https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ezb-ratsmitglied-rehn-will-banken-entlasten-16231462.html

Negativzinsen : EZB-Ratsmitglied Rehn will Banken entlasten

  • Aktualisiert am

Der EZB-Turm im Frankfurter Osthafen Bild: dpa

Der Strafzins zehrt an den Gewinnen der Banken. Nun schlägt ein möglicher Draghi-Nachfolger Linderungsmaßnahmen vor. Doch er stößt auf Widerstand.

          1 Min.

          Die Debatte über eine Entlastung der Banken im Euroraum wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewinnt an Fahrt. Der Chef der finnischen Notenbank, Olli Rehn, brachte am Dienstag unter anderem die Einführung „möglicher Linderungsmaßnahmen“ ins Gespräch, falls sich die Konjunktur weiter abkühlen sollte.

          Die Äußerung dürfte auf den sogenannten Staffelzins gemünzt sein, der von mehreren EZB-Ratsmitgliedern zuletzt eher negativ beurteilt wurde. Er hängt mit den Strafzinsen zusammen, den Banken zahlen müssen, wenn sie über Nacht überschüssiges Geld bei der EZB horten. Seit März 2016 liegt der Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent.

          Die europäischen Banken zahlen aufgrund des Strafzinses im Jahr 7,5 Milliarden Euro an die EZB, während amerikanische Banken von ihrer Notenbank für ihre dort angelegten Gelder Zinsen von 40 Milliarden Euro im Jahr erhalten. Europäische Bankenvertreter halten dies für einen Wettbewerbsnachteil.

          Freibetrag für die Banken

          Eine Staffelung des Einlagesatzes könnte in ihrer simpelsten Form ein Freibetrag sein, den die Banken bei der EZB parken, ohne darauf Strafzinsen berappen zu müssen. In Deutschland beklagen Banken, dass das Niedrigzinsniveau an ihren Gewinnen zehrt, und fordern ein Ende der Negativzinsen.

          Die Gegner eines Staffelzinses führen allerdings ins Feld, dass im Zuge der Diskussion die Erwartungen einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik der EZB weiter in die Zukunft verschoben würden. Die EZB hatte jüngst allerdings selbst ihre geldpolitische Orientierungslinie verändert und ein Festhalten an ihrem ultralaxen Kurs bis mindestens Mitte 2020 signalisiert.

          Olli Rehn
          Olli Rehn : Bild: Reuters

          Dass Rehn nun erneut den Staffelzins als mögliches Instrument ins Gespräch bringt, ist auch vor dem Hintergrund brisant, dass der Finne als ein möglicher Nachfolger des im Herbst aus dem Amt scheidenden EZB-Chefs Mario Draghi gilt.

          Draghi fürchtet Zollstreit

          Draghi hatte nach der jüngsten Zinssitzung betont, angesichts des eskalierenden Zollstreits und der Hängepartie um den Brexit halte sich die EZB weitere geldpolitische Optionen offen. Einige Ratsmitglieder hätten die Möglichkeit von Zinssenkungen angesprochen. Weitere Handlungsoptionen seien Anleihenzukäufe und eine Ausweitung des Zinsausblicks.

          Weitere Themen

          Der zähe Weg in die Formel 1

          FAZ Plus Artikel: Audi und Porsche : Der zähe Weg in die Formel 1

          Der Einstieg in die Formel 1 ist für Audi und Porsche alles andere als ein Selbstläufer. Mit den neuen Motorenregeln ist nun der Weg frei, aber viele Fragen bleiben offen.

          Topmeldungen

          Wie hoch halten wir die Flagge der Ukraine noch? Dieses Foto entstand im Juni 2022 während einer Solidaritätsdemonstration, organisiert von Vitsche Berlin.

          Ukrainische Kriegsflüchtlinge : Bröckelt unsere Solidarität?

          Im Frühling nahmen zahlreiche deutsche Familien spontan ukrainische Mitbewohner bei sich auf. Nicht immer verlief das ohne Enttäuschungen. Und viele Helfer fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.
          Der Weltmeister: Läuft alles nach Plan, fährt Max Verstappen ab 2026 mit Porsche-Power.

          Audi und Porsche : Der zähe Weg in die Formel 1

          Der Einstieg in die Formel 1 ist für Audi und Porsche alles andere als ein Selbstläufer. Mit den neuen Motorenregeln ist nun der Weg frei, aber viele Fragen bleiben offen.
          Olaf Scholz nach seiner Aussage im Frühjahr 2021 vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Cum-Ex-Affäre in Hamburg.

          Cum-Ex-Affäre : Woran erinnert sich der Kanzler?

          Wie gefährlich kann Olaf Scholz die Cum-Ex-Affäre noch werden? Der Bundeskanzler muss sich in Hamburg vor einem Untersuchungsausschuss abermals zu Gesprächen mit einem Banker erklären.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.