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Berater : Die Bundesregierung kauft gern IBM-Expertise ein

IBM-Niederlassung in Ehningen Bild: dpa

Mehr als 330 Millionen Euro haben die Bundesministerien im ersten Halbjahr für externe Berater ausgegeben. Am meisten Geld bekam das amerikanische Unternehmen IBM.

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          Das amerikanische Unternehmen IBM ist die wichtigste Beratungsgesellschaft der Bundesregierung. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Frage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn hervor. Die deutsche Tochtergesellschaft des Konzerns aus dem Bundesstaat New York erreichte demnach im ersten Halbjahr Verträge über Beratungs- und Unterstützungsleistungen mit einem Auftragswert von 115,2 Millionen Euro. An zweiter Stelle steht die IT-Beratungsgesellschaft Conet mit 79,5 Millionen Euro. Dahinter folgt PricewaterhouseCoopers mit 55,9 Millionen Euro.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie die Parlamentarische Finanzstaatssekretärin Bettina Hagedorn (SPD) hervorhebt, gibt es in den Ministerien keine einheitliche Definition für Beratungs- und Unterstützungsleistungen. Deshalb könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Angaben aus den verschiedenen Ministerien miteinander vergleichbar seien. Der Linken-Politiker Höhn forderte die Bundesregierung auf, den Bürgern zu erklären, „wieso Abermillionen an Steuergeldern auf den Konten dieser externen Berater landen“. Dass auf der Liste mit den zehn größten Beratungs- und Unterstützungsleistungen auch Accenture und Orphoz GmbH – eine Tochtergesellschaft von McKinsey – stehen, nannte er pikant, da ein Untersuchungsausschuss derzeit die Rolle von Accenture und McKinsey in der Bundeswehr-Berateraffäre untersuche. „Dieser Einfluss umstrittener Unternehmen hinterlässt, gelinde gesagt, ein bitteres Geschmäckle.“

          Insgesamt hat der Bund mehr als 500 Beraterverträge abgeschlossen. Ein großer Teil entfällt auf die IT-Beratung. Wie viele Großunternehmen auch, können die Ministerien und ihre nachgelagerten Behörden viele Schwierigkeiten nicht alleine stemmen, die sich durch die Digitalisierung und die neue Datenwelt stellen. Am meisten Geld gibt das Verteidigungsministerium für externe Berater aus – im ersten Halbjahr waren es ungefähr 155 Millionen Euro und damit fast genau so viel, wie alle anderen Ministerien zusammen. Das Innenministerium hat rund 79 Millionen Euro für Beratungs- und Unterstützungsleistungen gezahlt, auf das Konto des Verkehrsministeriums entfallen immerhin noch knapp 48 Millionen Euro.

          Die Beraterausgaben der Ministerien stoßen regelmäßig auf Kritik. Vor allem das Verteidigungsministerium hat für Empörung gesorgt, weil es mehrfach gegen das Vergaberecht verstieß. Seit Januar befasst sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages mit den Beraterausgaben des Verteidigungsministeriums. Am 12. Dezember sollen die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre frühere Staatssekretärin Katrin Suder vor dem Ausschuss erscheinen. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater wehrt sich gegen die These, dass der deutsche Staat „kaputtgespart“ wurde und nun externen Beratern hilflos ausgeliefert ist. Die Honorare im öffentlichen Sektor seien im Schnitt niedriger als in der Privatwirtschaft. Übliche Stundensätze für Berater im öffentlichen Sektor liegen nach seinen Angaben zwischen 100 und 190 Euro.

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