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EZB-Direktorium : Streit über Freiflüge für Partner

Sabine Lautenschläger war fast sechs Jahre lang Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Bild: Picture-Alliance

Ist das die Erklärung für ihren Rückzug? Der früheren EZB-Direktorin Lautenschläger wird vorgeworfen, ihren Partner zu häufig auf Dienstreisen mitgenommen zu haben. Auch darüber hinaus gab es Streit mit dem ehemaligen Präsidenten Draghi.

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          Offenbar hat es in der Europäischen Zentralbank (EZB) Kritik an Sabine Lautenschläger gegeben, der Ende Oktober ausgeschiedenen deutschen Direktorin, weil diese ihren Partner auf Kosten der Notenbank auf Reisen mitgenommen habe. Die „Süddeutsche Zeitung“ jedenfalls berichtet, ohne genau die Quelle der Kritik zu nennen, dass zwei EZB-Direktoren in den vergangenen Jahren „bemerkenswert häufig“ ihre Partner auf Kosten der Notenbank mitgenommen hätten. Es handele sich um Lautenschläger und Yves Mersch.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die mögliche Verquickung von Privatem und Geschäftlichen habe in der Notenbank für Unmut gesorgt. Es sei auch geschehen, dass Direktoriumsmitglieder, die eigentlich eine Pauschale für „Repräsentationspflichten“ bekämen, etwa für Restaurantbesuche, trotzdem Rechnungen für Geschäftsessen separat als Spesen abrechneten.

          Das habe dazu geführt, dass dem früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi „der Kragen geplatzt“ sei und er verfügt habe, die Direktoren sollten die Geschäftsessen künftig aus der Pauschale begleichen – oder ihre Gäste in die Kantine der Notenbank ausführen.

          Die Begleitung muss „im dienstlichen Interesse“ sein

          Die EZB selbst wollte am Donnerstag den Kern des Berichts nicht kommentieren, erläuterte aber auf Anfrage ihre Regelung zu entsprechenden Fragen. Wenn internationale Gremien oder Entscheidungsorgane der EZB bei einer externen Sitzung tagten, komme es gelegentlich vor, dass die Gastgeber neben den Gremienmitgliedern auch deren Partner beziehungsweise Partnerinnen einladen.

          „In solchen Fällen trägt die EZB die Reisekosten für Partner.“ Voraussetzung sei allerdings, dass die Begleitung „im dienstlichen Interesse“ sei und internationalen Gepflogenheiten entspreche. Der „Code of Conduct“ (Verhaltenskodex) der EZB erkenne diese internationalen Gepflogenheiten an. Ansonsten erhielten Mitglieder des Direktoriums in der Tat eine Entschädigung, die Aufwendungen für Zwecke der Repräsentation abdecke.

          Lautenschläger hatte Ende September ihren Rückzug erklärt. In ihrem Umfeld hatte es geheißen, ausschlaggebend sei gewesen, dass sie die neuerlichen Anleihekäufe der EZB nicht für richtig halte. Es habe aber schon vorher viele Konflikte mit Draghi gegeben, Lautenschläger sei „zermürbt“ gewesen.

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