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Deutsche Bank in der Krise : EZB sucht Ängste vor Bankenkrise zu zerstreuen

  • Aktualisiert am

Die EZB versucht, die Sorge vor einer Bankenkrise zu mildern. Bild: dpa

Die Zweifel an der Stabilität der Deutschen Bank wachsen. Die EZB sieht dennoch keine neue Bankenkrise heraufziehen und spricht von einem Wahrnehmungsproblem.

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          EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger ist Ängsten vor einer neuerlichen Bankenkrise in Europa entgegengetreten. „Die Banken sind heute (...) im Schnitt sehr viel besser kapitalisiert als vor der Krise, und auch bei der Aufsicht hat sich viel getan“, sagte Lautenschläger, die auch stellvertretende Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsarms SSM ist, in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“. In unruhigen Zeiten würden Marktakteure solche „Verbesserungen im Gesamtbild“ oft vergessen. Zudem differenzierten sie teils nicht zwischen den Instituten.

          Zu den Sorgen rund um die Deutsche Bank wollte sich Lautenschläger nicht äußern. Sie deutete aber an, dass die EZB-Aufsicht etwa die Diskussion über die in Amerika drohende Geldstrafe von 14 Milliarden Dollar für frühere Hypothekengeschäfte eng verfolgt. Die EZB tausche sich da mit der amerikanischen Aufsicht aus, sagte sie.

          In der Nacht zum Freitag machte die Deutsche Bank abermals Schlagzeilen nach Berichten, dass einige Hedgefonds Geld aus der Bank abgezogen hätten. Es handle sich um Kunden im Derivate-Clearing, die die Deutsche Bank anstelle eines Clearinghauses nutzten. Obwohl die Mehrheit der mehr als 200 Derivate-Clearing-Kunden keine Veränderungen vorgenommen haben, versetzte die Nachricht die Anleger in Sorge und der Kurs der Deutschen Bank fiel an der Wall Street beträchtlich.

          In den vergangenen Tagen haben vor allem Sorgen über die Kapitaldecke der Deutschen Bank Spekulationen über mögliche Staatshilfen für das Institut und Befürchtungen vor einer Bankenkrise in Deutschland oder gar in ganz Europa aufkommen lassen. Schon im Frühjahr waren Europas Institute an den Märkten gehörig unter Druck geraten. Der Fokus lag damals auf Italiens Banken.

          „Keinen Grund für zusätzlichen Stimulus“

          Mit Blick auf den geldpolitischen Kurs sieht Lautenschläger derzeit keinerlei Anlass für die Europäische Zentralbank (EZB), über eine weitere Lockerung nachzudenken. „Ich sehe keinen Grund für einen zusätzlichen Stimulus. Wir bewegen uns auf dem vorgesehenen Pfad“, sagte sie mit Blick auf Wachstum und Inflation. Sie lehnte eine generelle Neuausrichtung des Wertpapierkaufprogramms (Quantitative Easing, QE) ebenso ab wie eine weitere Senkung des Einlagenzinses von aktuell minus 0,4 Prozent.

          Vehement widersprach sie auch Marktspekulationen, die EZB könne künftig Aktien oder Bankanleihen kaufen. Zu den Erwartungen, die EZB werde in jedem Fall QE zumindest über das Enddatum März 2017 hinaus verlängern, um die Käufe von monatlich 80 Milliarden Euro nicht schlagartig zu stoppen, untermauerte sie, sie sehe keinen Bedarf für einen weiteren Stimulus. Zugleich fügte sie hinzu: "Aber ein Ausstieg muss natürlich vorsichtig gestaltet werden."

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