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Ratingagenturen : EZB muss für Wettbewerb sorgen

Hessen, Frankfurt/Main: Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) Bild: dpa

S&P, Moody’s und Fitch haben einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Entsprechend hohe Gebühren können sie verlangen. Das schreckt viele Unternehmen ab.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nicht nur für Geldpolitik und Bankenaufsicht zuständig. Sie beeinflusst auch an anderer Stelle – in der Öffentlichkeit wenig beachtet – die Strukturen am europäischen Finanzmarkt. Die Notenbank bestimmt den wichtigen Markt für die Bewertungen der Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen. Diesen dominieren in Europa die drei großen US-Anbieter S&P Global, Moody’s und Fitch. Ihre Bonitätsnoten bestimmen die Finanzierungskonditionen von Staaten, Unternehmen und Banken. Die großen Drei kontrollieren am europäischen Ratingmarkt, der ein jährliches Gebührenvolumen von 1,4 Milliarden Euro aufweist, mehr als 90 Prozent. Das Oligopol haben sie der EZB zu verdanken. Doch sie kann nun mehr Wettbewerb schaffen: Seit Jahresanfang befinden sich die zwei deutschen Ratingagenturen Scope und Creditreform Rating im Anerkennungsverfahren der EZB.

          Um dorthin zu gelangen, war viel Vorarbeit mit entsprechend hohen Kosten nötig. Über drei Jahre lang mussten Scope und Creditreform auf Tagesbasis nachweisen, dass sie die hohen Anforderungen der EZB erfüllen: Sie mussten 10 Prozent der notenbankfähigen Wertpapiere, 10 Prozent der Emittenten und 20 Prozent des Nominalvolumens dieser Schuldtitel bewerten. Die EZB akzeptiert 20.000 Wertpapiere, 800 Emittenten und Titel im Nennwert von 4 Billionen Euro. Die Bewertung erfordert viel Personal. Die Bewerber müssen ins Risiko gehen, bevor sich die EZB mit ihnen auseinandersetzt.

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