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EZB : Lob der Negativzinsen

Zentrale im Frankfurter Ostend: Die EZB hat 2014 Negativzinsen eingeführt. Bild: dpa

Alle reden jetzt von den Anleihekäufen der EZB. Aber was ist eigentlich mit dem anderen wichtigen unkonventionellen Instrument der Notenbank - den Negativzinsen? Eine Untersuchung geht dem nach.

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          Während Europa durch den Streit über das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) in Atem gehalten wird, hat die Notenbank jetzt eine aufwendige Untersuchung zur Wirkung ihres anderen großen unkonventionellen Instruments vorgelegt: der Negativzinsen. Auch dieses Thema ist nicht weniger heikel, unter anderem wird gerade in den Vereinigten Staaten vehement über den Einsatz dieses Instruments gestritten.

          Die Gefahr des „leakage“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die EZB-Ökonomen Miguel Boucinha und Lorenzo Burlon kommen in einem am Mittwoch veröffentlichten Aufsatz im „Economic Bulletin“ der Notenbank zu dem Ergebnis, die Negativzinspolitik habe zu einer verstärkten Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt. Die EZB betrachtet dieses Instrument den Angaben zufolge noch nicht als ausgereizt, der Zins hat also noch nicht seine Untergrenze erreicht. Gleichwohl ist die Negativzinspolitik offenkundig mit ungewollten Nebenwirkungen verbunden. Unter anderem wird die Möglichkeit angesprochen, dass die Menschen als Reaktion verstärkt Bargeld horten könnten, statt ihr Portfolio zugunsten von längerfristigeren und riskanteren Wertanlagen umzuschichten. Im Augenblick aber gebe es keine starken Anzeichen für so ein Leckwerden („leakage“) des Bankensystems, schreiben die Autoren. Während zwar in der Tat eine verstärkte Nachfrage nach Bargeld von Seiten der Banken zu beobachten gewesen sei, habe dies doch keineswegs ein solches Ausmaß erreicht, dass man dies als Signal für ein Abfließen von Liquidität aus dem Bankensystem ins Bargeld werten könnte.

          Blick auf die Wirkungskanäle

          Die Autoren legen besonderen Wert auf die Untersuchung der Wirkungskanäle der Negativzinsen. Diese hätten nicht nur die Erwartungen der Marktteilnehmer beeinflusst, die zuvor negative Zinsen nicht für möglich gehalten hätten, und die Nachfrage von Investoren nach längerfristigen Vermögenstiteln erhöht. Die negativen Einlagezinsen für Banken bei der Notenbank drängten auch Kreditinstitute mit Erfolg, ihre Kreditvergabe auszuweiten, um die Zahlung von Negativzinsen zu vermeiden. Zugleich brächten die Negativzinsen aber auch Brüche mit sich, die eine ordnungsgemäße Weitergabe der Geldpolitik über die Banken erschweren könnten: So könnten die Bankmargen leiden, wenn zwar die Einlagenzinsen für die Banken negativ werden, gesetzliche Gründe oder die Konkurrenz durch das Bargeld aber die Durchsetzung von negativen Zinsen für Einlagen nicht in gleichem Umfang möglich machten. Funktionierende Banken aber brauche die Geldpolitik für ihre Aufgabe.

          In der Abwägung äußern die Autoren der EZB sich gleichwohl zufrieden mit den Ergebnissen der Negativzinspolitik und ordnen die Nebenwirkungen als noch beherrschbar ein. Sie räumen allerdings ein, dass die negativen Folgen unter anderem für die Banken umso größer werden könnten, je länger das Instrument eingesetzt werde. Ein Grund dafür sei, dass viele Banken im Moment noch davon profitierten, höher verzinste Eigenanlagen aus früheren Zeiten zu haben: „Die Balance zwischen Kosten und Nutzen verändert sich, wenn die Zinsen für lange Zeit niedrig bleiben.“

          Die Untersuchung legt jedenfalls nahe, dass das Instrument gewirkt habe. Der seit 2014 geltende negative Einlagenzinssatz in der Eurozone habe das Kreditwachstum bis 2019 um 0,7 Prozent je Jahr erhöht, heißt es. Dazu passe, dass auch die Banken selbst in einer regelmäßigen Befragung („Bank lending survey“) angegeben hätten, das Volumen von Unternehmens- und Verbraucherkrediten erhöht zu haben. Die EZB schätzt, das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone habe Ende 2019 dank der unkonventionellen Maßnahmen wie Negativzinsen und Anleihekäufe etwa 2,5 bis 3Prozent höher gelegen als ohne sie und die Inflation sei 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte im Jahr höher ausgefallen. Hiervon soll ungefähr jeweils ein Sechstel auf das Instrument des negativen Einlagenzinssatzes zurückzuführen sein.

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