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EZB : Frauen an die Notenbankspitze

  • Aktualisiert am

„Ja, ich muss leider bekennen: Ich bin keine Frau.“ Bild: AFP

Yves Mersch soll ins Direktorium der Europäischen Zentralbank aufrücken. Das EU-Parlament könnte am Donnerstag gegen ihn entscheiden. Der Grund: Er ist ein Mann.

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          EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat im Tauziehen um ein weibliches Mitglied im EZB-Direktorium für den Kandidaten Yves Mersch geworben. Damit hat der Ratspräsident am Dienstag zahlreiche EU-Parlamentarier enttäuscht. Die Volksvertreter wollen eine Frau im Kreis der sechs Direktoriumsmitglieder.

          Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hatte am Montag gegen den Luxemburger Notenbankchef Mersch votiert. 20 Abgeordnete votierten dabei gegen Mersch, 13 stimmten für ihn. Dabei versicherten mehrere Abgeordnete, dass sich ihre Ablehnung nicht gegen die Person des Luxemburger Notenbankers richte, sondern alleine der Tatsache geschuldet sei, dass kein Frau in dem Spitzengremium vertreten ist. „Wir können nicht hinnehmen, dass eine so wichtige Institution wie die EZB nur von Männern geleitet wird“, sagte die liberale Französin Sylvie Goulard. Mersch bekannte sein Geschlecht am Dienstag auf einem Maschinenbau-Gipfel in Berlin: „Ja, ich muss leider bekennen: Ich bin keine Frau.“

          Van Rompuy sagte, zwar seien mehr Frauen in Führungsposten besonders im Wirtschafts- und Finanzbereich nötig, doch der EZB-Posten müsse „dringend“ besetzt werden. Nach diesem als schwach empfundenen Engagement des Ratspräsidenten droht nun eine Ablehnung Merschs bei der Abstimmung am Donnerstag im Parlament.

          Mersch verteidigt Anleihekaufprogramm

          Unterdessen verteidigte Mersch in Berlin die von der Notenbank geplanten
          Staatsanleihenkäufe. Das im September vom EZB-Rat beschlossene Programm sei „ein gewaltiges Bollwerk gegen die zerstörerischen Szenarien, die mitunter an den Finanzmärkten gespielt wurden und die letztlich die Preisstabilität in der Eurozone gefährden könnten“, sagte er laut Redetext auf dem Deutschen Maschinenbaugipfel.

          Im Vergleich zu dem im Mai 2010 unter dem Eindruck der ersten Griechenland-Krise aufgelegten ersten Ankaufprogramm biete der zweite
          Aufguss, im Fachjargon OMT (Outright Monetary Transactions) genannt, viele Vorteile und weniger Risiken. Zwar gebe es im vorhinein „keine quantitative Festlegungen auf die Volumina der OMTs. Beim operativen Design wurde jedoch das Risikomanagement nicht aus den Augen verloren“. Beim ersten - SMP (Securities Markets Program) genannten - Kaufprogramm hatte die
          Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen in einem Volumen von knapp mehr als 200 Milliarden Euro am Markt gekauft.

          „Die einzige Parallele ist, dass beide Programme nicht auf Dauer angelegt sind“, sagte der Chef der Luxemburger Zentralbank und nahm damit das Programm gegen Kritik vor allem aus Deutschland in Schutz. Die an strikte Bedingungen geknüpften Anleihekäufe seien „Teil unserer unkonventionellen geldpolitischen Krisenmaßnahmen - und damit zeitlich begrenzt. Sie kaufen Zeit, in der die erforderlichen Reformen und Anpassungen in den Mitgliedsländern durchgeführt werden können.“

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