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Entscheidung der EZB : Scheine werden abgeschafft, Münzen bleiben

  • Aktualisiert am

Gestapelte Euromünzen – dieser Anblick dürfte bald üblich werden. Bild: Picture-Alliance

Was vom Bargeld übrig blieb: Banknoten sind nicht fälschungssicher genug. Jetzt sollen alle Scheine abgeschafft werden. Trotzdem soll die Bargeld-Zahlung möglich bleiben – auch für Autos.

          Nach schlechten Erfahrungen mit der neuen Serie an Euro-Scheinen hat die Europäische Zentralbank mitgeteilt, sie werde noch in diesem Jahr alle Euro-Banknoten abschaffen. Obwohl die neuen Scheine, die seit drei Jahren nach und nach eingeführt werden, eigentlich besonders sicher sein sollten, heißt es in einer Mitteilung der Notenbank, die Banknoten hätten sich als zu fälschungsanfällig erwiesen. Die geplante Einführung des 50-Euro-Scheins werde gestoppt. Stattdessen solle der Euro-Raum künftig auf alle Banknoten verzichten.

          Liebe Leser! Wie viele von Ihnen mit Sicherheit schon gemerkt haben, handelt es sich bei diesem Beitrag um einen Aprilscherz. Wir hoffen, Sie nicht allzu sehr aufs Kreuz gelegt zu haben und wünschen Ihnen einen schönen Start in den April.

          „Wer kleine Beträge in Scheinen bezahlt, ist zu oft mit Falschgeld unterwegs. Und wer große Beträge in Scheinen bezahlt, wäscht zu oft Geld“, sagte ein Sprecher der Notenbank. Kurzfristig hätten Experten erwogen, eine ganz neue, absolut fälschungssichere Banknotenserie einzuführen. Die aber würde die Automatenhersteller vor unüberwindliche Probleme stellen. „Die Einführung des Fünf-Euro-Scheines war dagegen ein Kinderspiel – und da haben schon die Ticket-Automaten gestreikt.“ Ohnehin würden in Europa mehr und mehr Beträge mit EC- oder Kreditkarten bezahlt. „Nur die Deutschen sind noch ein bisschen rückständig.“

          Unter den Notenbanken kursiert ein interner Bericht, der der F.A.Z. vorliegt. Ihm zufolge sind 30 Prozent aller Geldscheine unecht. Vor allem Zehn-Euro-Scheine werden besonders häufig gefälscht. Für zehn Euro bekommt man einen Kasten Bier oder ein Taschenbuch – beides offenbar ein starker Anreiz für Fälscher.

          Ökonomen zweifeln noch am Sinn der Maßnahme. Klassischen Geldtheorien zufolge müsste ein solches Ausmaß an Geldfälschung zu erhöhter Inflation führen. Tatsächlich aber versucht die EZB seit Jahren erfolglos, die Inflationsrate zu steigern. Experten spekulieren schon über „Helikoptergeld“ – eine Maßnahme, bei der die Notenbank Geld verteilt, quasi als würde sie es aus dem Hubschrauber abwerfen.

          Auch Autohändler müssen Münzen annehmen

          Die Notenbanken sind gleichwohl zu ihrem Schritt entschlossen. Vom 1. Juli an werden Geldautomaten keine Scheine mehr ausgeben. Gleichzeitig sollten Bürger in einem Sonderprogramm ihre Scheine bei den Banken abgeben und sich den Betrag auf dem Konto gutschreiben lassen. Alle Scheine, die zum Jahresende noch in Tresoren oder unter Matratzen liegen, verlieren automatisch ihren Wert.

          Entgegen anderslautender Befürchtungen wird allerdings keine Obergrenze für Bargeldzahlungen eingeführt. Händler sind verpflichtet, weiterhin Bargeld anzunehmen. Die Notenbanken gehen davon aus, dass die Geschäftsbanken sich in den kommenden Monaten auf die vermehrte Ausgabe von Münzrollen vorbereiten. Die größte Nachfrage werde es voraussichtlich nach Zwei-Euro-Stücken geben. In einer Rolle stecken 25 Münzen, die Rolle ist also 50 Euro wert. Münzen sind um ein Vielfaches schwerer zu fälschen als Scheine: Der Vorgang wäre so kostspielig, dass er sich finanziell nicht lohnt.„Eine Expertengruppe prüft gerade, was das für die Ausgabe von Helikoptergeld bedeutet“, heißt es.

          Im Handel stößt der Plan auf begrenzte Begeisterung. „Wie soll das denn gehen?“, fragt Autohändler Horst Kaiser aus Euskirchen und rechnet vor: „Der Audi A1 kostet 21.000 Euro. Wenn die mir das jetzt in Münzen vorbeibringen, wiegen die ja 90 Kilo. Und auch das nur, wenn sie Zwei-Euro-Münzen haben, sonst wird es noch schwerer!“ Aber Kaiser sieht auch etwas Positives: „Wenigstens müssen wir kein Rückgeld bereithalten.“

          Auch der Berufsverband der Orthopäden sorgt sich. „Scheine haben eine rückenfreundliche Konsistenz“, sagt der Sprecher des medizinischen Fachausschusses, Reiner Wohltat. „Ängstliche Deutsche konnten die unter ihre Matratze stecken und dann besonders gut schlafen.“ Würden die Scheine jetzt durch Münzen ersetzt, sei ein deutlicher Zuwachs an Rückenleiden zu befürchten.

          So prüfen Sie Ihre Scheine auf Echtheit

          Auch vor dem Start des Sonderprogramms zur Banknotenrückgabe sollten Bürger ihre Euroscheine auf Echtheit prüfen. Dazu können sie die Quersumme der Seriennummer errechnen. Ist die Quersumme ohne Rest durch sieben teilbar, ist der Schein höchstwahrscheinlich echt. Eine weitere Kontrollmaßnahme lässt sich ganz ohne Rechnen durchführen: „Riechen Sie an dem Schein“, rät ein Polizeisprecher. „Wenn er faulig riecht, ist er gefälscht. Tatsächlich gilt die Faustregel: Geld stinkt nicht. Bitte geben Sie diesen Tipp auch Ihren Freunden weiter.“

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