eingebaute Studio.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von dort hat er die 11.000 Beschäftigten per Video-Übertragung auf den ambitionierten Expansionskurs unter dem neuen Eigentümer, dem chinesischen Huazhu-Konzern und dessen Gründer Ji Qi, eingestimmt. Auch andere Unternehmen nutzen die Technik, weil in Corona-Zeiten keine Versammlungen möglich sind.

          „Bis 2025 wollen und werden wir zu den Top-drei-Hotelgesellschaften in Europa aufsteigen. Dafür müssen wir auf 700 Hotels kommen“, erklärt Bernhardt im Gespräch mit der F.A.Z. Gerade in der Corona-Krise für die Hotellerie wirkt es beachtlich, dass sich das Unternehmen vervielfachen will. „Aktuell haben wir 121 im Betrieb, 41 in der Pipeline und vier Häuser mit unserem Partner in China“, sagt Bernhardt. In der Pandemie soll es bloß eine Nachjustierung auf dem Zukunftskurs geben. „Noch vor ein paar Monaten galt bei uns die Devise: Wachstum sofort. Diese Strategie mussten wir den Gegebenheiten anpassen. Das Ziel besteht aber fort“, sagt er. Zu Jahresbeginn galt noch das Ziel von 500 Hotels.

          Kauf von Hotelketten geplant

          In der Branche gilt längst als ausgemacht, dass nicht Neuprojekte, sondern Übernahmen den Hotelmarkt am Ende der Pandemie prägen werden. Und so ist es bei der Deutschen Hospitality. „Unser Plan für organisches Wachstum sieht vor, dass 20 bis 25 Hotels in jedem Jahr dazu kommen. Damit werden wir 280 Hotels erreichen. Die Differenz zu 700 soll durch Mergers und Akquisitionen geschlossen werden“, also durch Übernahmen und Zukäufe. „Entweder holen wir Marken ganz zu uns oder wir entscheiden, Häuser unter eine unserer fünf bestehenden Marken zu führen.“ Zur Deutschen Hospitality gehören neben Steigenberger auch die Namen Inter-City-Hotel, Maxx, Jaz in the City und die Budgetmarke Zleep.

          Der Fokus werde auf Europa und dem Mittleren Osten liegen. Im Asien-Pazifik-Raum unterstütze man Huazhu bei der Einführung deutscher Marken, die dort sehr angesehen seien. „Huazhu ist im unteren und mittleren Preissegment stark, wir kommen aus dem mittleren und höheren Preissegment, das ergänzt sich wunderbar“, ist Bernhardt überzeugt.

          Anfragen liegen schon vor

          Vorprescher in der Konsolidierung auf dem deutschen Hotelmarkt wird er nicht mehr. Die Premier-Inn-Gruppe hat schon die Übernahme von 13 Centro-Hotels verkündet. Und ein Berliner Großhotel wechselt nach der Insolvenz der Betriebsgesellschaft zu Dorint. Die Chance, am Ende der Pandemie für besonderes Aufsehen zu sorgen, bleibt aber.

          „Ich bin sehr schweizerisch, ich möchte für jeden Schritt gern eine Sicherheit. Wenn die Jahresabschlüsse für 2020 vorliegen, wird man genau sehen, wie die Lage in den einzelnen Betrieben ist“, sagt Bernhardt. „Ab dem dritten Quartal 2021 kann es vermehrt Akquisitionen geben. Man wird erstaunt sein, wie viele Hotelgesellschaften zu Veränderungen bereit sind.“

          Branche droht „Sterben auf Raten“

          Durch die Krise seien viele Unternehmen mittel- und langfristig gezwungen, ihre Budgets für Geschäftsreisen anzupassen. Das habe wiederum enorme Auswirkungen auf die Geschäftshotellerie. „Dies wird mit ein Grund sein, dass viele kleine und mittlere Betriebe mittelfristig nicht überleben werden. Es droht in der Branche ein Sterben auf Raten“, sagt er. „Als Konsequenz daraus merken wir schon heute, dass viele dieser kleinen und mittelständischen Betriebe Kontakte zu großen Unternehmen wie uns suchen, um dort finanziellen Halt zu finden.“

          Bernhardt ist nun Ji Qis Mann für Expansion und für Ruhe bei Steigenberger. Sein Vorgänger Thomas Willms hatte sich im Sommer plötzlich verabschiedet mit den Worten, seine Aufgabe sei „nun erfüllt“. Es blieb der Eindruck, dass der damalige Chef und der Neueigner unterschiedliche Ansichten zu künftigen Aufgaben hatten. Bernhardt soll nun auch für Kontinuität stehen. Bis 2010 saß er schon als Vertriebsverantwortlicher im Steigenberger-Management und ist jetzt nach Stationen bei der Fluggesellschaft Gulf Air und dem Autovermieter Europcar zurückgekehrt.

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