https://www.faz.net/-gqe-9b7rg

Notenbank entscheidet : EZB beendet Anleihekäufe im Dezember

  • Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi fährt die geldpolitische Unterstützung zurück. Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank kündigt angesichts der verbesserten Konjunktur und einer höheren Inflation das Ende ihrer zusätzlichen Anleihenkäufe an. Die Nullzinsen sollen aber bleiben.

          1 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihre Kurswende voran: Die Euro-Währungshüter kündigten an diesem Donnerstag nach der Zinssitzung in Riga an, ihr Anleihekaufprogramm zurückzufahren. Zum Jahresende sollen netto keine weiteren Wertpapiere im Rahmen dieser Maßnahme mehr hinzugekauft werden.

          Derzeit kaufen die Zentralbanken in der Währungsunion monatlich für 30 Milliarden Euro Schuldtitel hinzu, der wesentliche Anteil dafür entfällt auf Staatspapiere. Ab Oktober soll es jetzt eine kurze Auslaufphase mit reduziertem Volumen geben. EZB-Präsident Mario Draghi wird die Beschlüsse am Nachmittag der Öffentlichkeit erläutern.

          „Aussagen waren viel expliziter als erwartet“

          Die Euro-Notenbanken begannen im März 2015 mit den Anleihekäufen, die in Deutschland umstritten sind. Zwischenzeitlich erhöhte sie den Umfang auf 80 Milliarden Euro. Im April 2017 reduzierte sie die Käufe erstmals, eine weitere Reduktion folgt.

          Die Anleger an den Finanzmärkten reagierten kaum auf die Ankündigung. Der Standardwerteindex Dax liegt am frühen Nachmittag etwas im Plus, der Euro-Kurs sank gegenüber dem Dollar um 1 Cent. „Die Aussagen zum Ende der Nettokäufe des QE-Programms und zum weiteren Verlauf der Zinsen waren viel expliziter als von uns erwartet“, sagte Jürgen Michels, der Chefvolkswirt der Bayern LB: „Im Rahmen der gestiegen Unsicherheit auch von der Handelsseite hatten wir erwartet, dass die EZB sich mehr Freiheitsgrade für die Ausgestaltung der künftigen Politik behalten würde.“ Otmar Lang von der Targobank kommentierte: „Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. In Deutschland liegt die Inflation aktuell bei 2,2 Prozent, im Euro-Raum bei 1,9 Prozent.“

          Die Euro-Währungshüter streben mittelfristig eine Teuerungsrate von nahe 2 Prozent an. Während sie nun ein Ende der zusätzlichen Anleihekäufe angekündigt haben, signalisieren sie zugleich, dass die Leitzinsen noch bis über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0 Prozent.

          Weitere Themen

          Soll es ein Recht auf Inflation geben?

          FAZ Plus Artikel: Zinspolitik : Soll es ein Recht auf Inflation geben?

          Die Inflation bleibt weiterhin ungewöhnlich niedrig – und eine Diskussion über die künftige Strategie der Notenbank ist ausgebrochen. Manche sprechen sich beim Inflationsziel bereits für mehr Spielraum für die EZB aus.

          Topmeldungen

          Ruinerwold in Aufruhr : Polizei nimmt auch Vater der isolierten Familie fest

          Fassungslos reagieren die Einwohner des niederländischen Dorfes Ruinerwold auf die mutmaßliche Freiheitsberaubung einer ganzen Familie zu der immer mehr Details ans Licht kommen. Nun hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen verhaftet.
          Boris Johnson am Donnerstag in Brüssel.

          Brexit-Streit : Noch viel Überzeugungsarbeit für Boris Johnson

          Mit den EU-Partnern hat sich Großbritanniens Regierungschef auf eine neuen Entwurf des Brexit-Vertrags geeinigt. Doch im britischen Unterhaus muss Boris Johnson weiter um jede Stimme dafür kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.