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„Extinction Rebellion“ : Wie radikale Klimaschützer mobil machen

Aktionstag in Los Angeles: „Extinction Rebellion“-Aktivisten tragen das Klima zu Grabe Bild: AFP

Eine neue radikale Klimaschutzbewegung hat sich gegründet: „Extinction Rebellion“ ist binnen kurzer Zeit international expandiert.

          Jeremy Clarkson war bisher nicht als Klimaschutzaktivist bekannt: Der britische Motorjournalist und Autonarr, bekannt aus der BBC-Kultserie „Top Gear“, schien sich nun wirklich mehr für Rennstrecken als für Regenwälder zu interessieren. Umso größer war die Überraschung, dass sich Clarkson angeblich als Unterstützer einer neuen radikalen Klimaschutzbewegung outete. Die Meldung erwies sich zwar als Aprilscherz. Doch die Gruppe namens „Extinction Rebellion“ („Aufstand gegen das Aussterben“) gibt es tatsächlich. Sie wurde im Oktober 2018 in Großbritannien gegründet und hat sich seither in verblüffend schnellem Tempo international organisiert.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          XR ist nach eigenen Angaben mittlerweile in rund 30 Ländern vertreten. Allein für Deutschland listet die Internetseite der Organisation knapp drei Dutzend Ortsgruppen von Kiel bis Lindau auf und hat hierzulande nach eigener Schätzung mehrere tausend Unterstützer. Global seien es etwa 70.000 Anhänger. Erkennungszeichen der Gruppe ist das schwarze X-Logo auf grünem Grund, das an eine Sanduhr erinnert.

          Unterstützt von Intellektuellen und Stars

          XR propagiert einen Klimaschutz-Aktivismus mit verschärften Mitteln: Gewalt lehnt die Gruppe zwar explizit ab, doch wird zu Rechtsbrüchen in Form von massenhaftem „disruptivem zivilem Ungehorsam“ aufgerufen. Als Vorbild nennt XR den gewaltlosen Widerstand von Mahatma Gandhi gegen die damalige britische Kolonialherrschaft in Indien. Im November blockierten zum Beispiel Tausende von XR-Aktivisten einen Tag lang fünf Themse-Brücken in der Londoner Innenstadt und sorgten damit für ein Verkehrschaos. Kleinere Aktionen gab es auch bereits in Köln und anderen deutschen Großstädten.

          Alle bisherigen Protestbewegungen für den Klimaschutz seien letztlich wirkungslos geblieben, sagte Robin Boardman, einer der Gründer von XR, im Gespräch mit der F.A.Z. „Andere Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace haben völlig versagt“, findet der 21 Jahre alte Student aus Bristol. „Die organisieren seit Jahrzehnten Protestmärsche und Lobbyaktionen, ohne etwas bewirkt zu haben.“ Deshalb müsse der Forderung an die Politik nach wirkungsvollen Maßnahmen gegen den Klimawandel nun mit härteren Methoden Nachdruck verliehen werden.

          „Aufstand oder Aussterben“ lautet ein zentraler Slogan der Bewegung. Zu den radikalen Forderungen von XR zählt, den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) binnen fünf Jahren auf null zu senken. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr sind die globalen CO2-Emissionen nach Berechnung der Internationalen Energieagentur auf ein neues Rekordhoch von 33 Milliarden Tonnen gestiegen. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen rechnet vor, dass die Menschheit ab Mitte des Jahrhunderts per Saldo kein weiteres CO2 freisetzen dürfe, wenn der Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter wie angestrebt auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Klimaexperten halten das für schwer erreichbar. Doch XR sind die Zielvorgaben zu lasch.

          „Shut down London“

          Unterstützt wird die neue Klimaschutz-Guerrilla in Großbritannien von Intellektuellen wie etwa Rowan Williams, dem früheren Erzbischof von Canterbury und geistlichen Oberhaupt der Kirche von England. Im Herbst unterschrieben neben ihm Dutzende von Wissenschaftlern an britischen Universitäten einen offenen Brief zur Gründung von XR. Auch Künstler wie die Mitglieder der britischen Band Radiohead sollen zu den Anhängern gehören. Auf Twitter wirbt die Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Emma Thompson für XR.

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          Für die kommende Woche hat die Organisation zu ihrer bislang größten Massenprotestaktion aufgerufen. Die „Internationale Rebellion“ soll laut XR für Verkehrsblockaden in zahlreichen Großstädten von Auckland über Mexiko City bis Vancouver sorgen. In der britischen Hauptstadt lautet am Montag das Motto „Shut down London!“ (Legt London lahm!). In Berlin wird für diesen Tag zu einer „Aktion Spreebrücken“ aufgerufen. Wie weitreichend die Protestaktionen tatsächlich werden, ist schwer abschätzbar, doch ist die Gruppe zumindest im Heimatland Großbritannien offenbar gut organisiert.

          XR ist auch deshalb so schnell gewachsen, weil die Gruppe kompromisslos auf die Eigeninitiative und Autonomie ihrer Mitglieder setzt. „Wir sind eine dezentrale Organisation – jeder kann Dinge im Namen von Extinction Rebellion tun“, heißt es in den Statuten. Niemand müsse dafür die Erlaubnis einer Führungsriege oder anderer Mitglieder einholen. Voraussetzung sei nur, dass sich die Aktivisten an die Grundprinzipien von XR wie etwa die Gewaltlosigkeit hielten.

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