https://www.faz.net/-gqe-7x4hw

Inflation und Wachstum : EZB senkt Prognose für Euroraum

  • Aktualisiert am

Bildjournalisten waren zur ersten Sitzung im neuen Ratssaal nicht zugelassen. Dieses Foto entstand noch vor dem Umzug der EZB. Bild: Eilmes, Wolfgang

Erste Sitzung im 41. Stock der neuen EZB-Zentrale in Frankfurt. Das Ergebnis: der Leitzins bleibt unverändert, aber die Prognosen für Inflation und Wachstum werden gesenkt.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Prognosen für Wachstum und Inflation in der Eurozone nach unten korrigiert. Der Leitzins bleibt unverändert, auch zum möglichen Ankauf von Staatsanleihen gab es keine Entscheidungen.

          Die Teuerungsrate werde im kommenden Jahr mit 0,7 Prozent und im Jahr 2016 mit 1,3 Prozent geringer ausfallen als noch im September erwartet, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Zuvor hatte die EZB für 2015 mit einer Inflation von 1,2 gerechnet, für 2016 mit einer Teuerung um 1,4 Prozent.

          Auf lange Sicht strebt die EZB eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an, deshalb sehen die Zentralbanker die aktuellen Entwicklungen mit Sorge.

          Auch ihre Wachstumsprognosen senkte die EZB ab. Für 2014 geht sie von einem Zuwachs von 0,8 Prozent in der Euro-Zone aus, für 2015 von 1,0 und im Jahr 2016 soll die Wirtschaft den Erwartungen zufolge um 1,5 Prozent zulegen. Bisher hatte die EZB ein Wachstum von 0,9 Prozent, 1,6 Prozent und 1,9 Prozent prognostiziert.

          Leitzinsen bleiben unverändert

          Keine Änderungen gab es dagegen beim Leitzins. Den zentralen Zinssatz beließ der EZB-Gouverneursrat auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Neben diesem Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, blieben auch die zwei anderen Leitzinsen auf dem Niveau des Vormonats. Kreditinstitute, die ihr Geld lieber kurzfristig bei der Notenbank parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen weiterhin einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen.

          Zu Beginn der EZB-Presskonferenz gegen 14.30 Uhr schoss der Deutsche Aktienindex (Dax) kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch von 10.083,74 Punkten. Seinen bisherigen Rekord hatte er am 20. Juni 2014 mit 10.050,98 Punkten erreicht. Am Donnerstagnachmittag fiel der Index aber schnell wieder deutlich unter 10.000 Punkte.

          Zum umstrittenen Thema des massenhaften Ankaufs von Staatsanleihen durch die EZB gab Draghi keine konkreten Hinweise. Er betonte jedoch, dass Anfang des kommenden Jahres die Zentralbank ihre bisherigen Maßnahmen überprüfen wolle und dass darüber hinaus schon jetzt Vorbereitungen für weitere expansive Maßnahmen der EZB getroffen würden. Die bisherigen Maßnahmen der Zentralbank umfassen den Ankauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. Sie sollen die niedrige Inflation erhöhen und die Konjunktur im Euroraum ankurbeln. Ob sie dafür ausreichend sind, ist jedoch ungewiss.

          Deshalb prüft die EZB auch den Ankauf von Staatsanleihen, den die amerikanisch Notenbank Fed in der Finanzkrise in großem Stil betrieben hatte. Dieses Vorgehen ist innerhalb des EZB-Rats allerdings umstritten, da es sich auf einem schmalen Grad zwischen zulässiger Geldpolitik und verbotener Staatsfinanzierung bewegt. Insbesondere die Bundesbank und ihr Chef Jens Weidmann lehnen den Anleihenkauf ab.

          Die Entscheidung darüber bedürfe aus seiner Sicht aber keiner Einstimmigkeit im Rat, sagte Draghi. Der Leiter der Abteilung Zins- und Anleihenresearch bei der DZ Bank, Jan Holthusen, geht davon aus, dass die EZB im kommenden Jahr „ein breit angelegtes Ankaufprogramm von Staatsanleihen“ beschließen wird.

          Der EZB-Rat tagte am Donnerstag zum ersten Mal in der neuen Zentrale in Frankfurt. Der Sitzungssaal befindet sich im 41. Stock des neuen Domizils. Am 18. März 2015 will die Zentralbank den Neubau offiziell eröffnen. Bis jetzt kostete das Doppelhochhaus am Main-Ufer rund 1,3 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Kommen wirklich die Richtigen?

          Hanks Welt : Kommen wirklich die Richtigen?

          Wie kann das Dilemma von offenen Grenzen im üppigen Sozialstaat gelöst werden? Der Markt bietet das gerechtere und humanere Arrangement als Bürokraten oder korrupte Schlepperbanden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.