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EZB : Sicherheiten zweiter Klasse

  • -Aktualisiert am
Sicherheit der Notenbanken im Euro-Raum
          3 Min.

          Die Europäische Zentralbank ist dabei, eine zweite Klasse von Sicherheiten zu etablieren. Zwar dürfen die Banken schon jetzt Einzelkredite und andere nicht marktgängige Forderungen beleihen. Doch bisher sind die Anforderungen dafür so hoch, dass dieses Instrument kaum genutzt wird. So können zum Beispiel nach Angaben der EZB nur Forderungen mit einem Mindestwert von 500.000 Euro beliehen werden. Insbesondere bei vielen angeschlagenen Banken aus finanzschwachen Euroländern wie Spanien, Portugal oder Italien sind Pfänder so knapp geworden, dass nun für Einzelkredite die Anforderungen gesenkt werden. Zugleich müssen Notenbanken, die solche Kredite als Pfand von ihren Banken akzeptieren wollen, dies auf eigenes Risiko tun.

          Diesen Schritt hatte die EZB - zusammen mit einer ganzen Reihe von Nothilfen - im Dezember angekündigt, jetzt steht er vor der Umsetzung. Mit der abermaligen Lockerung der Sicherheitenpolitik sollen die Finanzierungsschwierigkeiten der Banken gelindert werden, die auf dem freien Markt kaum noch Kredit von Konkurrenten erhalten. Die Ausweitung des Sicherheitenrahmens soll bis zum Ende diese Monats abgeschlossen sein. Denn dann steht das zweite Finanzierungsgeschäft mit der extrem langen Laufzeit von drei Jahren an. Bei dem ersten Geschäft dieser Art hatten sich die Banken im Januar 489 Milliarden Euro von der Zentralbank geliehen.

          Die Wirkung lässt sich kaum abschätzen

          Derzeit können die nationalen Notenbanken bei der EZB die Konditionen für ihre Programme zur Beleihung von Einzelkrediten einreichen, die dann der Rat der EZB genehmigen muss. Vermutlich dürfte das bei der Ratssitzung am nächsten Donnerstag geschehen. Bislang gab es im Euroraum Wertpapiere im Wert von rund 14.000 Milliarden Euro, die für die Beleihung in Frage kommen. Wie stark sich dieser Rahmen durch die jüngsten EZB-Beschlüsse ausgeweitet hat - im Dezember wurde auch das Mindestrating für Verbriefungen gesenkt -, lässt sich kaum abschätzen. Die EZB veröffentlicht die Daten nur jährlich, das nächste Mal in diesem April im Jahresbericht 2011. Auch die Ausweitung der von den Banken bei den Notenbanken eingereichten Sicherheiten - Ende 2010 waren das rund 2000 Milliarden Euro - wird erst dann im Detail bekanntwerden. Allerdings lässt sich allein wegen des gesenkten Mindestratings bei der Beleihung von Verbriefungen ein deutlicher Anstieg vermuten, zumal sich die Bilanzsumme des Euro-Systems seit Ende November von 2400 auf 2700 Milliarden Euro erhöht hat.

          Auch die Wirkung der nun bevorstehenden Lockerung für die Beleihung von Einzelkrediten lässt sich kaum abschätzen. Noch ist nicht klar, welche Notenbanken das Instrument überhaupt nutzen wollen. Die Bundesbank hat bereits abgewunken. Deutsche Banken sind allerdings auch nicht knapp mit Sicherheiten. Weil deutsche Banken, nicht zuletzt wegen der relativen Stabilität der deutschen Staatsfinanzen, noch am ehesten als kreditwürdig gelten, können die meisten von ihnen sich problemlos auf dem privaten Markt von der ausländischen Konkurrenz Geld leihen. Deshalb haben die deutschen Banken zuletzt nur noch rund 70 Milliarden Euro bei der Bundesbank geliehen, was etwa 10 Prozent der gesamten Notenbankkreditsumme im Euro-System entspricht. Vor der Krise entfiel nach Angaben der Bundesbank auf die deutschen Banken noch ein Anteil von 30 bis 40 Prozent. Auch andere Notenbanken mit stabilen Bankensystemen wie etwa Luxemburg, Finnland und die Niederlande dürften sich nicht beteiligen.

          Dagegen sind Anmeldungen aus Ländern wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und wohl auch Frankreich zu erwarten, heißt es in Notenbankkreisen. Jede einzelne Notenbank legt dabei die Konditionen fest, zu denen Einzelkredite beliehen werden. Die Programme sollen befristet sein, wobei der EZB-Rat seine Zustimmung jederzeit wieder zurückziehen kann.

          Die abermalige Lockerung des Sicherheitenrahmens dürfte die Nutzung des zweiten Dreijahrestenders stark beeinflussen. Im Umfeld der Bundesbank wird allerdings erwartet, dass die Nachfrage der Banken nicht die beim ersten Tender verzeichnete Summe erreichen wird. Genau abschätzen lasse sich das noch nicht, hieß es, aber die Erfahrungen mit früheren Bankenschieflagen zeige, dass in Bedrängnis geratene Banken gar nicht über so große Bestände an Krediten verfügten, die nun neuerdings als Pfand in Frage kämen. Zudem werden die Einzelkredite nur mit sehr hohen Sicherheitsabschlägen von je nach Laufzeit und Bonität mehr als 60 Prozent beliehen. Für jeden Euro Nennwert der Sicherheit würde es also in einigen Fällen weniger als 40 Cent Kredit von der Notenbank geben.

          Die nationalen Notenbanken werden die Kreditforderungen zwar auf eigenes Risiko als Sicherheiten annehmen. Etwaige Verluste werden also anders als bei der regulären Beleihung von Wertpapieren nicht von allen Euro-Notenbanken gemeinsam getragen. Gleichwohl räumen Notenbanker ein, dass sich durch die ausgeweitete Beleihung von Einzelkrediten die Risiken erhöhen. Denn wenn Euro-Notenbanken aus finanzschwachen Staaten zusätzliche Risiken übernehmen, stellt sich die Frage, ob im Falle einer größeren Bankenkrise die Risiken nicht doch auf das gesamte System zurückschlagen.

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