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F.A.Z. Exklusiv : Steigenberger-Konzern peilt 700 Hotels an

Schweizer für die Steigenberger-Expansion: Marcus Bernhardt führt den Deutsche-Hospitality-Konzern.
Schweizer für die Steigenberger-Expansion: Marcus Bernhardt führt den Deutsche-Hospitality-Konzern. : Bild: Deutsche Hospitality

Das Verhältnis zu Qi Ji beschreibt er harmonisch: „Er ist ein zurückhaltender, bescheidener Mensch, hat aber eine klare strategische Vision. Er sieht die Deutsche Hospitality als sein ,Kind‘ an und will, dass das Unternehmen wächst.“ Qi gehe mit „sehr viel Leidenschaft und Engagement“ an die Deutsche Hospitality heran und sei an der strategischen Entwicklung beteiligt. Aber ohne Hast. „Ji Qi ist in der Entwicklung von Huazhu sehr bedacht vorgegangen. Vor 15 Jahren hatte er 50 Hotels, heute sind es 6.800.“

Der Investor gilt in der Frankfurter Zentrale als Vorzug, Kritik an deutschen Hilfen für leidende Hotels aber bleibt. „Dass wir mit Huazhu einen Eigentümer aus Asien haben, bedeutet nicht, dass es für uns ein Füllhorn gibt, aus dem das Geld fließt“, sagt Bernhardt. „Wir zahlen unsere Steuern hier, und 80 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Arbeitsverträge in Deutschland. Huazhu erwartet von uns, dass wir die Deutsche Hospitality weitgehend aus eigener Kraft durch die Krise manövrieren.“

Unmut über Vermieter von Hotelimmobilien

Dafür möchte Bernhardt auch Geld vom Staat: „Wir fordern keine Subvention, sondern eine Entschädigung für entgangene, nicht verschuldete Umsatzausfälle.“ November-Hilfen seien wegen der Betriebseinschränkungen beantragt worden, nur eine minimale Entschädigung sei bislang angekommen. Der Bund hatte zunächst Abschlagszahlungen geleistet, für Großbetriebe mit Milliardenumsatz wird zudem auf ausstehende Klärungen mit der EU-Kommission verwiesen. „Wir können nicht warten, bis die EU Hilfsmittel für größere Unternehmen genehmigt. Eine Entschädigung für Umsatzausfälle kann die Bundesregierung unserer Meinung nach auch ohne Entscheidung aus Brüssel gewähren“, hält Bernhardt dagegen.

Ein Problem seien große Immobilieneigner. „Viele internationale Immobilienfonds, Versicherungsgesellschaften und Banken bewegen sich bislang keinen Millimeter und sind zu keinen Zugeständnissen bei den Pachten bereit. Ich finde es sehr bedauerlich, dass in dieser Jahrhundertkrise nicht alle in einem Boot sitzen“, sagt Bernhardt. „Pachtverträge für Hotels sind in der Regel auf einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren ausgelegt. Die Hospitality-Industrie ist ein langfristiges, partnerschaftliches Geschäftsmodell, das nicht bei Zahlungen für ein Jahr auf dem Prüfstand stehen sollte.“

Der Bund hat zwar die gesetztliche Klarstellung, dass durch die Corona-Krise die Geschäftsgrundlage gestört ist, auf den Weg gebracht. Das ermöglicht Nachverhandlungen. Bernhardt wünscht mehr: „Es ist notwendig, dass der Staat den Vermietern ganz klare Vorgaben macht. Die bisherigen Empfehlungen reichen nicht aus, und die Auswirkungen 2021 und 2022 sind nicht absehbar.“ Das werde Konsequenzen für die Unternehmen und somit für die ganze Gesellschaft haben. „Wie wir feststellen, gibt es in unserem Umfeld immer mehr Menschen und Unternehmen, die vor dem Konkurs stehen.“

Hotels 2020 nur zu gut 30 Prozent ausgelastet

Der Deutsche Hospitality droht dieses Schicksal nicht, doch jegliches Ungemach ist nicht ausgeschlossen. „Wir haben bis jetzt versucht, Entlassungen zu vermeiden. Das Management hat im abgelaufenen Jahr auf erhebliche Teile ihres Gehaltes und der Boni verzichtet und wird dies auch im kommenden Jahr tun“, zählt der Chef auf. „Außerdem haben wir das Kurzarbeitergeld um bis zu 20 Prozent aufgestockt, da es uns sehr viel daran gelegen ist, unsere langjährigen und guten Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.“

Es folgt jedoch die Mahnung: „Wenn die Geschäftsentwicklung so weiter geht wie bisher, können wir nicht mehr ausschließen, dass wir es ohne Entlassungen schaffen.“ Zu groß sind die Einbußen. „Unsere Auslastung liegt 2020 im Durchschnitt bei über 30 Prozent.“ Er bleibt aber eine Durststrecke. „Ich rechne mit einer Stabilisierung des Geschäfts nicht vor dem vierten Quartal 2021. Ab dem dritten Quartal ist es unsere Ambition, den Umsatz pro verfügbarem Zimmer wieder auf 90 Prozent des Vorkrisenniveaus zu heben.“

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