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EZB-Direktor Panetta : Steigende Infektionszahlen schwächen wirtschaftliche Erholung

  • Aktualisiert am

EZB-Direktor Fabio Panetta im Januar in Berlin Bild: Reuters

EZB-Direktor Fabio Panetta befürchtet, dass die neue Pandemiewelle die Erholung der Wirtschaft ausbremsen wird – und sich die Unterschiede zwischen starken und schwächeren Ländern im Währungsraum verschärfen werden.

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          Die Wirtschaft im Euro-Raum wird aus Sicht von EZB-Direktor Fabio Panetta wegen der wieder schärferen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie möglicherweise später als gedacht zum Vorkrisenniveau zurückkehren. Die jüngsten Wirtschaftsprojektionen der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen erst für Ende 2022 eine Rückkehr zum Niveau von vor der Krise vor, sagte Panetta in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der griechischen Zeitung „Kathimerini“.

          „Allerdings könnte die Rückkehr zu strengeren Eindämmungschritten, die wir in einer Reihe von Euro-Ländern beobachten, diesen Zeithorizont sogar noch weiter hinausschieben,“ sagte er. Panetta ist im sechsköpfigen EZB-Führungsteam unter anderem für internationale und europäische Beziehungen zuständig.

          Das Wiederaufflammen der Infektionszahlen in manchen Ländern schwäche die wirtschaftliche Erholung, sagte der Notenbanker. Dies betreffe insbesondere den Dienstleistungssektor. „Das verstärkt die Notwendigkeit einer längeren wirtschaftlichen Unterstützung durch Konjunkturpolitik.“ Es bestehe die Gefahr, dass die langsame Erholung die Unterschiede zwischen starken und schwächeren Ländern im Währungsraum verschärfe. „Je länger es dauert zum Vorkrisenniveau zurückzukehren, umso größer wird die Auswirkung auf Divergenz und Ungleichheit sein.“

          Die Regierungen rief Panetta auf, das geplante EU-Hilfspaket im Umfang von 750 Milliarden Euro schnell umzusetzen. „Es ist entscheidend, dass die Mittel Anfang 2021 verfügbar sind, um jedwede fiskalischen Klippeneffekte zu vermeiden.“

          Die EZB hat in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von geldpolitischen Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzumildern. Ihr großangelegtes Krisen-Anleihenkaufprogramm PEPP ist inzwischen auf 1,35 Billionen Euro angelegt – die Käufe sollen bis mindestens Ende Juni 2021 laufen. Die EZB steht Panetta zufolge bereit, falls nötig erneut nachzulegen. „In Anbetracht des schieren Umfangs der Gefahren sollten es keine Zweifel hinsichtlich unserer Entschlossenheit geben, Preisstabilität zu bewahren“, sagte er.

          Viele Ökonomen erwarten inzwischen bis zum Jahresende eine Aufstockung der Anleihenkäufe. Die nächste Zinssitzung der EZB ist für den 29. Oktober geplant.

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