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Nach Kritik : Deutsche EZB-Direktorin tritt zurück

Sabine Lautenschläger wird von November an nicht mehr dem Direktorium der Europäischen Zentralbank angehören. Bild: dpa

Mitte September hat die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik noch einmal gelockert. Jetzt tritt mit Sabine Lautenschläger eine Kritikerin der milliardenschweren Anleihekäufe zurück.

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          Sabine Lautenschläger legt ihr Amt als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) vorzeitig nieder. Das hat die Notenbank am Mittwochabend mitgeteilt. Gründe wurden zunächst nicht genannt. Sie werde am 31. Oktober ausscheiden, hieß es lediglich. EZB-Präsident Mario Draghi dankte ihr für die wichtige Rolle, die sie beim Aufbau einer europaweiten Bankenaufsicht gespielt habe.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn die Notenbank die Gründe für den Rücktritt nicht kommentierte: Es ist zumindest möglich, die Entscheidung als Protest gegen die jüngsten geldpolitischen Beschlüsse der EZB zu deuten: Lautenschläger hatte sich wie ein halbes Dutzend weiterer Mitglieder des EZB-Rates vor der jüngsten Zinsentscheidung öffentlich gegen neue Anleihekäufe ausgesprochen. Das war für ein Mitglied des EZB-Direktoriums ungewöhnlich gewesen. Bei der Zinsentscheidung selbst sollen zehn von 25 Mitglieder des EZB-Rates gegen Anleihekäufe gewesen sein.

          Draghi sagte in der anschließenden Pressekonferenz, es habe Einmütigkeit in der Frage gegeben, dass man etwas machen müsse, nur über die Instrumente habe es unterschiedliche Auffassungen gegeben. Die Mehrheit für den jetzt gewählten Weg sei aber so groß gewesen, dass eine Abstimmung unnötig gewesen sei.

          Rücktritte aus Protest

          Nach der Entscheidung haben jedoch offenkundig keineswegs alle Ratsmitglieder einfach hingenommen, dass sie sich mit ihrer Ansicht nicht durchgesetzt haben. So hatte der niederländische Notenbankchef Klaas Knot eine offizielle Pressemitteilung herausgegeben, in der er die Beschlüsse kritisierte; das ist unter Notenbankern sehr ungewöhnlich. Auch der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hatte im Nachhinein die Entscheidung öffentlich kritisiert. Auch das war ungewöhnlich, weil Frankreich, anders als Deutschland, in der Vergangenheit weniger durch öffentliche Draghi-Kritik aufgefallen war.

          In Deutschland gibt es zudem gleichsam eine Tradition der Rücktritte aus Protest gegen Anleihekäufe. Auch der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber, dem Chancen für das Amt des EZB-Präsidenten eingeräumt wurden, hatte seinerzeit aus Protest gegen Anleihekäufe, sein Amt niedergelegt.

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