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Geldpolitischer Kurs der EZB : Und sie bewegt sich doch

Blick auf die EZB in Frankfurt. Bild: dpa

Die Notenbank öffnet die Tür für eine Verschärfung ihrer Geldpolitik. Die Finanzmärkte reagieren deutlich. Zur Glaubwürdigkeit gehört allerdings auch, den Worten Taten folgen zu lassen.

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          Moderne Geldpolitik funktioniert nicht so, dass eine Notenbank ihren Kurs unerwartet mit einer Erhöhung ihres Leitzinses ändert. Solche Entscheidungen werden kommunikativ vorbereitet, um Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verhindern. Diese Übung haben andere Notenbanken auch längst absolviert. Angesichts der jüngsten Entwicklung der Inflation musste die Europäische Zentralbank (EZB) daher dringend in einem ersten Schritt wenigstens ihre Rhetorik ändern, wenn sie noch länger als stabilitätsorientierte Zentralbank ernst genommen werden wollte.

          Typische Reaktionen von Finanzmärkten

          Dies tat sie am Donnerstag auch – und die Finanzmärkte haben die Botschaft verstanden. Der starke Anstieg der Renditen an den Anleihemärkten, die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar am Devisenmarkt und die Kursverluste am Aktienmarkt sind typische Reaktionen von Finanzmärkten in Erwartung einer Änderung der Geldpolitik. In nicht wenigen Finanzhäusern werden nunmehr Leitzinserhöhungen der EZB selbst von Beobachtern nicht länger ausgeschlossen, die der EZB ein solches Handeln bisher nicht zugetraut hatten. Davor muss auch niemand Angst haben: Selbstverständlich sind trotz der Aussicht auf eine etwas restriktivere Geldpolitik am Donnerstag weder die Finanzmärkte noch die Staatsfinanzen Südeuropas stante pede zusammengebrochen.

          Zur Glaubwürdigkeit einer Notenbank gehört allerdings auch, den Worten Taten folgen zu lassen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in ihrer Pressekonferenz mehrfach auf die Sitzung des Zentralbankrats am 10. März hingewiesen. Dann wird die Notenbank turnusgemäß ihren wirtschaftlichen Ausblick überprüfen und mit Blick auf das Umfeld wohl zu dem offensichtlichen Schluss gelangen, dass sie bisher die Inflation deutlich unterschätzt hat.

          Dieser Befund wird eine Grundlage für geldpolitische Entscheidungen schaffen. Lagarde hat stets betont, vor einer Leitzinserhöhung müssten erst die Anleihekäufe eingestellt werden. Vor dieser längst überfälligen Entscheidung hatten sich die Währungshüter bisher gedrückt. Jetzt wird es Zeit: Der Kampf gegen die Inflation muss konsequent geführt werden.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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