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EZB-Chef Draghi hört auf : Ein Römer hinterlässt Spuren

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte „Mario“ in ihrer Abschiedsrede für seinen Einsatz und seine Unabhängigkeit. Bild: Reuters

Nach acht Jahren als EZB-Präsident wurde Mario Draghi nun offiziell verabschiedet. Europäische Staatschefs sprachen dem Italiener ihren Dank aus – vor allem für die Rettung des Euros.

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          Mit Polizeistaffeln und einigem Spektakel trafen sie am Montag in Frankfurt ein: die Gäste für Mario Draghis Abschiedsparty, das „Farewell Event“, wie es offiziell hieß. Empfangen wurden sie von einem EZB-blauen statt roten Teppich, aber nicht weniger festlich. Nach acht Jahren hört Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank auf; und niemand Geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Italiens Präsident Sergio Mattarella hielten die Abschiedsreden für „Mario“, wie die Bundeskanzlerin den scheidenden Notenbankchef unter Berufung auf das gemeinsam Erlebte ganz vertraulich nannte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Du hast den Euro durch unruhige See navigiert“, lobte die Bundeskanzlerin: „Für Deinen leidenschaftlichen Einsatz danke ich Dir von Herzen“, hob sie hervor. Von den vielen Konflikten und der Kritik an Draghi ist nur zwischendurch mal ganz vorsichtig die Rede, etwa wenn Merkel andeutet, die Unabhängigkeit der Notenbank schließe ein, dass diese manchmal auch anders entscheide, als man selbst es sich gewünscht hätte: „Unabhängigkeit schützt in jede Richtung.“

          Er glaubte immer an den Euro

          Um Draghis Spuren zu beschreiben, die er in Frankfurt hinterlasse, erinnerte die Kanzlerin an die römische Vergangenheit der Region: „Der Limes verlief hier nur wenige Kilometer entfernt.“ Sogar das Frankfurter Rathaus heiße schließlich Römer und der Ort, wo es stehe, Römerberg: Das alles zeige die kultur- und geistesgeschichtliche Nähe Frankfurts zu Rom: „Es ist also eine gute Tradition, als Römer hier Spuren zu hinterlassen.“ Das habe Draghi „als herausragende Persönlichkeit“ getan.

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hoben wie Merkel die drei Worte hervor, mit denen Draghi in Erinnerung bleiben werde: „Whatever it takes“. Drei „schlichte“ Worte mit großer Wirkung, wie Macron betonte, von Draghi 2012 in einer Rede in London gewählt, um auszudrücken, dass die Notenbank alles in ihrem Mandat mögliche zur Rettung des Euros tun werde. Damit habe er alle Zweifel an der die Unumkehrbarkeit des Euros ausgeräumt – eine große Leistung für die gemeinsame Währung.

          Lagarde will Draghis Arbeit fortführen

          Als nach Merkel auch Macron Draghi überschwänglich dankt, ist der sonst oft so unnahbar wirkende Präsident sichtlich gerührt. Draghi selbst beschwört nach den heftigen Differenzen im EZB-Rat zu seinem Abschied die Einheit. „Was den EZB-Rat eint, war immer und wird immer viel stärker sein, als irgendetwas, das ihn spalten könnte.“ Mit einem Handschlag übergibt er symbolisch das höchste Amt in der Notenbank an seine Nachfolgerin Christine Lagarde; obwohl deren Amtszeit streng genommen erst am Freitag beginnt.

          Lagarde nennt Draghi ein „Vorbild“ für ihr künftiges Engagement an der Spitze der EZB. Er habe das Mandat der Preisstabilität hochgehalten und zudem dazu beigetragen, dass der Euro so populär sei wie nie zuvor. Sie sagte: „Ihr Erbe ist für uns die Herausforderung, weiter in Ihrem Sinne zu wirken mit Weisheit, Entschlossenheit und Engagement.“ Die künftige EZB-Präsidentin hob hervor, es gehe ihr darum, den Euro stark zu machen „für die Bürgerinnen und Bürger der Union“.

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