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EZB-Führung : Kein Helikopter-Geld für Europa

  • Aktualisiert am

Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Bild: dpa

Helikopter-Geld ist nach Aussage von EZB-Mitgliedern keine Lösung. Stattdessen könne die Geldpolitik ein weiteres Mal angepasst werden.

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          Führende Mitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) stellen sich gegen die Idee einer Verteilung direkter Geldgeschenke an die Bürger zur Anheizung der Inflation. Über ein solches „Helikopter-Geld“ werde noch nicht einmal diskutiert, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Donnerstag. Ins gleiche Horn blies EZB-Vize Vitor Constantio im Europa-Parlament: „Das ist nicht auf dem Tisch in irgendeiner Gestalt oder Form.“

          EZB-Präsident Mario Draghi hatte einen solchen Geldregen für die Verbraucher im März „als sehr interessante Idee“ bezeichnet. Danach brach eine rege Diskussion über solche Geschenke aus. Unter Volkswirten gilt Helikoptergeld als letztes Mittel der Geldpolitik - wenn alle anderen konventionellen und unkonventionellen Instrumente ausgereizt sind. Das schwedische Bankhaus Nordea hatte jüngst eine Summe von 1300 Euro ins Gespräch gebracht, die die Notenbank direkt an die Bürger der 19 Länder des Euro-Raums ausschütten könne.

          Unterdessen erklärte Draghi im EZB-Jahresbericht, auch 2016 werde für die Notenbank ein hartes Jahr sein. Die Aussichten für die Weltwirtschaft seien unsicher, Es gebe weiter Druck auf die Inflation. Zudem stellten sich Fragen in Bezug auf die künftige Ausrichtung Europas und der Widerstandsfähigkeit des Kontinents „gegenüber neuen Schocks“. In dem Umfeld sei die Verpflichtung auf das Mandat, für Preisstabilität zu sorgen, „ein Vertrauensanker“.

          Praet: Könnten Geldpolitik abermals anpassen

          Praet sagte in Frankfurt, die EZB habe noch genügend Pfeile im Köcher. „Falls es zu weiteren negativen Schocks kommen sollte, könnten wir unsere Maßnahmen abermals anpassen, um der Stärke des Gegenwindes zu begegnen.“ Dabei würden mögliche Nebeneffekte berücksichtigt. Dass die Inflation weiter niedrig sei, liege nicht an einer ineffektiven Geldpolitik, sondern daran, dass die Wirtschaft in der Zwischenzeit von neuen dämpfenden Einflüssen getroffen worden sei.

          Die Euro-Wächter hatten erst jüngst ihre Geldpolitik weiter gelockert, um die weiter schleppende Konjunktur anzuheizen und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation zu befeuern. Sie senkte unter anderem ihre drei Hauptzinsen und weitete ihr in Deutschland umstrittenes Anleihekaufprogramm aus. Die EZB strebt als eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Davon ist sie aber aktuell weit entfernt. Im März waren die Verbraucherpreise sogar um 0,1 Prozent gesunken.

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