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Negativzinsen : Die Banken wollen unser Geld nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Die Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee in Bayern begeht mit den Strafgebühren einen Tabubruch. Bild: dpa

Die Negativzinsen haben den Privatkunden erreicht: Die Raiffeisenbank am Tegernsee verlangt erstmals eine Strafgebühr. Die EZB-Politik gefährdet damit unser aller Wohlstand.

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          Verrückte Welt: In der vergangenen Woche machte auf einmal eine Bank aus Gmund am Tegernsee auf sich aufmerksam, von der man im Rest der Republik bis dato noch nie etwas gehört hatte. Doch ausgerechnet an diesem kleinen Ort mit gerade einmal 6000 Einwohnern hat ein Tabubruch in der deutschen Bankengeschichte stattgefunden: Erstmals verlangt eine Bank (nämlich die dortige Raiffeisenbank) von ihren wohlhabenden Privatkunden für Einlagen von mehr als 100.000 Euro eine Strafgebühr von 0,4 Prozent.

          Man habe keine andere Wahl, argumentiert die Raiffeisenbank. Da die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls eine Strafgebühr von 0,4 Prozent verlange, wenn die Banken überschüssige Einlagen dort parkten, müsse man nun auch die eigenen Kunden damit belasten. Anders formuliert: Die Banken wollen unser Geld nicht mehr.

          Man muss sich klarmachen, was da gerade passiert. Nie war der Satz so richtig, den EZB-Präsident Mario Draghi stets empört zurückweist: Die EZB-Politik gefährdet unser aller Wohlstand! Das ist wörtlich zu nehmen: Das Beispiel der Raiffeisenbank könnte Schule machen.

          Selbst die stabilste Bank könnte zusammenbrechen

          Führen auch andere Banken Strafgebühren ein (noch weist man dies weit von sich), wäre die logische Folge, dass die Kunden ihre Gelder in großem Stil abziehen. Eine unangenehme Vorstellung: Wenn nämlich alle Kunden gleichzeitig an ihr Geld wollen, bricht selbst die stabilste Bank der Welt zusammen.

          Im Ergebnis könnte dies zu einem letztlich von der EZB ausgelösten Bank Run führen, was eine seltsame Pointe beinhaltet: Die Zentralbank ist nämlich gleichzeitig die oberste Aufsichtsbehörde der europäischen Banken und hat als solche sicher nicht die Aufgabe, die Banken zu destabilisieren. Verrückte Welt!

          Was also tun? Die verunsicherten Sparer könnten sich zur Abwechslung einfach mal dem zweiten wichtigen Finanzthema der vergangenen Woche zuwenden: Der Dax notiert auf einem neuen Jahreshoch von mehr als 10.700 Punkten.

          Zwar vermag in den ruhigen Sommerwochen mit geringen Handelsumsätzen niemand so richtig zu sagen, was die genauen Gründe für diese gute Entwicklung sind. Beliebt ist derzeit das oft gehörte Argument, zu Aktien gebe es in Zeiten niedriger Zinsen nun einmal keine Alternative.

          Dass dies altbekannt klingt, ändert aber nichts an der Richtigkeit: Nur mit Aktien im Depot lässt sich die Niedrigzinsphase gut überstehen. Das sollten sich alle geplagten Bankkunden in diesem Land zu Herzen nehmen.

          Dennis Kremer
          (dek.), Geld & Mehr

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