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Corona-Krise : Exporte wachsen, aber Industrie hält Aussichten für trüb

  • Aktualisiert am

Ein Mann rangiert Container für die Weiterverladung in einer Logistikstation in China. Bild: dpa

Die Ausfuhren aus Deutschland steigen den fünften Monat in Folge. Doch der Exportumfang wird im Vergleich zum Vorjahr wohl sinken. Das liegt nicht nur am Corona-Schock.

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          Die deutschen Exporteure haben sich vor der zweiten Pandemie-Welle dank der Konjunkturbelebung wichtiger Handelspartner wie China weiter von der Corona-Krise erholt. Ihre Ausfuhren stiegen im September den fünften Monat in Folge, und zwar um 2,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

          Befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 2,0 Prozent gerechnet. Trotz der Aufholjagd blieben die Ausfuhren um 7,7 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020 – dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen. Die Importe fielen im September um 0,1 Prozent, nachdem sie zuvor viermal in Folge gewachsen waren.

          Industrie und Ökonomen rechnen wegen der wieder aufgeflammten Pandemie mit neuem Gegenwind. „Die deutsche Wirtschaft muss sich darauf einstellen, dass sich die Exportaussichten bis Jahresende weiter eintrüben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. „Neben dem anhaltenden Corona-Schock drohen verschärfte Exportkontrollregeln die Wachstumschancen der globalen Arbeitsteilung auszubremsen.“ Übermäßig restriktive Visa- und Einreisebeschränkungen und überbordende Zölle setzten den Welthandel zusätzlich unter Druck.

          Bestellungen werden wieder sinken

          “Die zweite Corona-Welle und die damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen bremsen die wirtschaftliche Erholung in den europäischen Nachbarländern deutlich ein“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Die Auslandsbestellungen werden wohl schon bald wieder Dellen bekommen.“ Darauf deuten auch die Exporterwartungen der Unternehmen hin, die im Oktober einer Ifo-Umfrage zufolge deutlich nachgaben.

          Von Januar bis September blieben die Exporte ungeachtet der jüngsten Erholung weit unter dem Vorjahresergebnis: Sie sanken um 11,7 Prozent auf 880 Milliarden Euro. Der BDI geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2020 unterm Strich ein Minus von 13 Prozent herauskommen wird. „In diesem Jahr erwarten wir nur noch ein Exportvolumen, das ungefähr dem vor sechs Jahren entspricht“, sagte BDI-Experte Lang.

          Auch wegen der drohenden Exportschwäche dürfte die Wirtschaft im laufenden vierten Quartal ihr Erholung unterbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im Sommerquartal im Rekordtempo von 8,2 Prozent, nachdem es im Frühjahr wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie mit 9,7 Prozent so stark gefallen war wie noch nie. Viele Experten halten einen erneuten Rückgang im vierten Quartal für möglich, da seit Anfang November neue Corona-Beschränkungen in Deutschland gelten.

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