https://www.faz.net/-gqe-9lt6b

Euro-Geldpolitik : EZB behält den Nullzins bei

  • Aktualisiert am

Die EZB behält auch ihre Zinsen auf Einlagen der Banken bei. Bild: Bäuml, Lucas

Die EZB behält den Leitzins auf Rekordtief und auch weiter werden Banken zahlen müssen auf ihre Einlagen bei der Notenbank. Eine Wende ist nicht in Sicht.

          Die Zinswende in der Währungsunion lässt weiter auf sich warten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent und auch an den 0,4 Prozent Zinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld auf ihren Notenbank-Konten parken, rüttelten die Währungshüter während ihrer Sitzung an diesem Mittwoch in Frankfurt vorerst nicht.

          Bereits auf der Sitzung im März hatte der EZB-Rat die erste Zinserhöhung mindestens bis ins Jahr 2020 verschoben. Sparer müssen sich also noch länger als erwartet gedulden, ehe es wieder höhere Zinsen zum Beispiel auf Sparbücher und Tagesgeldkonten gibt. Wer einen Kredit aufnimmt, kann dagegen von günstigeren Konditionen profitieren.

          Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte vor zwei Wochen angedeutet, dass die EZB womöglich die Finanzbranche etwas entlasten könnte. Denn Geldverdienen fällt vielen Banken in diese Umfeld schwer, auch angesichts des Negativzinses auf überschüssige Liquidität. Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zahlen Banken im Euroraum derzeit jährlich ungefähr 7,5 Milliarden Euro an „Strafzinsen“.

          Inflation weiter unter Zielwert

          Die EZB beobachte weiterhin, wie Banken gesunde Ertragsbedingungen aufrechterhalten können, hatte Draghi bei einer Konferenz gesagt. „Falls notwendig, müssen wir über mögliche Maßnahmen nachdenken, die die günstigen Auswirkungen negativer Zinssätze für die Wirtschaft aufrechterhalten und zugleich etwaige Nebenwirkungen mildern können.“ Beobachter halten eine Staffelung des Negativzinses oder Freibeträge für einen möglichen Weg.

          Bereits beschlossen sind neue Geldspritzen für Banken – auch als Reaktion auf gestiegene Risiken für die Konjunktur. Wie mehrfach in den vergangenen Krisenjahren bietet die EZB Geschäftsbanken abermals längerfristige Kredite zu besonders günstigen Konditionen an, im Fachjargon TLTRO genannt. Diese sollen ab September 2019 bis März 2021 zur Verfügung gestellt werden und eine Laufzeit von jeweils zwei Jahren haben. Ziel ist, über diesen Weg die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln und so Konjunktur und Inflation anzuschieben.

          Im März war die jährliche Teuerungsrate im Euroraum auf 1,4 Prozent gesunken, im Februar lagen die Verbraucherpreise in den 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung nach Berechnungen des Statistikamtes Eurostat noch um 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

          Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an, weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur bremsen.

          Die EZB selbst rechnet im laufenden Jahr mit einer Teuerungsrate von 1,2 Prozent, 2020 dann mit 1,5 Prozent. Draghi bekräftigt immer wieder, die EZB habe ausreichend Instrumente, ihr Inflationsziel zu erreichen.

          Frische Milliarden in Staats- und Unternehmensanleihen will die Notenbank vorerst aber nicht stecken. Allerdings werden die Gelder aus auslaufenden Papieren wieder investiert. Von März 2015 bis Ende 2018 hat die EZB Wertpapiere für rund 2,6 Billionen Euro erworben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.