https://www.faz.net/-gqe-9peuu

Geldpolitik im Euroraum : EZB-Präsident stellt neue Anleihekäufe und niedrigere Zinsen in Aussicht

  • Aktualisiert am

Mario Draghi Bild: AFP

Mario Draghi macht klar: Die Geldpolitik in der Währungsunion wird lockerer. Wahrscheinlich ist ein Maßnahmenpaket.

          1 Min.

          Von niedrigeren Zinsen haben die Währungshüter in der Europäischen Zentralbank diesmal noch abgelassen. Notenbankpräsident Mario Draghi machte im Anschluss an die Sitzung der EZB-Führung an diesem Donnerstag in Frankfurt aber klar, dass neue Maßnahmen folgen, sollte die Teuerungsrate innerhalb der Währungsunion weiter unterhalb des angestrebten Zielwertes verharren. Die Währungshüter streben mittelfristig eine Inflationsrate von nahe 2 Prozent an.

          Draghi hob in seinen Ausführungen hervor, dass dieses Ziel „symmetrisch“ sei, die Währungshüter eine dauerhaft niedrigere Inflationsrate ebenso bekämpfen wie eine dauerhaft höhere. „Sollte der mittelfristige Inflationsausblick weiter unter dem Ziel zurückbleiben, ist der EZB-Rat entschlossen, im Einklang mit seiner Verpflichtung zur Symmetrie des Inflationsziels zu handeln“, sagte Draghi. Die Notenbank sei bereit, „alle ihre Instrumente“ gegebenenfalls anzupassen, um das Ziel zu erreichen.

          Draghi erwähnte nicht ausdrücklich neue Wertpapierkäufe. Da dieses Instrument von der EZB in den vergangenen Jahren umfangreich verwendet wurde, ist allerdings klar, dass es zu den möglichen neuen Maßnahmen zählt. Draghi kündigte außerdem an, dass die Notenbank gerade prüfen lasse, welche Optionen ihr zur Verfügung stehen und erwähnte darin auch die Möglichkeit, die Zinssätze zu staffeln, die derzeit fällig werden auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank.

          Den Leitzins beließen die Währungshüter unverändert auf null Prozent. Der Zinssatz, den Banken zahlen müssen auf ihre Notenbankeinlagen, beläuft sich weiter auf 0,4 Prozent. Auch der Zins für kurzfristiges Zentralbankgeld, das Banken über Nacht bei der EZB leihen, bleibt bei 0,25 Prozent. Draghi kündigte an, dass die Notenbank die Zinsen mindestens bis zum Sommer 2020 auf dem aktuellen Niveau halten werde. Auch werden die Tilgungen von den von der Notenbank gehaltenen Wertpapieren mindestens bis über diesen Zeitpunkt hinaus vollumfänglich reinvestiert.

          Weitere Zinssenkungen gelten nach dieser Sitzung indes ebenfalls als gut möglich. Der deutsche Aktienindex reagierte mit einem leichten Plus. Deutlicher war die Reaktion bei Staatsanleihen. Die Renditen der deutschen Bundesanleihe und die italienischer Staatsschuldtitel sanken auf Rekordtief.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Bei der aktuellen Sonntagsfrage verliert die AfD an Zustimmung.

          Sonntagsfrage : AfD fällt auf 13 Prozent

          Die AfD fällt damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die SPD hingegen kann leicht Boden gutmachen - und zieht mit 15 Prozent an der AfD vorbei.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.