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F.A.Z. exklusiv : Die Rentenreserve schmilzt wegen Corona

Rund 21 Millionen Rentner gibt es aktuell in Deutschland. Bild: dpa

Die Folgen werden später spürbar als in den anderen Zweigen der Sozialversicherung. Doch auch die Rentenversicherung muss stärker als erwartet an ihre finanziellen Reserven gehen.

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          Mit voller Wucht wird die gesetzliche Rentenversicherung die Auswirkungen der Corona-Pandemie erst im kommenden Jahr und in den Jahren danach zu spüren bekommen. Anders als die Arbeitslosenversicherung und die gesetzliche Krankenversicherung stehen die Rentenkassen in diesem Jahr noch relativ gut da. Doch auch die Rentenversicherung muss stärker als erwartet an ihre finanziellen Reserven gehen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nach der jüngsten Vorausschätzung, die der F.A.Z. vorliegt, werden die Einnahmen aus Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber im laufenden Jahr um rund 4 Milliarden Euro geringer ausfallen, als in der letzten Schätzung vorhergesagt. Statt der erwarteten 255,9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen wird sich die Rentenversicherung angesichts steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wohl mit knapp 251,8 Milliarden Euro zufriedengeben müssen.

          21 Millionen Rentner

          Die Lücke muss aus der Finanzreserve der Rentenversicherung, der sogenannten Nachhaltigkeitsrücklage, gedeckt werden, die Ende 2019 mit 40,5 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht hatte. Sie muss nun voraussichtlich auf 36,5 Milliarden abgeschmolzen werden. Ursprünglich hatte die Bundesregierung in ihrem Rentenversicherungsbericht vom November 2019 für das Finanzpolster einen Rekord von 41,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 vorhergesagt. Da sich die Rentenzahlungen derzeit auf rund 23,5 Milliarden Euro summieren, entspricht der neue Schätzwert von 36,5 Milliarden Euro 1,55 Monatsausgaben für die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland.

          Die Finanzreserve schmilzt in den kommenden Jahren nach Plan ab, weil die schwarz-rote Koalition beschlossen hat, „Haltelinien“ für den Rentenbeitragssatz und das Rentenniveau einzubauen. Nach dem Rentenversicherungsbericht 2019 wird die Nachhaltigkeitsrücklage im Jahr 2023 nur noch bei gut 25 Milliarden Euro liegen, dann weniger als einer Monatsausgabe.

          Bundeszuschuss deckt Differenz

          Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie könnte der Schrumpfungsprozess nun deutlich schneller vonstattengehen. Dann müsste der Bund seinen Steuerzuschuss, der ohnehin bald eine dreistellige Milliardenhöhe erreicht, noch mehr erhöhen als geplant.

          Insgesamt rechnet die Rentenversicherung einschließlich der Krankenversicherung der Rentner in diesem Jahr mit Rentenausgaben von 310,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr waren es 297,8 Milliarden Euro. Bei dem Zuwachs machen sich die weiter steigende Zahl von Rentnern und die bevorstehende Rentenanpassung bemerkbar. Die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen wird durch den Bundeszuschuss aus Steuern gedeckt.

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